{"id":946,"date":"2014-01-12T21:30:39","date_gmt":"2014-01-12T21:30:39","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/virtuose-orgel-iveta-apkalna-andrew-dewar\/"},"modified":"2014-01-12T21:30:39","modified_gmt":"2014-01-12T21:30:39","slug":"virtuose-orgel-iveta-apkalna-andrew-dewar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/virtuose-orgel-iveta-apkalna-andrew-dewar\/","title":{"rendered":"Virtuose Orgel: Iveta Apkalna, Andrew Dewar"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2006\/apka20106.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>02.02.2006 &#8212; Erstaunlich ist nicht etwa, dass die lettische Konzertorganistin Iveta Apkalna f\u00fcr ihre CD \u00abHimmel &amp; H\u00f6lle\u00bb mit dem Echo-Klassik-Award der Deutschen Phono-Akademie neben vier anderen mit dem gleichen Titel Ausgezeichneten zur Instrumentalistin des Jahres 2005 erkoren worden ist. Zu denken gibt, dass in der Geschichte des 1992 ins Leben gerufenen Preises erstmals \u00fcberhaupt die Orgel ber\u00fccksichtigt wurde. <\/p>\n<p> Trotz ihrer Opulenz und ihrer Blickfang-Pr\u00e4senz als grossb\u00fcrgerliche Pi\u00e8ce de r\u00e9sistance hinter dem Podium repr\u00e4sentativer Konzerts\u00e4le gilt die Orgel noch in weiten Publikumskreisen \u2013 und unter der Mehrzahl der in der Regel in kirchlicher Anstellung stehenden Organisten \u2013 als prim\u00e4r sakrales Instrument im Dienst der Gl\u00e4ubigen. Entsprechend liegt der Akzent des Repertoires denn auch im gottesdienstlichen Bereich. Anzumerken ist, dass der neueren Orgelmusik, die seit den Sechzigerjahren international ins Interesse der Komponisten r\u00fcckte, \u00fcberwiegend weltliche Funktion zukommt. (Nat\u00fcrlich ging sie dabei ihrer Bindung an die jahrhundertelange Tradition nicht verlustig.) <\/p>\n<p> Nun ist nicht jeder Spieler ein Hexenmeister auf Manualen und Pedal, und auch wer sich das R\u00fcstzeug erarbeitet und mit einem gefeierten Pianisten oder Geiger oder S\u00e4nger vergleichbare Souver\u00e4nit\u00e4t errungen hat, kann sich seinen Lebensunterhalt kaum mit Konzerten und Einspielungen sichern. <\/p>\n<p> <strong> Rezital in Stuttgart<\/strong> <\/p>\n<p> Eine, die den unkonventionellen Weg dazu eingeschlagen hat, ist die 1976 in Lettland geborene Organistin (und Konzertpianistin) Iveta Apkalna. Sie studierte in ihrem Heimatland, bildete sich weiter in London und Stuttgart und heimste etliche bedeutende Preise f\u00fcr Klavier- und Orgelinterpretation ein. In ihren beiden bei der Edition Hera, Stuttgart, erschienenen CDs distanziert sie sich beherzt von g\u00e4ngigen Erfolgsrezepten (nach dem Muster: bekannte Kompositionen, dazu ein, zwei kurze modernere Alibist\u00fccke) und setzt auf Unbekanntes mit Betonung des Virtuosen. <\/p>\n<p> Zwar bilden im Album \u00abIveta Apkalna live\u00bb Bach das Zentrum (Fantasie und Fuge g-Moll BWV 542) und Liszt den Auftakt (Pr\u00e4ludium und Fuge \u00fcber B-a-c-h), doch werden sie kontrapunktiert mit einem Werk ihres 1949 geborenen Landsmanns P\u00e9teris Vasks (\u00abViatore\u00bb), mit dem Finale aus \u00abHommage \u00e0 Strawinsky\u00bb des in Paris lebenden Libanesen Naji Hakim (geb. 1955) und mit dem letzten Teil der Trilogie \u00abSatyagraha\u00bb des Amerikaners Philip Glass. Der Konzertmitschnitt (samt Applaus) stammt aus der Johanneskirche Stuttgart. <\/p>\n<p> <strong>\u00abHimmel &amp; H\u00f6lle\u00bb<\/strong> <\/p>\n<p> \u00abHimmel &amp; H\u00f6lle\u00bb: ein Titel, der animiert, sich akustisch auf Dantes Spuren zu begeben. Auch hier, wie in aller Kunst\u00e4usserung, erweist sich, dass die Attraktivit\u00e4t des Himmels von jener der H\u00f6lle in den Schatten gestellt wird, der Reigen seliger Geister allemal fader anmutet als der Walpurgisnacht-Taumel, die Scharen der im J\u00fcngsten Gericht in Luzifers Rachen Geworfenen den Blick nachhaltiger fesseln als die weissgewandeten Erl\u00f6sten. <\/p>\n<p> Verbindendes Element zwischen oben und unten ist die Virtuosit\u00e4t, die horrende Anspr\u00fcche stellt an Hand- und Fussarbeit; zudem verlangen die Werke eine ausgekl\u00fcgelte, selbst im opulentesten Gewoge die Klarheit der Harmonik und der Linienverl\u00e4ufe sichernde Artikulation und Klangregie. F\u00fcr Iveta Apkalna ist das alles m\u00fchelos zu realisieren \u2013 ihrem glanz- und charaktervollen Spiel, das nicht zuletzt ein junges, orgelungewohntes Publikum begeistern will, mangelt es weder an technischer Souver\u00e4nit\u00e4t und extravertierter Spielfreude noch an intellektueller Pr\u00e4senz und emotionaler Kraft. <\/p>\n<p> F\u00fcr die luftige Sph\u00e4re stehen Werke des 1951 geborenen Letten Aivars Kalejs (Toccata \u00fcber den Bach-Choral \u00abAllein Gott in der H\u00f6h\u2019 sei Ehr\u00bb) und von Liszt (zwei transkribierte Franziskus-Legenden), f\u00fcr die zum Kreis der Schattenwelt geh\u00f6renden Bereiche Kompositionen von Petr Eben (Walpurgisnacht aus dem Faust-Zyklus), Maurice Durufl\u00e9 (Toccata aus der Suite op. 5), Prokofiew (Toccata op. 11 und Marsch aus der Oper \u00abDie Liebe zu den drei Orangen\u00bb, transkribiert von Jean Guillou), dazu die f\u00fcr Pedal solo geschriebenen \u00c9tudes-Caprices von Naji Hakim und die Paganini-Variationen von George Thomas Thalben-Ball \u2013 leichtf\u00fcssig rasante Pedaltasten-Zaubereien. Die Rieger-Orgel der Pfarrkirche St. Martin, Wangen im Allg\u00e4u, bew\u00e4hrt sich brillant. <\/p>\n<p> <strong> Romantische Rarit\u00e4ten<\/strong> <\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2006\/dewar20106.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>Einen \u00e4hnlichen, ins Irdische transformierten Titel tr\u00e4gt das Album des 1981 in Grossbritannien geborenen Andrew Dewar: \u00abTriumph and Tribulation\u00bb (Triumph und Tr\u00fcbsal). Noch weniger zwingend ist der Untertitel \u00abEin Portr\u00e4t der deutschen Romantik\u00bb, denn die ist doch facettenreicher als hier mit den Namen Gustav Merkel, Franz Liszt, Carl Reinecke und Max Reger suggeriert wird. <\/p>\n<p> Dewar, der in seiner Heimat an Orgel und Cembalo ausgebildet wurde, in Stuttgart sein Studium fortsetzt und eine bereits mit Preisen ausgezeichnete Karriere verfolgt, \u00fcberzeugt an zwei grossen Orgeln von Schramberg (Schwarzwald) durch klare Gliederung und farbenreiche Registrierung, durch agogische Finessen ohne aufweichende Rubati und \u2013 wo angebracht \u2013 quasi improvisatorischen Schwung. <\/p>\n<p> Eine wertvolle Repertoirebereicherung bietet der Interpret mit Reineckes Orgelsonate op. 284 (in digitaler Ersteinspielung). Ebenfalls auf der klanglich kernigen Sp\u00e4th-Orgel der Heilig-Geist-Kirche widmet er sich drei S\u00e4tzen aus den Zw\u00f6lf St\u00fccken op. 65 von Reger. \u00dcber ein weniger transparentes Klangbild verf\u00fcgt die Orgel der Sankt-Maria-Kirche von Schramberg \u2013 allerdings vermag auch Gustav Merkels Opus 45 (Variationen \u00fcber ein Thema von Beethoven) trotz \u00fcberlegener Gestaltung durch den Organisten nur phasenweise zu fesseln. All seine Qualit\u00e4ten spielt Andrew Dewar in Liszts Variationen \u00fcber \u00abWeinen, Klagen, Sorgen, Zagen\u00bb aus. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Iveta Apkalna live. Werke von Liszt, Vasks, Bach, Hakim und Glass. Konzertmitschnitt aus der Johanneskirche Stuttgart, Orgel von Friedrich Weigle. (Edition Hera 02114; 64\u2019) <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=codexflores-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B0002IVTKA\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" \/><\/p>\n<p> Himmel &amp; H\u00f6lle. Iveta Apkalna spielt Orgelwerke von Liszt, Kalejs, Eben, Hakim, Durufl\u00e9, Prokofiew, Thalben-Ball. Rieger-Orgel der Pfarrkirche St. Martin, Wangen\/Allg\u00e4u. (Edition Hera 02117; 72\u2019) <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/redirect?link_code=as2&amp;path=ASIN\/B0006OS6XS&amp;tag=codexflores-21&amp;camp=1638&amp;creative=6742\">Bei Amazon kaufen<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=codexflores-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B0006OS6XS\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" \/><\/p>\n<p> Triumph and Tribulation. Andrew Dewar spielt an der Walcker-Orgel der Sankt-Maria-Kirche, Schramberg, Werke von Merkel und Liszt, und an der Sp\u00e4th-Orgel der Heilig-Geist-Kirche, Schramberg, Kompositionen von Reinecke und Reger. (Edition Hera 02118; 70\u2019) <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/redirect?link_code=as2&amp;path=ASIN\/B000B7AGUG&amp;tag=codexflores-21&amp;camp=1638&amp;creative=6742\">Bei Amazon kaufen<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=codexflores-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B000B7AGUG\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" \/><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>02.02.2006 &#8212; Erstaunlich ist nicht etwa, dass die lettische Konzertorganistin Iveta Apkalna f\u00fcr ihre CD \u00abHimmel &amp; H\u00f6lle\u00bb mit dem&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-946","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/946","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=946"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/946\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=946"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=946"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=946"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}