{"id":947,"date":"2014-01-12T21:31:11","date_gmt":"2014-01-12T21:31:11","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/ewa-kupiecs-conception\/"},"modified":"2014-01-12T21:31:11","modified_gmt":"2014-01-12T21:31:11","slug":"ewa-kupiecs-conception","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/ewa-kupiecs-conception\/","title":{"rendered":"Ewa Kupiecs \u00abConception\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2006\/060316kupiec.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>20.03.2006 &#8212; John Cages Idee, ein Klavier mit Hilfe der vielf\u00e4ltigsten Materialen zu pr\u00e4parieren und damit klanglich zu verfremden, war zur Zeit seiner Realisierung eine geniale Form des verspielten musikalischen Querdenkens. Im Grunde genommen mutet sie noch heute \u00fcberaus modern an, und so ist man immer wieder selber erstaunt, wenn man sich vergegenw\u00e4rtigt, dass dem amerikanischen Avantgardisten der Einfall bereits 1938 gekommen ist. Seine Angaben dazu, wo man zwischen welchen Saiten welche N\u00e4gel, Schrauben, Gummist\u00fccke und so weiter zu klemmen habe, sind so akribisch wie \u2013 angesichts der variablen Instrumentengr\u00f6ssen \u2013 unsinnig. Folgenreicher ist allerdings, dass die Art der Pr\u00e4parierung aus dem Klavier ein v\u00f6llig neues Instrument macht, auf dem sich zwar die cageschen Sonaten und Interludien wiedergeben lassen, dem aber die M\u00f6glichkeiten des nicht pr\u00e4parierten Instruments nicht mehr zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p> Diesen Mangel versucht der amerikanische Komponist Randall Meyers mit einer eigenen Pr\u00e4pariervariante auszumerzen. F\u00fcr die von der kongenialen Pianistin Ewa Kupiec eingespielten hochklassigen Solowerke \u00abA Ring Around Silence\u00bb, \u00ab3 Poems For The Night And The Half-Light\u00bb sowie \u00abLabyrinth\u00bb hat er ein Klavier kreiert, das seine Charakteristik weitgehend beibeh\u00e4lt, aber mit ausgew\u00e4hlten Modifikationen um einzelne perkussive Kl\u00e4nge erweitert ist. Dies erlaubt das Schreiben einer Art solistischer Kammermusik f\u00fcr Klavier und Perkussion mit hochintegriertem Klangbild anstelle der gamelanartigen Kompositionen, wie sie Cage noch geschaffen hatte.<\/p>\n<p> Die unterschiedliche Pr\u00e4parierung ist aber nicht die einzige Differenz gegen\u00fcber dem historischen Vorbild. Meyers Werke sind freitonal und hochexpressiv gehalten und spielen mit der Gegen\u00fcberstellung von repetierten Mustern und impulsiven, narrativen Melodiefragmenten. Eine spezielle klangliche Tiefenwirkung erreicht der Komponist, indem er \u00fcber weite Strecken ein konstant niedergedr\u00fccktes Pedal vorschreibt, womit sich aus den Resonanzen eine Art filigraner Hintergrund aufbaut. In ganz kurzen Partien des \u00abA Ring Around Silence\u00bb mutiert dieser gar zu beinahe fotorealistischer Klangmalerei von Wind- und Donnerkl\u00e4ngen.<\/p>\n<p> Im \u00abTrittico\u00bb Meyers, urspr\u00fcnglich als Auftragswerk f\u00fcr die Olympischen Winterspiele von 1994 entstanden und f\u00fcr den Cellisten Truls M\u00f8rk geschrieben \u2013 gesellt sich zu der Pianistin der Cellist \u00d8ystein Birkeland. Es stellt drei S\u00e4tze einander gegen\u00fcber, die einerseits eine Art schnelle Maschinenmusik in ungeraden Metren und in einem langsamen Satz ein Vier-Achtel-Ostinato mit statischer, durch Flageoletts und Flautandi angereichterte Cellostimme kombinieren. Andererseits entf\u00e4chert der dritte Satz einen parodistisch anmutenden \u00abDanse macabre\u00bb im Dreitakt, der mit aus dem Tango nuevo bestens vertrauten Synkopen die ideale \u00dcberleitung zur letzten Komposition &#8211; Antonio Bibalos nicht minder gelungener \u00abTango Sonata\u00bb &#8211; darstellt. <\/p>\n<p> Die Sonata l\u00e4sst trotz ihres Namens nur mit viel Aufmerksamkeit Resterinnerungen an typische Tangomuster erkennen. Die Art, wie der italo-norwegische Komponist das argentinische Vorbild in distanziert-kristalline, aber doch kantige Form bringt, mutet ein wenig an wie der Umgang, den sich Ravel in \u00abLa Valse\u00bb mit der Wiener Dreitaktseligkeit erlaubt hat.<\/p>\n<p> Die k\u00fcnstlerischen und technischen F\u00e4higkeiten der hervorragenden Pianistin \u2013 sie wirkt auch als Koproduzentin \u2013 und des Cellisten sind in diesen Aufnahmen \u00fcber alle Zweifel erhaben. Da die beiden ihre Interpretationen in enger Zusammenarbeit mit den Komponisten erarbeitet haben, kann auch davon ausgegangen werden, dass sie deren Intentionen getreue F\u00fcrsprache angedeihen lassen.<\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Ewa Kupiec: \u00abConception\u00bb; Werke von Randall Meyers f\u00fcr Klavier solo (\u00abA Ring Around Silence\u00bb, \u00ab3 Poems For The Night And The Half-Light\u00bb, \u00abLabyrinth\u00bb) und Klavier und Cello (\u00abTrittico\u00bb, Cello: \u00d8ystein Birkeland) sowie Antonio Bibalo (\u00abSonata Tango\u00bb f\u00fcr Klavier solo); Solaris Records 2005, ASIN B000A13984 <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>20.03.2006 &#8212; John Cages Idee, ein Klavier mit Hilfe der vielf\u00e4ltigsten Materialen zu pr\u00e4parieren und damit klanglich zu verfremden, war&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-947","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/947","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=947"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/947\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=947"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=947"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=947"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}