{"id":954,"date":"2014-01-12T21:34:50","date_gmt":"2014-01-12T21:34:50","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/klang-reise-vom-orient-ins-abendland\/"},"modified":"2014-01-12T21:34:50","modified_gmt":"2014-01-12T21:34:50","slug":"klang-reise-vom-orient-ins-abendland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/klang-reise-vom-orient-ins-abendland\/","title":{"rendered":"Klang-Reise vom Orient ins Abendland"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2006\/byz19806.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>21.08.2006 &#8212; Seit Jahrtausenden ist der Mittelmeerraum ein Gebiet der Begegnung, eine Region, in der Zivilisationen und Kulturen &#8211; mal in kriegerischem, mal in freundschaftlichem Vorhaben &#8211; aufeinander trafen, sich austauschten, vermischten, Handel trieben. Zeugnisse der wechselseitigen geistigen Befruchtung von Orient und Okzident haben sich auch in der Musik erhalten. <\/p>\n<p> \u00abFrom Byzantium to Andalusia &#8211; Medieval Music and Poetry\u00bb (Naxos) bietet eine aparte Auswahl von Werken der j\u00fcdischen, christlichen und islamischen Welt des Mittelalters. Das 1983 gegr\u00fcndete, auf die abendl\u00e4ndische Musik des Mittelalters und der Renaissance sowie auf die klassische arabische und t\u00fcrkische Musik spezialisierte Oni Wytars Ensemble, geleitet von Peter Rabanser und Belinda Sykes, widmet sich Liedern und T\u00e4nzen der drei grossen mediterranen Kulturen aus dem 12. bis 14. Jahrhundert, darunter S\u00e4tze und Fragmente aus Byzanz, dem Libanon (ein christlich-arabisches Kyrie), der T\u00fcrkei (Sufi- und Derwisch-Ges\u00e4nge), aus Umbrien (Laudario di Cortona) und vom Montserrat in Katalonien (Llibre Vermell). <\/p>\n<p> Das Booklet (engl.\/dt.) enth\u00e4lt einen fundierten Aufsatz zu den Werken und deren Quellen. Die gesungenen Texte (wo n\u00f6tig in Umschrift) sind abgedruckt; die englische \u00dcbersetzung findet sich auf www.naxos.com\/libretti\/byzantium.htm. <\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2006\/bin19806.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>In einer zwei CDs umfassenden Kompilation ruft das Label Virgin Classics zwei Grossmeister der Renaissance-Musik in Erinnerung: Gilles Binchois und Jehan de Lescurel. W\u00e4hrend Binchois (Gilles de Binche, um 1400-1460), mit Guillaume Dufay Gr\u00fcndervater der frankofl\u00e4mischen \u00abSchule\u00bb, als Chansonkomponist der ersten Stunde und Mitglied der burgundischen Hofkapelle auch biografische Spuren hinterlassen hat, ist von Jehan (oder Jehannot) de Lescurel nur bekannt, dass er Anfang des 14. Jahrhunderts in Paris im \u00dcbergang von der Ars antiqua zur Ars nova wirkte; im Manuskript des \u00abRoman de Fauvel\u00bb finden sich von ihm gut dreissig St\u00fccke, monophone Ballades, Virelais und Rondeaux. <\/p>\n<p> In abwechslungsreicher Besetzung &#8211; a cappella oder durch altes Instrumentarium gest\u00fctzt, dazwischen rein instrumental &#8211; interpretiert das Ensemble Gilles Binchois unter der Leitung von Dominique Vellard 17 Rondeaux und Ballades von Binchois und 20 S\u00e4tze von Lescurel. Eine Fundgrube f\u00fcr Freunde der \u00abamour courtois\u00bb, die allerdings den Wortlaut der gesungenen Texte im schmalen Beiheftchen vergeblich suchen. <\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2006\/ren19806.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>David Munrows fr\u00fche Begeisterung f\u00fcr fr\u00fche Musik vom 12. Jahrhundert bis zum Barock schlug sich nieder in einer Vielzahl von Einspielungen und in der mit Christopher Hogwood unternommenen Gr\u00fcndung (1967) des Early Music Consort. Bereits mit 33 Jahren &#8211; 1976 &#8211; starb Munrow, der englische Bl\u00e4ser, Herausgeber und Dirigent. Drei Jahrzehnte nach dem Tod eines der Pioniere f\u00fcr Alte Musik und alte (auch exotische) Instrumente widmet ihm das Label Virgin Classics ein Doppelalbum mit Aufnahmen aus dem Siebzigerjahren. <\/p>\n<p> Dass T\u00e4nze der Renaissancezeit in David Munrow einen begeisternden, mit Instrumentenkombinationen, Klangfarben und rhythmischen Mustern erfindungsreich experimentierenden Meister fanden, l\u00e4sst sich erleben an opulent inszenierten oder kammermusikalisch subtil arrangierten Werken von Tylman Susato (S\u00e4tze aus \u00abDanserye\u00bb, 1551), Giorgio Mainerio (\u00abIl primo libro de balli\u00bb, 1578), Thomas Morley (\u00abFirst Booke of Consort Lessons\u00bb, 1599), Michael Praetorius (\u00abTerpsichore\u00bb, 1612) sowie Giuseppe Guami, Pietro Lappi und Giovanni Priuli. <\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2006\/verg19806.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>W\u00e4hrend die r\u00f6misch-katholische Kirche die Frauen marginalisiert hat, ist eine Frau zu einer zentralen Gestalt des Glaubens aufgebaut worden: die Gottesmutter Maria. Die K\u00fcnste beteiligten sich extensiv und hingebungsvoll am Marienkult: In Poesie, bildender Kunst und Musik steht die unbefleckte Jungfrau mit ihrem Strahlenkranz sogar Gottvater und dem Heiligen Geist vor dem Licht. <\/p>\n<p> Zur\u00fcck zur Musik. Der junge franz\u00f6sische Countertenor Philippe Jaroussky (in zwei Ges\u00e4ngen mit der Altistin Marie-Nicole Lemieux) hat sich ein wirkungssicheres, abwechslungsreiches Programm mit italienischen Motetten f\u00fcr die Jungfrau zwischen Rom und Venedig zusammengestellt. Unterst\u00fctzt von Instrumenten (Zwischenspiele stammen von Frescobaldi und Bassani), nimmt der bereits mit diversen internationalen Preisen bedachte Vokalakrobat ein mit hellem Timbre, intensiver, aus dem Wort wachsender Gestaltung und brillant gemeisterten Koloraturen. <\/p>\n<p> Die zw\u00f6lf lateinischen Liebesges\u00e4nge an die Auserw\u00e4hlte, die Braut (oft mit erotischen Untert\u00f6nen), die Tochter Jerusalems, die Himmelsk\u00f6nigin, die Herrin der Engel, die Mutter der Barmherzigkeit (und wie die Ehrentitel alle heissen) stammen von Komponisten aus dem 16. und 17. Jahrhundert, darunter Grandi, Cavalli, Legrenzi, Mattioli, Casati, Sances, Colonna. <\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2006\/russ19806.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>Byzanz strahlte nicht nur gen Westen aus, auch Russland wurde vom Ostr\u00f6mischen Reich beeinflusst. Nicht zuletzt in Sachen Religion. Das Christentum breitete sich aus unter Grossf\u00fcrst Wladimir I. von Kiew, der 988 getauft worden war. Der griechisch gepr\u00e4gte Glaube wurde zur Staatsreligion, und Russland kam in den Sog der byzantinischen Kultur, was das Land von Westeuropa mehr und mehr isolierte und die Ausbildung einer nationalen und kulturellen Eigenst\u00e4ndigkeit, darunter auch der russisch-orthodoxen Kirche, f\u00f6rderte. <\/p>\n<p> Deren Vokalmusik basiert auf dem liturgischen Gesang aus Byzanz (in kirchenslawischer \u00dcbersetzung) und den acht Kirchent\u00f6nen &#8211; Instrumentalmusik war untersagt. In den liturgischen Chorgesang fand sp\u00e4ter das Volklied Eingang, im 18. Jahrhundert dann auch der italienische Stil. <\/p>\n<p> Eines der Zentren der liturgischen russisch-orthodoxen Musik im Westen war von den Sechziger- bis Ende der Achtzigerjahre Paris, genauer der Chor der Alexander-Newski-Kathedrale unter der Leitung von Evgeni Ivanovitz Evetz (1905-1990). In einem 2-CD-Set (mit d\u00fcrftigem Faltblatt) legt das Label Brilliant Classics technisch aufgefrischte Einspielungen dieses hervorragenden Chors flexibler jugendlicher Stimmen aus dem Jahr 1967 vor: eine kompositorisch und interpretatorisch wertvolle Anthologie. <\/p>\n<p> Die Werke &#8211; mit Soli und Rezitator, in akkordisch einfacher Fortschreitung oder m\u00e4chtiger (nicht kontrapunktischer) Vielstimmigkeit \u00fcber schwarzen B\u00e4ssen, in stets ruhigem Fluss auf kontemplative oder prunkvolle Wirkung hin angelegt &#8211; stammen von Meistern aus dem 19. und 20. Jahrhundert, darunter Bortnianski, Kastalski, Tschesnokow, Archangelski, Gretschaninow, Rimski-Korsakow, Ippolitow-Iwanow, Tscherepnin und Rachmaninow. From Byzantium to Andalusia &#8211; Medieval Music and Poetry. Peter Rabanser, Belinda Sykes, Jeremy Avis (Gesang). Oni Wytars Ensemble. (Naxos 8.557637; 60&#8242;) Binchois, Lescurel: Chansons. Ensemble Gilles Binchois. Leitung: Dominique Vellard. (Virgin Veritas 0946 3 49973 2 4; 2 CDs, 60&#8217;+68&#8242;) Renaissance Dance. Susato, Morley, Praetorius, Mainerio. The Morley Consort. The Early Music Consort of London. Leitung: David Munrow. (Virgin Veritas 0946 3 50003 2 0; 2 CDs, 104&#8242;) Beata Vergine. Motets \u00e0 la Vierge entre Rom et Venise. Philippe Jaroussky (Countertenor), Marie-Nicole Lemieux (Alt), Ensemble Artaserse. (Virgin Classics 00946 344711 2 1; 72&#8242;) Russian Orthodox Church Music. Anthologie de la Musique Religieuse Orthodoxe Russe. The Choir of Alexander Nevsky Cathedral, Paris. Leitung: Evgeny Ivanovitz Evetz. (Brilliant Classics 7656; 159&#8242;)<\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">From Byzantium to Andalusia &#8211; Medieval Music and Poetry. Peter Rabanser, Belinda Sykes, Jeremy Avis (Gesang). Oni Wytars Ensemble. (Naxos 8.557637; 60&#8242;)<\/p>\n<p> Binchois, Lescurel: Chansons. Ensemble Gilles Binchois. Leitung: Dominique Vellard. (Virgin Veritas 0946 3 49973 2 4; 2 CDs, 60&#8217;+68&#8242;)<\/p>\n<p> Renaissance Dance. Susato, Morley, Praetorius, Mainerio. The Morley Consort. The Early Music Consort of London. Leitung: David Munrow. (Virgin Veritas 0946 3 50003 2 0; 2 CDs, 104&#8242;)<\/p>\n<p> Beata Vergine. Motets \u00e0 la Vierge entre Rom et Venise. Philippe Jaroussky (Countertenor), Marie-Nicole Lemieux (Alt), Ensemble Artaserse. (Virgin Classics 00946 344711 2 1; 72&#8242;)<\/p>\n<p> Russian Orthodox Church Music. Anthologie de la Musique Religieuse Orthodoxe Russe. The Choir of Alexander Nevsky Cathedral, Paris. Leitung: Evgeny Ivanovitz Evetz. (Brilliant Classics 7656; 159&#8242;)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>21.08.2006 &#8212; Seit Jahrtausenden ist der Mittelmeerraum ein Gebiet der Begegnung, eine Region, in der Zivilisationen und Kulturen &#8211; mal&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-954","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/954","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=954"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/954\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=954"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=954"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=954"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}