{"id":955,"date":"2014-01-12T21:35:20","date_gmt":"2014-01-12T21:35:20","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/johann-wenzel-kalliwoda\/"},"modified":"2014-01-12T21:35:20","modified_gmt":"2014-01-12T21:35:20","slug":"johann-wenzel-kalliwoda","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/johann-wenzel-kalliwoda\/","title":{"rendered":"Johann Wenzel Kalliwoda"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2006\/kall61006.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>07.10.2006 &#8212; Er war ein Wunderkind auf der Geige, ein Sch\u00fctzling Carl Maria von Webers, legte seine 1. Sinfonie im Alter von 24 Jahren vor, und Werke aus seiner fl\u00fcssig gef\u00fchrten Feder standen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts in den bedeutenden Musikzentren des deutschen Sprachraums prominent auf den Programmen. <\/p>\n<p> Bald jedoch verschwand Johann Wenzel Kalliwoda aus dem Kreis der Bevorzugten &#8211; bereits fr\u00fch war ihm ein Hang zur Vielschreiberei und das Abgleiten in Gebiete der zu leichten Muse vorgeworfen worden. \u00dcberkommene Urteile, gef\u00e4llt unter zeitgebundenen Bedingungen, gilt es immer wieder zu \u00fcberpr\u00fcfen: Christoph Spering und Das Neue Orchester stellen mit ihrem j\u00fcngsten Album zwei Sinfonien und eine Ouvert\u00fcre Kalliwodas zur Diskussion. <\/p>\n<p> Ruhmvoll war das Wirken des 1801 in Prag geborenen Musikers im Dienst des F\u00fcrsten Carl Egon II. zu F\u00fcrstenberg in Donaueschingen. (Ein sp\u00e4teres Mitglied des Herrscherhauses, Max Egon, war entscheidend an der Gr\u00fcndung der weltber\u00fchmten Musiktage beteiligt.) Der 21-J\u00e4hrige folgte 1822 auf Konradin Kreutzer als Chef der Hofoper und der rund dreissig Positionen umfassenden Hofkapelle. Kalliwoda machte Donaueschingen ber\u00fchmt durch Musiktheaterauff\u00fchrungen, durch seine Auftritte als Violinist (der F\u00fcrst schenkte ihm eine Stradivari), durch Konzerte mit renommierten S\u00e4ngerinnen und Instrumentalisten und durch sein vielseitiges kompositorisches \u0152uvre. <\/p>\n<p> Die Revolution von 1848 f\u00fchrte zur Aufl\u00f6sung der Hofkapelle, 1850 brannte das Theatergeb\u00e4ude nieder, und nach dem Tod seines grossz\u00fcgigen Arbeitgebers vier Jahre sp\u00e4ter \u00fcbersiedelte Kalliwoda nach Karlsruhe, kehrte auf Wunsch Karl Egons III. 1857 wieder f\u00fcr kurze Zeit nach Donaueschingen zur\u00fcck. Doch die Epoche grosser Erfolge war unwiederbringlich vorbei. Kalliwoda starb 1866 in Karlsruhe. <\/p>\n<p> In seinen Sinfonien 5 und 7 und der Ouvert\u00fcre op. 238 (zwischen 1825 und 1843 schuf Kalliwoda u. a. 7 Sinfonien und 16 Konzertouvert\u00fcren, frei schweifende Tongem\u00e4lde) erweist er sich als Romantiker mit klassischen Wurzeln. Die N\u00e4he zu Beethoven, zu Webern, zu Schumann (der Kalliwoda sch\u00e4tzte) in manchen Z\u00fcgen, zur grossen Geste und lyrischen Innigkeit hat ihn nicht in Abh\u00e4ngigkeit gef\u00fchrt, vielmehr zu einem Spiel mit N\u00e4he und Distanz, ironischen Brechungen, architektonischen Wagnissen (die ihm oft negativ ausgelegt worden sind). <\/p>\n<p> Kalliwoda, ein eminenter Melodiker, sattelfester Kontrapunktiker, gewiefter Harmoniker und Meister der Instrumentation und Klangmischungen, baut auf H\u00f6rerwartungen, die er alsbald unterl\u00e4uft und ihnen den Boden entzieht. Kennzeichnend sind auch der Wechsel zwischen profilierter thematischer Erfindung mit davon abgespaltenen Begleitfiguren und einer Fortspinnung thematischer Partikel. Was manche seiner Zeitgenossen verunsichert hat, mag heute auf besonderes Interesse stossen. <\/p>\n<p> Einer vorurteilslosen Wiederentdeckung des Schaffens von Johann Wenzel Kalliwoda leistet das seit 1988 bestehende, mit Instrumenten, Spieltechnik und Klang auf romantische Vorbilder sich st\u00fctzende Neue Orchester den besten Dienst: Unter der Leitung seines Gr\u00fcnders gewinnt es den Partituren emotionale Kraft und kernige Frische ab, gl\u00e4ttet weder Kanten noch Br\u00fcche, spannt weite Entwicklungsb\u00f6gen, nimmt ein durch markante Soli von Holz- und Blechbl\u00e4sern und eine in allen Registern atmosph\u00e4risch dichte Gestaltung.<\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Johann Wenzel Kalliwoda: Symphonies 5 &amp; 7; Overture No 16 op. 238. Das Neue Orchester. Leitung: Christoph Spering. (cpo 777 139-2; 68&#8242;)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>07.10.2006 &#8212; Er war ein Wunderkind auf der Geige, ein Sch\u00fctzling Carl Maria von Webers, legte seine 1. 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