{"id":957,"date":"2014-01-12T21:36:29","date_gmt":"2014-01-12T21:36:29","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/margarete-von-oesterreich\/"},"modified":"2014-01-12T21:36:29","modified_gmt":"2014-01-12T21:36:29","slug":"margarete-von-oesterreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/margarete-von-oesterreich\/","title":{"rendered":"Margarete von \u00d6sterreich"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2006\/marg171006.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>24.10.2006 &#8212; In Frankreichs D\u00e9partement Ain, westlich von Genf am Jura, zieht ein prachtvoller Bau viele Besucher an: die Klosterkirche von Brou in Bourg-en-Bresse, ein Wunderwerk filigraner Steinmetzkunst. Allgegenw\u00e4rtig ist auf Mauern, Schildern und in Nischen ein plastisches Schmuckelement, die Initialen P und M, umschlungen vom Liebesknoten. Wie ein Siegel pr\u00e4gt es allerorten den aufstrebenden lichtdurchfluteten sp\u00e4tgotischen Raum. <\/p>\n<p> An prominenter Stelle in der Kirche Saint-Nicolas-de-Tolentino erheben sich ein Katafalk und ein Baldachingrab. Die prunkvollen Sarkophage bergen die irdischen Reste Philiberts des Sch\u00f6nen und seiner Gattin Margarete von \u00d6sterreich. F\u00fcr einmal ist es indes nicht wie erwartet: Philibert II. von Savoyen war eine Randfigur, seine Frau die zentrale Gestalt. Dies, obwohl sie vorerst nur als einer der Spielsteine in der auf Gebietserweiterung und -sicherung basierenden Heiratspolitik der Habsburger Dynastie galt. <\/p>\n<p> Margarete allerdings verband mit ihrem zweiten Mann (der erste war bereits im Jahr der Eheschliessung gestorben) die grosse Liebe: Wie Margarete 1480 geboren, erlag Philibert aber bereits 1504 Verletzungen, die er sich auf der Jagd zugezogen hatte. Seine Witwe bereitete ihm &#8211; und sich &#8211; eine imposante Begr\u00e4bnisst\u00e4tte, die Kirche von Brou, die sie mit den Initialen P und M pr\u00e4gen liess. <\/p>\n<p> Das angegliederte Kloster wurde in den Wirren der Franz\u00f6sischen Revolution aufgel\u00f6st, doch der Bau \u00fcberstand jene Zeit und die Kriege sp\u00e4terer Jahrhunderte unbeschadet. <\/p>\n<p> Die in der Renaissance im konservativen gotischen Stil erbaute dreischiffige Basilika, begonnen 1506, beendet 1532, zwei Jahre nach Margaretes Tod, verschlang Unmengen von Geld. Doch die M\u00e4zenin hatte ihre Ressourcen: Ab 1507 regierte sie &#8211; Kaiser Maximilian I. von Habsburg und Maria von Burgund waren ihre Eltern &#8211; als Generalstatthalterin in den Niederlanden. An ihrem Hof in Mecheln entfaltete sie das Wirken einer an Wissenschaft und Kunst interessierten Grande Dame: Sie trug naturkundliche Sammlungen zusammen, besass eine Vielzahl von Maya-Kunstwerken aus Cortez&#8216; Mexiko-Expedition 1519, pflegte ausgedehnte Briefwechsel, f\u00f6rderte Kunstschaffende, verfasste Gedichte \u00fcber Abschied, Schmerz, Tod und den Triumph ewiger Liebe und liess sie von prominenten Komponisten vertonen. <\/p>\n<p> Sie baute, einzigartig f\u00fcr eine Frau in jener Epoche, eine der gr\u00f6ssten adligen Bibliotheken auf, trug Kostbarkeiten zusammen, darunter 340 Manuskripte und 46 gedruckte B\u00fccher. Von Margaretes hoher Wertsch\u00e4tzung der Musik zeugt unter anderem das Tanzbuch mit 59 Basses danses, in Gold und Silber auf schwarzem Grund notiert (Br\u00fcssel, Biblioth\u00e8que Royale, Ms. 9085) und eine auf ihr Geheiss kompilierte Handschrift (Ms. 228), wegen ihrer Gr\u00f6sse von 36,5 auf 25 cm \u00abGrand Chansonnier\u00bb genannt. Der pr\u00e4chtig geschm\u00fcckte Band vereint ein- bis vierstimmige Chansons von ber\u00fchmten und von anonym gebliebenen Musikern. <\/p>\n<p> Die Sopranistin Anne Delafosse-Quentin und ihr Ensemble \u00abLes Jardins de Courtoisie\u00bb lassen in ihrem mit \u00abCarnetz Secretz\u00bb betitelten Album Margarete von \u00d6sterreich und ihre Zeit aufleben. Einerseits klangvoll und farbenreich in Vokals\u00e4tzen (und drei T\u00e4nzen) aus dem \u00abGrand Chansonnier\u00bb u. a. von Alexander Agricola, Loyset Comp\u00e8re, Matthaeus Pipelare, Josquin des Prez, Pierre de la Rue, andrerseits in Wort (frz.\/engl.) und Farbbild in einem schmucken 80-seitigen B\u00fcchlein im Format einer CD-Box (die Scheibe steckt hinter dem vorderen Deckel). Eine bibliophile Kostbarkeit des franz\u00f6sischen kulturellen Begegnungszentrums und Festivalorts Ambronay, der auch durch exzellente CD-Produktionen mit Rarit\u00e4ten von sich reden macht. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Carnetz Secretz \/ Marguerite d&#8217;Autriche. Les Jardins de Courtoisie. Leitung: Anne Delafosse-Quentin. (Ambronay Editions AMY 007; 61&#8242;)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>24.10.2006 &#8212; In Frankreichs D\u00e9partement Ain, westlich von Genf am Jura, zieht ein prachtvoller Bau viele Besucher an: die Klosterkirche&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-957","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/957","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=957"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/957\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=957"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=957"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=957"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}