{"id":961,"date":"2014-01-12T21:38:25","date_gmt":"2014-01-12T21:38:25","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/yves-nat-zum-gedenken\/"},"modified":"2014-01-12T21:38:25","modified_gmt":"2014-01-12T21:38:25","slug":"yves-nat-zum-gedenken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/yves-nat-zum-gedenken\/","title":{"rendered":"Yves Nat zum Gedenken"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2006\/nat191106.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>18.12.2006 &#8212; Man nimmt das leichthin zur Kenntnis: Ein ber\u00fchmter franz\u00f6sischer Pianist hat zwischen 1951 und 1955 die 32 Sonaten Beethovens f\u00fcr eine franz\u00f6sische Produktionsfirma aufgenommen. Selbstverst\u00e4ndlich indes war dies damals nicht. <\/p>\n<p> W\u00e4hrend der deutschen Besetzung und in der Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs \u2013 die Wunden lagen noch offen \u2013 gingen die Kulturschaffenden in Frankreich Germanischem und von den Nationalsozialisten zu ideologischen Zwecken missbrauchten grossen Geistern so weit wie m\u00f6glich aus dem Weg, versicherten sich ihres nationalen Erbes und setzten sich mit den modernen Str\u00f6mungen auseinander. <\/p>\n<p> Es bedurfte eines neuen Anstosses, quasi einer R\u00fcckeroberung aus deutscher Hand: Yves Nat leistete einen Beitrag mit seiner Aufnahme der Beethoven-Sonaten und weiterer Werke des deutschen Repertoires. <\/p>\n<p> Auss\u00f6hnung von V\u00f6lkern beginnt nie mit grossen Reden und besiegelten Vertragswerken. Vielmehr sind es die kleinen Schritte abseits der Politik in Kunst, Sport, Wissenschaft und Wirtschaft, die den Boden bereiten, aus dem Hass und Missverst\u00e4ndnis keine Nahrung mehr ziehen k\u00f6nnen. Im vorliegenden Fall betraute die Schallplattengesellschaft Les Discophiles Fran\u00e7ais Yves Nat, der zwischen 1929 und 1938 bereits f\u00fcr Columbia France einige Einspielungen gemacht hatte, mit der Aufnahme des beethovenschen Sonatenkorpus. <\/p>\n<p> Zur gleichen Zeit \u00fcbrigens begann das Label eine Gesamtaufnahme der Klavier- und Klavier-Kammermusikwerke Mozarts mit der ungarischen Pianistin Lili Kraus; das ehrgeizige Unternehmen versandete jedoch Mitte der F\u00fcnfzigerjahre.<\/p>\n<p> Yves Nat, 1890 im s\u00fcdfranz\u00f6sischen B\u00e9ziers als Sohn eines katalanischen Schuhmachers geboren, verbl\u00fcffte als Neunj\u00e4hriger mit seinen Improvisationen sogar Saint-Sa\u00ebns und Faur\u00e9. Nach Studien in Toulouse und Paris, Auftritten in London, wohin ihn Debussy mitgenommen hatte, und einer ersten USA-Tourn\u00e9e 1911 begann er eine durch den Kriegsdienst unterbrochene internationale Karriere als Solist und Kammermusikpartner. Mit Ysa\u00ffe, Enesco und Thibaud bereiste er Europa. 1935 zog er sich vom Podium zur\u00fcck, um sich der Lehrt\u00e4tigkeit \u2013 er war Professor am Pariser Konservatorium \u2013 und dem Komponieren zu widmen. 1956, kurz nach Beendigung der Beethoven-Gesamteinspielung, starb Yves Nat 66-j\u00e4hrig in Paris. <\/p>\n<p> Ein halbes Jahrhundert nach seinem Hinschied ehrt ihn nun EMI Classics mit einer 15 CDs umfassenden Kassette. Sie enth\u00e4lt in Einspielungen, die zwischen 1929 und 1956 entstanden, von Beethoven alle Sonaten und die 32 Variationen WoO 80, Schuberts Moments musicaux D 780, Chopins B-Dur-Sonate, von Brahms die H\u00e4ndel-Variationen, Rhapsodien und Intermezzi. <\/p>\n<p> Herausragend war Nats Einsatz f\u00fcr Schumann, von dem der zweite Schwerpunkt dieser Edition stammt, darunter Papillons, Kinderszenen, Kreisleriana, die Fantasie C-Dur, die Symphonischen Et\u00fcden, Faschingsschwank aus Wien, die Fantasiest\u00fccke op. 12, die Romanzen op. 28, die Noveletten und das Klavierkonzert. Weitere Werke mit Orchester sind die Variations symphoniques von Franck und Nats eigenes Klavierkonzert von 1954 in einer Live-Aufnahme der Urauff\u00fchrung sowie zwei seiner Lieder. <\/p>\n<p> Die fr\u00fchesten Einspielungen von 1929 dokumentieren den eloquenten Virtuosen im Russischen Tanz aus Petruschka und in der 2. Ungarischen Rhapsodie von Liszt. \u2013 Einige Werke von Brahms und Schumann erklingen in je zwei verschiedenen Interpretationen aus den Dreissiger- und aus den F\u00fcnfzigerjahren. <\/p>\n<p> Die historischen Mono-Aufnahmen ab 78-Touren- und Langspielplatten wurden sorgsam restauriert; beigef\u00fcgt sind ein Interview mit Nat \u00fcber sein Klavierkonzert, zudem ein Klavierst\u00fcck und f\u00fcnf Lieder von seiner Hand. <\/p>\n<p> Er lehre nicht Klavierspiel, sondern Musik, \u00e4usserte Nat. Und sein Leitwort war \u00abTout pour la musique, rien pour le piano\u00bb. Seine unfehlbare Technik, auch jene subtile der Pedalbehandlung, diente ihm nie zum Zweck, Erstaunen zu erringen, eher nahm er sie zur\u00fcck um der Qualit\u00e4t und Intensit\u00e4t der Aussage willen. Auch grenzte er sich stilbewusst von Zeitgenossen ab durch eine stringente, eng am Text orientierte Art der Darstellung, die Aufweichung und emotionale \u00dcberfrachtung vermied, stets aber Clart\u00e9, lyrische Sensibilit\u00e4t und Noblesse wahrte. Und: Nat \u00fcberwindet mit seiner Anschlagskultur im h\u00f6chsten erreichbaren Mass die Schwernisse der Fl\u00fcgelmechanik in Interpretationen, die nichts von ihrem ausserordentlichen k\u00fcnstlerischen Rang eingeb\u00fcsst haben.<\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Yves Nat: Ses Enregistrements 1930\u20131956. Coffret du 50\u00e8me Anniversaire. Werke von Beethoven, Schumann, Schubert, Chopin, Liszt, Brahms, Franck, Strawinsky und Nat. Ir\u00e8ne Joachim, Sopran. Orchestre Symphonique unter Eug\u00e8ne Bigot; Orchestre des Concerts Piern\u00e9 unter Gaston Poulet; Orchestre de la Soci\u00e9t\u00e9 des Concerts du Conservatoire unter Charles Munch. (EMI Classics 0946 347826 2 3; 15 CDs, mono. Booklet frz.\/engl.)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>18.12.2006 &#8212; Man nimmt das leichthin zur Kenntnis: Ein ber\u00fchmter franz\u00f6sischer Pianist hat zwischen 1951 und 1955 die 32 Sonaten&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-961","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/961","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=961"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/961\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=961"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=961"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=961"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}