{"id":963,"date":"2014-01-12T21:39:29","date_gmt":"2014-01-12T21:39:29","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/die-dreigroschenoper-erste-gesamtaufnahme\/"},"modified":"2014-01-12T21:39:29","modified_gmt":"2014-01-12T21:39:29","slug":"die-dreigroschenoper-erste-gesamtaufnahme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/die-dreigroschenoper-erste-gesamtaufnahme\/","title":{"rendered":"\u00abDie Dreigroschenoper\u00bb \u2013 erste Gesamtaufnahme"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2007\/dreigr111106.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>12.01.2007 &#8212; James Last und Bert Brecht? Der Schmusemusiker mit Weichsp\u00fclermelodien und der Revoluzzer mit politischem Sendungsbewusstsein? Einmal haben sie sich zusammengefunden dank Kurt Weills Musik. Und mit vereinten Kr\u00e4ften \u2013 und formidablen Schauspielern \u2013 eine legend\u00e4re Schallplattenproduktion zustand gebracht. <\/p>\n<p> Genau zweihundert Jahre nach der Premiere von John Gays und Johann Christoph Pepuschs \u00abBeggar\u2019s Opera\u00bb in London kam 1928 in Berlin die von der englischen Parodie auf die Prunkopern \u00e0 la H\u00e4ndel inspirierte \u00abDreigroschenoper\u00bb zur Urauff\u00fchrung. W\u00e4hrend fast f\u00fcnf Jahren erlebte das politisch \u00e4tzende Theaterst\u00fcck von Elisabeth Hauptmann und Bert Brecht mit Musik von Kurt Weill tausende von Auff\u00fchrungen in \u00fcber zweihundert Inszenierungen. 1933 fiel der f\u00fcr lange Zeit letzte Vorhang auch \u00fcber diesem Werk. <\/p>\n<p> Historische Schallplattenaufnahmen von Teilen aus der \u00abDreigroschenoper\u00bb (der Titel geht \u00fcbrigens auf die Anregung Lion Feuchtwangers zur\u00fcck) stammen aus den Jahren von 1928 bis 1933 und wurden ab 1955 weitergef\u00fchrt. Doch eine die 22 Musik- und Gesangsnummern und die gesprochenen Texte vereinigende Gesamtaufnahme, die lange am Einspruch der Witwen Helene Weigel und Lotte Lenya gescheitert war, konnte erst 1968 realisiert werden. <\/p>\n<p> Die Firma Polydor, bei der James Last unter Vertrag stand, beauftragte ihn mit dem Neuarrangement der Musik und mit der musikalischen Leitung. James Last schliff zwar Weills f\u00fcr acht Musiker mit 21 Instrumenten konzipierter, nicht bis in Einzelheiten ausgearbeiteter Partitur einige Kanten ab, hielt sich indes an die Vorgaben und bewahrte das freche Patchwork von Jazz und Blues, Tango und Marsch, Jahrmarktsgedudel und Oper, Choral und Operette. Intonation und Zusammenspiel sind nicht auf Perfektion getrimmt, suggerieren gassenhauerische Improvisation und burschikose Farce. F\u00fcr seine \u00abDreigroschenoper\u00bb-Leistung heimste James Last einen Preis der Deutschen Schallplattenkritik ein, den einzigen in seiner internationalen Karriere. <\/p>\n<p> F\u00fcr diese erste Gesamtaufnahme auf drei LPs (einige Striche und szenische Umstellungen waren von Helene Weigel abgesegnet worden) traf ein Team von bereits etablierten und von jungen Schauspielerinnen und Schauspielern im Studio zusammen: Helmut Qualtinger (Peachum), Berta Drews (seine Frau), Karin Baal (Polly), Hannes Messemer (Macheath), Martin Held (Brown), Sylvia Anders (Lucy), Hanne Wieder (Spelunken-Jenny), Hans Clarin (Finch), Franz Josef Degenhardt (Moritatens\u00e4nger), Karl-Heinz K\u00f6pke (Ansager) und ein halbes Dutzend weiterer M\u00e4nner. <\/p>\n<p> Nicht das akustische Abbild einer B\u00fchnenauff\u00fchrung strebten die Beteiligten unter der Regie von Harald Vock an, sondern eine H\u00f6rspielfassung. Die bald vierzigj\u00e4hrige Aufnahme hat keine Patina angesetzt, bringt die Dialoge und Balladen, Lieder und Songs zum Glitzern, Funkeln und Spr\u00fchen, ein kraftstrotzendes Spiel auf allen Registern packender Darstellungskunst. <\/p>\n<p> <strong>Wie die \u00abDreigroschenoper\u00bb entstand<\/strong> <\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2007\/dreigr121206.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>Es begann mit dem Wagnis des 29-j\u00e4hrigen Ernst Josef Aufricht, der in Berlin im Herbst 1927 mit bescheidenem Kapital das verlotterte Schiffbauerdamm-Theater erwarb und sich aufmachte, zur Er\u00f6ffnung ein geeignetes St\u00fcck zu ergattern. Bei wem er f\u00fcndig wurde, wie Brecht und Elisabeth Hauptmann und Weill zur \u00abDreigroschenoper\u00bb kamen und in welchen Strudel von Turbulenzen und Querelen, von Verstimmung, Krach und Vers\u00f6hnung alle Beteiligten gezogen wurden beim Ausarbeiten und Proben und Aushandeln der Tanti\u00e8men und L\u00f6hne bis zum Tag der Urauff\u00fchrung am 31. August 1929, ist ein aufregendes St\u00fcck Theatergeschichte. <\/p>\n<p> Peter Eckhart Reichel hat, aus vielen Quellen von Beteiligten sch\u00f6pfend und die Materialien spannend ausbreitend, die \u00abDreigroschenoper\u00bb-Ereignisse gegen Ende der unaufhaltsam politisch nach rechts driftenden Weimarer Republik in die Form einer H\u00f6rcollage gekleidet, in eine facettenreiche Dokumentation, in der Autoren, Schauspielerinnen und Schauspieler, Musiker, Intendant, Regisseur und Ausstatter durch die Stimmen von Judy Winter, Friedrich Schoenfelder, Sylvester Groth, Thomas Pigor und vielen weiteren zu Wort kommen und in sachlichen Gespr\u00e4chen und hitzigen Diskussionen aufeinandertreffen. <\/p>\n<p> Die \u00abDreigroschenoper\u00bb wurde zum gr\u00f6ssten Erfolg der Theatergeschichte ausgangs der Zwanziger-, anfangs der Dreissigerjahre: Allein in den ersten zw\u00f6lf Monaten seiner Laufzeit erlebte das revolution\u00e4re Werk in Europa 4200 Auff\u00fchrungen. Und zwischen 1928 und 1933 kamen \u00fcber f\u00fcnf Dutzend Plattenseiten mit Instrumentalnummern und Songs in verschiedenen Versionen in den Handel. <\/p>\n<p> Einige dieser historischen Dokumente sind in das inhaltlich wie formal packende H\u00f6rbuch integriert worden. Es treten auf legend\u00e4re Interpreten der Premiere wie Kurt Gerron, Erich Ponto, Harald Paulsen, Carola Neher und Lotte Lenja mit Unterst\u00fctzung durch die Lewis Ruth Band und den musikalischen Leiter der ersten Stunde, Theo Mackeben.<\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Brecht und Weill: \u00abDie Dreigroschenoper\u00bb. Erste Gesamtaufnahme aus dem Jahr 1968. Regie: Harald Vock. Musikalische Leitung: James Last. (Polydor \/ Universal Music 442 8349. 2 CDs; 124\u2019) <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B000GH3D9W?ie=UTF8&amp;tag=codexflores-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B000GH3D9W\">bei Amazon kaufen<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=codexflores-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B000GH3D9W\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" \/><\/p>\n<p> Die Entstehungsgeschichte der \u00abDreigroschenoper\u00bb. H\u00f6rcollage von Peter Eckhart Reichel. Mit Originalaufnahmen 1927\u20131931. (duo-phon records, Edition Berliner Musenkinder 07023; 80\u2019) <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B0000714IQ?ie=UTF8&amp;tag=codexflores-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B0000714IQ\">bei Amazon kaufen<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=codexflores-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B0000714IQ\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" \/><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>12.01.2007 &#8212; James Last und Bert Brecht? Der Schmusemusiker mit Weichsp\u00fclermelodien und der Revoluzzer mit politischem Sendungsbewusstsein? 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