{"id":973,"date":"2014-01-13T09:45:20","date_gmt":"2014-01-13T09:45:20","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/hans-zender-schumann-phantasie-und-bardo\/"},"modified":"2014-01-13T09:45:20","modified_gmt":"2014-01-13T09:45:20","slug":"hans-zender-schumann-phantasie-und-bardo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/hans-zender-schumann-phantasie-und-bardo\/","title":{"rendered":"Hans Zender: Schumann-Phantasie und Bardo"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2007\/070221zender.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>27.02.2007 &#8212; Ein ungew\u00f6hnliche Art, sich mit dem musikalischen Erbe und damit den eigenen \u00e4sthetischen Wurzeln zu besch\u00e4ftigen, hat der in Frankfurt lehrende Komponist Hans Zender entwickelt: Ausdruck und Struktur von Schuberts \u00abWinterreise\u00bb eignete er sich statt auf begrifflich-analytische Art dadurch an, dass er das Werk mit dem forschenden und untersuchenden Gestus des zeitgen\u00f6ssischen Komponisten instrumentierte. Mit Hilfe der Methode, die er selber \u00abkomponierte Interpretation\u00bb nennt, hat er sich 1997 auch Schumanns C-Dur-Phantasie gen\u00e4hert. <\/p>\n<p> F\u00fcr seine Instrumentierung hat Zender Harmonik und Rhythmik des Werkes nicht angetastet. Allerdings tritt er mit seiner orchestralen \u00abKolorierung\u00bb des Klaviersatzes einen Schritt zur\u00fcck \u2013 oder, wenn man so will, auf eine Metaebene: Statt den Notentext zu verdeutlichen, legt er der Umsetzung das zugrunde, was das Ohr des H\u00f6rers tats\u00e4chlich erreicht, wenn dieser einem Pianisten lauscht. Dazu geh\u00f6ren eben auch \u00abdas prasselnde Nebenger\u00e4usch der Klavierh\u00e4mmer\u00bb oder der \u00abschwimmende\u00bb Effekt des Pedals, wie Zender in einem Begleittext zum St\u00fcck erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p> Zu Beginn der komponierten Ausdeutung setzt der Komponist zudem ein Pr\u00e4ludium und zwischen die S\u00e4tze Interludien, die mit rund um einen statischen Zentralton gebrochenen Klangfragmenten zu kontemplativem Innehalten verleiten. Entfernt erinnert die Form an die Spazierg\u00e4nge in Mussorgksys \u00abBilder einer Ausstellung\u00bb.<\/p>\n<p> Das Resultat ist auch auf CD ein faszinierendes Vexierbild. Auf der Silberscheibe geht allerdings eine nicht unbedeutende Dimension der zenderschen Schumann-Phantasie verloren: Physische Auff\u00fchrungen werden n\u00e4mlich auf drei r\u00e4umlichen Ebenen realisiert: Auf dem Konzertpodium selber findet sich das Orchester, davon deutlich abgesetzt acht Solostreicher, und ausserhalb des Konzertraumes sind weitere Instrumente platziert, die Schumanns Themen \u00abin einen vorgeburtlichen Zustand\u00bb zur\u00fcckverfolgen \u2013 was auch immer das heissen soll.<\/p>\n<p> Trotz der im ersten Moment radikal anmutenden Dekonstruktion der romantischen Phantasie kann Zender durchaus als legitimer Erbe einer sp\u00e4tromantischen Tradition dramatisch durchbebter Kunstreligion der eher dunkel gef\u00e4rbten Art gesehen werden. Explizit Bezug auf die metaphysischen Spiegelungen in der Musik nimmt er mit \u00abBardo\u00bb, dem zweiten St\u00fcck der CD. Der Titel des urspr\u00fcnglich f\u00fcr das Musikkollegium Winterthur in Vierteltontechniken geschriebenen Dialoges zwischen Orchester und Solocello referiert auf das Tibetanische Totenbuch (\u00abBardo Th\u00f6dol\u00bb, der Originaltitel des Buches ist im Booklet der CD falsch geschrieben). Der hermetische Text vom Dach des Himalaya beschreibt das Reich zwischen Tod und Eingehen in die Ewigkeit, in der die (buddhistische) Seele nach dem physischen Tod des K\u00f6rpers zun\u00e4chst weiterwandert.<\/p>\n<p> Die Aufnahmen zu der CD entstanden im Januar und Mai 2005 im Konzerthaus Freiburg, respektive im Hans Rosbaud Studio Baden-Baden. Als Interpreten amten ein hervorragend disponiertes SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, sowie Sylvain Camberling und Hans Zender selber als Dirigenten. Den Cellopart von \u00abBardo\u00bb bestreitet Heinrich Schiff, der schon die Urauff\u00fchrung des ihm selber gewidmeten Werks realisert hat.<\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Hans Zender: Schumann-Phantasie, Bardo for Cello and Orchestra; Heinrich Schiff (Violoncello), SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, Hans Zender, Sylvain Camberling (Leitung), H\u00e4nssler Classic, CD 93.128, <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B000LPS52Y?ie=UTF8&amp;tag=codexflores-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B000LPS52Y\">bei Amazon kaufen<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=codexflores-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B000LPS52Y\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" \/><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>27.02.2007 &#8212; Ein ungew\u00f6hnliche Art, sich mit dem musikalischen Erbe und damit den eigenen \u00e4sthetischen Wurzeln zu besch\u00e4ftigen, hat der&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-973","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/973","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=973"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/973\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=973"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=973"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=973"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}