{"id":98,"date":"2014-01-09T12:56:00","date_gmt":"2014-01-09T12:56:00","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/morgenlicht-in-spiritueller-watte\/"},"modified":"2014-01-09T12:56:00","modified_gmt":"2014-01-09T12:56:00","slug":"morgenlicht-in-spiritueller-watte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/morgenlicht-in-spiritueller-watte\/","title":{"rendered":"Morgenlicht in spiritueller Watte"},"content":{"rendered":"<p><em><img decoding=\"async\" src=\"images\/archivbilder\/130830morgenlicht.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover Morgenlicht\" style=\"float: left; margin: 4px;\" \/>02.09.2013 &#8212;<\/em> <span class=\"txt-m-black\">Man kann sich mehr und mehr wundern \u00fcber K\u00fcnstler, die allbekanntem Repertoire mit allerlei programmatischen oder konzeptuellen Kniffs und Tricks doch noch etwas Originalit\u00e4t abzugewinnen versuchen. Die CD \u00abMorgenlicht\u00bb des Rundfunkchors Berlin irritiert mit dem Gegenteil: So etwas Braves, Konventionelles, ja Unoriginelles ist schon lange nicht mehr auf dem Schreibtisch gelandet. W\u00e4hrend des Abh\u00f6rens f\u00fchlt man sich immer wieder in eine christliche Devotionalienandlung versetzt, in der solche Aufnahmen als Klangtapete akustische Aromakerzenstimmung verbreiten. Ein Fest des S\u00fcsslichen: Harfe, Orgel, die ohrwurmigsten sakralen Ohrw\u00fcrmer, die man sich denken kann, vom <em>C-dur-Pr\u00e4ludium<\/em> des Wohltemperierten Klaviers mit Harfe \u00fcber <em>Jesu, meine Freude<\/em>, Mozarts <em>Ave verum corpus<\/em> (mit Harfe und Orgel), bis zu <em>Nun ruhen alle W\u00e4lder<\/em>\u2026<\/p>\n<p> Was motiviert eine solche Produktion ohne auch nur angedeutete Ecken und Kanten? In seiner Heimat seien Kirchenlieder \u00fcberaus beliebt, schreibt der popul\u00e4re Chordirigent Simon Halsey dazu, was sich nicht zuletzt darin zeige, dass die BBC ihrer Sendung <em>Songs of Praise<\/em> einen Platz in der Hauptsendezeit einr\u00e4ume. Auch Gottesdienste w\u00fcrden gern im Radio mitverfolgt, und der Weihnachtsgottesdienst des King\u2019s College Choir, in dem er auch gesungen habe, habe jedes Jahr Einschaltquoten in Millionenh\u00f6he. <\/p>\n<p> So weit so gut. Wieso dann aber eine CD, die weit hinter dem zur\u00fcckbleibt, was heute im kirchlichen Alltag im deutschsprachigen Raum praktiziert wird? Ist Halsey zu wenig vertraut mit dem Gemeindeleben auf dem Kontinent? Geht es tats\u00e4chlich darum, mit kirchlichen Angeboten Ansprechbaren etwas in den CD-Spieler zu schieben, das ihrem All- respektive Sonntag nahe ist? Dann w\u00e4re es wohl angezeigt gewesen, auch Titel popul\u00e4rer zeitgen\u00f6ssischer Chorkomponisten wie Lorenz Maierhofer oder Patrick Dehm ins Programm aufzunehmen. Haben es Chor und Deutsche Grammophon vorgezogen, sich auch nicht im Zaghaftesten gegen\u00fcber innerkirchlicher Auseinandersetzungen um Tradition und Aufbruch zu exponieren? <\/p>\n<p> Im Booklet schreibt der Theologe Johann-Hinrich Claussen: \u00abInzwischen ist der Gemeindegesang nat\u00fcrlich l\u00e4ngst kein evangelisches Sondergut mehr, sondern ein \u00f6kumenischer Allgemeinbesitz geworden. Evangelische Chor\u00e4le finden sich in katholischen Gesangb\u00fcchern und lateinische Ges\u00e4nge wie diejenigen aus Taiz\u00e9 werden in evangelischen Gottesdiensten gesungen \u2013 Musik \u00fcberwindet eben Grenzen, auch Kirchenmauern\u00bb. Der Gemeindegesang ist aber auch in Sachen Repertoire und Stil l\u00e4ngst kein braves Fr\u00f6mmeln mehr. So l\u00e4sst einen das \u00abMorgenlicht\u00bb denn etwas ratlos in bigotter spiritueller Watte zur\u00fcck. <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p> <em><span style=\"font-size: x-small;\">Morgenlicht. Kirchenlieder &amp; Chor\u00e4le. Rundfunkchor Berlin, Simon Halsey. Deutsche Grammophon\/Universal Best.-Nr. 479 1303. <\/span><\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>02.09.2013 &#8212; Man kann sich mehr und mehr wundern \u00fcber K\u00fcnstler, die allbekanntem Repertoire mit allerlei programmatischen oder konzeptuellen Kniffs&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-98","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-gespraech","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/98","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=98"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/98\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=98"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=98"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=98"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}