{"id":980,"date":"2014-01-13T09:48:36","date_gmt":"2014-01-13T09:48:36","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/othmar-schoecks-chorwerke\/"},"modified":"2014-01-13T09:48:36","modified_gmt":"2014-01-13T09:48:36","slug":"othmar-schoecks-chorwerke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/othmar-schoecks-chorwerke\/","title":{"rendered":"Othmar Schoecks Chorwerke"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2007\/070605schoeck.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>06.06.2007 &#8212; Im Jahr 2002 ist unter der Regie des Z\u00fcrcher Musikwissenschaftlers Bernhard Billeter und im Auftrag der Othmar Schoeck Gesellschaft (<a href=\"http:\/\/www.othmar-schoeck.ch\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.othmar-schoeck.ch<\/a>) der achte Band der Schoeck Gesamtausgabe erschienen. Er dokumentiert die Chorwerke des Komponisten. Nun liegt in erstmaliger Einspielung eine reichhaltige Auswahl aus diesen Werken vor \u2013 realisiert vom MDR-Rundfunkchor und -Sinfonieorchester unter der Leitung von Mario Venzago und Howard Arman. Als Aufnahmeort diente im Dezember 2006 und Januar 2007 der Sendesaal des Mitteldeutschen Rundfunks.<\/p>\n<p> Dass die einmalige Gelegenheit, f\u00fcr den hier und dort noch untersch\u00e4tzten Tonsch\u00f6pfer die Lanze zu brechen, nicht von einem Schweizer Berufsensemble ergriffen worden ist, mag nicht zuletzt finanzielle Gr\u00fcnde haben; den Schweizer Laiench\u00f6ren, denen viele der Titel zugedacht waren, st\u00fcnden heute die k\u00fcnstlerischen Ressourcen nicht mehr zur Verf\u00fcgung. Viele dieser Traditionsvereine sind massiv \u00fcberaltert und einige zu Schoecks Zeiten stolze S\u00e4ngerscharen zu k\u00fcmmerlichen Gr\u00fcppchen zusammengeschmolzen. So hat sich der M\u00e4nnerchor Lachen, dem Schoecks auf der CD zu findendes Lied \u00abVision\u00bb gewidmet ist, gerade erst selber aufgel\u00f6st.<\/p>\n<p> Die \u00e4sthetische Distanz, die durch die Tatsache, dass Leipziger Akteure und nicht etwa die Z\u00fcrcher Tonhalle die teils masslos monumentalen, teils recht patriotischen Partituren zum Klingen bringen, verhindert allerdings, dass unn\u00f6tige Diskussionen um ideelle Aspekte den Blick auf die \u00e4sthetischen Qualit\u00e4ten der Musik versperren: Schoeck hatte, wie Beat F\u00f6llmi, der Editionsleiter der Gesamtausgabe, im Booklet zu der Einspielung schreibt, ein zwiesp\u00e4ltiges Verh\u00e4ltnis zum Chorwesen, einer Hochburg des nationalen Konservativismus. Seine S\u00e4nger \u00e4rgerte er deshalb gerne damit, dass er sie \u00abzuweilen an die Grenzen ihrer M\u00f6glichkeiten\u00bb brachte. So konnte er sich an \u00abder Engstirnigkeit des damaligen schweizerischen Chorwesens r\u00e4chen\u00bb \u2013 und \u00fcber weite Strecken wirklich gute Musik schreiben.<\/p>\n<p> Am besten ist Schoecks Vokalmusik dabei in dramatischen und parodistischen Passagen \u2013 etwa in den unerbittlichen \u00abTrommelschl\u00e4gen\u00bb nach einem Gedicht von Walt Whitman, mit denen er die Folgen des Ersten Weltkriegs geisselt, oder in dem sich grotesk dahinschleppenden \u00abDie Drei\u00bb, einer Vertonung eines Textes von Niklaus Lenau \u00fcber das Sterben geschlagener Soldaten. Auch eine Farce wie das \u00abRatskollegium\u00bb aus der \u00abKantate\u00bb f\u00fcr einen salbadernden Bariton (Ralf Lukas) und h\u00f6hnische tiefe Blechbl\u00e4ser muss beim Spielen und Singen mindestens soviel Spass machen wie sie den H\u00f6rer bestens unterh\u00e4lt.<\/p>\n<p> Daneben dokumentieren die M\u00e4nner des MDR-Rundfunkchors A-capella-M\u00e4nnerch\u00f6re, die auch das Repertoire heute noch aktiver Ensembles durchaus bereichern k\u00f6nnten, neben \u00abDie Drei\u00bb der optimistisch beschwingte \u00abZimmerspruch\u00bb, die angesichts des beissenden technik-kritischen Textes von Hermann Hesse musikalisch fast etwas zahme \u00abMaschinenschlacht\u00bb und die \u00abGestutzte Eiche\u00bb.<\/p>\n<p> F\u00fcr k\u00fcnftige alternative Einspielungen der vorliegenden Werke legen die Interpreten dieser CD die Messlatte sehr hoch. Neben den bereits erw\u00e4hnten sind dies der Tenor Martin Homrich sowie Steffen Schleiermacher, Justus Zeyen (Klavier), Frank Zimpel (Orgel), Bernd Angerh\u00f6fer (Tuba), Eckart Wiegr\u00e4be, Lutz Gr\u00fctzmann und Fernando G\u00fcnther (Posaunen) sowie Gerd Schenker und Sven Pauli (Schlagzeug). <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Othmar Schoeck, Chorwerke: Trommelschl\u00e4ge, Op. 26, Der Postillon Op. 18, Dithyrambe Op. 22, Wegelied Op. 24, F\u00fcr ein Gesangfest im Fr\u00fchling Op. 54, Kantate Op. 49, Vision Op. 63, R\u00fcckblick (Zu einer Konfirmation), Spruch Op. 69 No. 1, Einkehr Op. 69 No. 2, Die Drei WoO No. 39, Zimmerspruch WoO No. 43, Maschinenschlacht Op. 67a, Gestutzte Eiche Op. 67b. Martin Homrich (Tenor), Ralf Lukas (Bass-Bariton), MDR-Rundfunkchor, MDR-Sinfonieorchester, Mario Venzago (Leitung), Howard Arman (Leitung), Gesamtdauer: 74\u201946, Claves CD 50-2701, <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B000PHWDCG?ie=UTF8&amp;tag=codexflores-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B000PHWDCG\">bei Amazon kaufen<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=codexflores-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B000PHWDCG\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" \/><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>06.06.2007 &#8212; Im Jahr 2002 ist unter der Regie des Z\u00fcrcher Musikwissenschaftlers Bernhard Billeter und im Auftrag der Othmar Schoeck&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-980","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/980","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=980"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/980\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=980"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=980"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=980"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}