{"id":982,"date":"2014-01-13T09:49:34","date_gmt":"2014-01-13T09:49:34","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/alte-und-neue-schweizer-musik-fuer-ein-instrument\/"},"modified":"2014-01-13T09:49:34","modified_gmt":"2014-01-13T09:49:34","slug":"alte-und-neue-schweizer-musik-fuer-ein-instrument","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/alte-und-neue-schweizer-musik-fuer-ein-instrument\/","title":{"rendered":"Alte und neue Schweizer Musik f\u00fcr ein Instrument"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2007\/070709orgelmusik.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>09.07.2007 &#8212; Musiques Suisses, das Label des Migros Kulturprozents \u00abzur F\u00f6rderung des Schweizerischen Musiklebens in seiner Vielfalt und Gegens\u00e4tzlichkeit\u00bb hat gleich eine ganze Reihe von CD herausgebracht, die der einheimischen Musik f\u00fcr ein einzelnes Instrument gewidmet ist \u2013 und dies quer durch die Jahrhunderte. Dabei werden die typischen Soloinstrumente Orgel und Gitarre ebenso abgedeckt wie Blockfl\u00f6ten, Klarinette und Tuba.<\/p>\n<p> Echte Trouvaillen finden sich auf der Silberscheibe mit \u00abAargauer Orgelmusik im 20. Jahrhundert\u00bb. Es handelt sich dabei um eine Jubil\u00e4umsproduktion zum hundertj\u00e4hrigen Bestehen der Aargauer Kirchenmusikverb\u00e4nde (der katholische und der evangelische wurden am gleichen Tag, am 25. April 2007, an verschiedenen Orten gegr\u00fcndet). Tobias Willi, Marl\u00e8ne Flammer und Jonas Herzog spielen auf der Kuhn-Orgel der katholischen Kirche Peter und Paul in Aarau und ihrem Gegenpart von Metzler in der reformierten Stadtkirche Zofingen Werke von Werner Wehrli, Hermann Suter, Ernst Widmer, Walter M\u00fcller von Kulm, Robert Blum, Josef Kost und Raphael Staubli. Sie zeichnet im Rahmen einer gem\u00e4ssigten Moderne allesamt hohes satztechnisches Verm\u00f6gen und gef\u00e4lliger Einfallsreichtum aus. Am weitesten vor wagt sich der j\u00fcngste im Bunde, der 1959 geborene Staubli, der auch das tonlose Atmen des Instrumentes in seine Klangwelten einbezieht und m\u00f6glicherweise an der experimentellen Orgel von Daniel Glaus (siehe den Codex-flores-<a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/dossiers_ind9.php?art=36\">Bericht<\/a>) Gefallen finden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2007\/070709gitarre.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>Gitarrenlieder aus der Schweiz bietet die CD \u00abLes D\u00e9lices de la Suisse\u00bb, die der Gitarrist Christoph J\u00e4ggin gemeinsam mit der Sopranistin Asako Motojima und dem Tenor Tino Br\u00fctsch eingespielt hat. Auch auf ihr findet sich eine Komposition des nach Salvador de Bahia ausgewanderten Schweizers Ernst Widmer, und zwar eine Vertonung von Gedichten Federico Garcia Lorcas. Daneben entfaltet Bruno Zahner die poetischen Welten Verlaines, und J\u00fcrg Wyttenbach wagt sich klanglich in radikale Richtungen mit Miniaturen, welche sich 17 17-silbigen Kurzgedichten, sogenannten Haikus, annimmt. Geklammert werden die Beitr\u00e4ge aus dem 20. Jahrhundert von den Gitarrenliedern Ferdinand F. Hubers (1791-1863), darunter das popul\u00e4re Abendlied der Wehrliknaben in Hofwil (\u00abLuaged vo B\u00e4rg und Thal\u00bb), das f\u00fcr einmal mit originalem Gitarrensatz zu h\u00f6ren ist. <\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2007\/07070blockfloete.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>Wie modern und interessant selbst traditionelle Schweizer Kuhreien klingen k\u00f6nnen, beweist das ensemble diferencias (Samira El Ghatta, Helma Franssen, Urs Haenggli, Conrad Steinmann, Blockfl\u00f6ten), das \u00fcberlieferte Formen wie Carillons \u2013 Melodien f\u00fcr Glockenspiel \u2013, Ranz de Vaches, Appenzeller \u00abKureien\u00bb und eine \u00abDiminution \u00fcber das Guggisberglied\u00bb mit modernen Werken aus den Federn von Rudolf Kelterborn und Roland Moser kombiniert. Aber auch der Naturjodel inspiriert die Instrumentalisten. Ihm sp\u00fcren sie in einem \u00abalten Muotathaler\u00bb mit gabelgrifflosen Fingers\u00e4tzen und \u00dcberblastechniken nach, welche dem Alphorn- und B\u00fcchelspiel abgeschaut worden sind. Verfremdet \u00fcberdies perkussives Atmen die Kuhrufe aus dem Wallis und der Innerschweiz, entwirft Kelterborn mit seinen \u00abSpektren\u00bb eine faszinierende Art Musique spectrales, die das Blockfl\u00f6tenquartett zur Skizze von spannungsreicher und sensibler Klanglandschaften nutzt \u2013 elektronische Musik mit den Mitteln einfacher L\u00e4ngsfl\u00f6ten. Auf die Carillons zur\u00fcck verweisen die Interpretationen des Quartetts von Roland Mosers, vier kurzen St\u00fccken, die f\u00fcr die 3. Internationalen Tage f\u00fcr Neue Blockfl\u00f6tenmusik vom Oktober 2001 in Basel und Kairo zusammengetragen worden sind. Sie reduzieren das Spiel auf einen Ton pro Spieler. Ein irisierendes Wechselspiel, aus dem ein ungew\u00f6hnlicher Dialog entsteht.<\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2007\/070709casola.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>In Sachen konsequentem Aussch\u00f6pfen von Spieltechniken und zeitgen\u00f6ssischer \u00c4sthetik wagt sich der \u00fcberaus virtuose Klarinettist Fabio di C\u00e0sola am weitesten vor. Schon das 1935 entstandene halsbrecherische Werk \u00abPr\u00e9lude et Fugue sur le nom de Bach\u00bb von Ren\u00e9 Gerber zeigt den Willen, die Grenzen des Instrumentes nicht nur zu erreichen, sondern zu \u00fcberschreiten. Der Auftraggeber hielt es f\u00fcr unspielbar, und heute wird es gerne als Wettbewerbsst\u00fcck genutzt. Mit Hans Ulrich Lehmanns \u00abMosaik\u00bb \u2013 laut Di C\u00e0sola ein Schl\u00fcsselwerk f\u00fcr die Erweiterung der Klarinettensololiteratur des 20. Jahrhunderts \u2013 finden die modernen Doppelblas-, Perkussions- und Ger\u00e4uschtechniken endg\u00fcltig zur Anerkennung, und Michael Jarrells \u00abAssonance\u00bb rekurriert sogar explizit auf die Musikauffassung von Luciano Berios \u00abSequenze\u00bb. Daneben finden sich auf der CD \u00abMusica per clarinetto solo\u00bb David Philipp Heftis \u00abO, star!\u00bb, zum der bereits eine Aufnahme von Valentin Wandeler vorliegt (siehe <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/rezensionen_ind2.php?art=342\">Rezension<\/a>), und Werke von Pietro Damiani, Mario Pagliarani, Gion Antoni Derungs und dem einzigen nicht schweizerischen Komponisten, n\u00e4mlich Andr\u00e9 Jolivet. Dessen \u00abAsc\u00e8ses\u00bb zeugen von der franz\u00f6sischen Avantgarde der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts jenseits von Neoklassizismus und Serialismus.<\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2007\/070709leclair.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>Kaum existent ist Sololiteratur f\u00fcr ein Instrument, dessen Bestimmung es ist, den Orchesterklang im tiefsten Register einzuf\u00e4rben und zu st\u00fctzen, dazu ist die Tuba geschaffen worden, mehr will das Instrument im Grunde genommen nicht. So ist denn das erste Solowerk f\u00fcr das in jeder Hinsicht gewichtige Riesenhorn erst im Jahr 1955 geschrieben worden. Die \u00abSonate f\u00fcr Basstuba und Klavier\u00bb von Paul Hindemith entstand im Alterssitz in Blonay und kompensiert den Mangel des Instrumentes an Tonumfang und Klangdifferenzierung mit rhythmischen Spielereien wie Polymetrik und anderen rhythmischen Vertracktheiten. Daneben sind in den letzten Jahrzehnten gerade von Schweizer Tonsch\u00f6pfern einige Beitr\u00e4ge zum Solorepertoire der Tuba entstanden. Unter den j\u00fcngeren Komponisten hat sich der 1961 geborene Daniel Schnyder dem Bassregister angenommen. Seine f\u00fcr Tuba freigegebene Sonate f\u00fcr Bassposaune ist in dem ihm typischen Konglomerat verschiedenster Stile \u2013 von Klassik \u00fcber Jazz, Blues und Klezmer \u2013 verfasst. Die CD des Welschschweizer Tubaspielers David LeClair erg\u00e4nzt diese Originalwerke mit einem weiteren, \u00abHors-d\u2019\u0152uvre\u00bb von Cyrill Sch\u00fcrch sowie \u00abDinardzade\u00bb und \u00abDanse pa\u00efennes\u00bb des 1968 im Wallis geborenen Eddy Debons. Gerahmt werden diese Werke von mehreren Kompositionen aus der Feder LeClairs selber. Als Begleiterin am Klavier steht LeClair Nadia Carboni zur Seite. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Aargauer Orgelmusik im 20. Jahrhundert, Werke von Wehrli, Suter, Widmer, M\u00fcller von Kulm, Blum, Kost und Staubli. Tobias Willi, Marl\u00e8ne Flammer, Jonas Herzog (Orgeln), MGB CD 6253. <\/p>\n<p> Les D\u00e9lices de la Suisse, Gitarrenlieder aus der Schweiz, Werke von Huber, Zahner und Wyttenbach. Asako Motojima (Sopran), Tino Br\u00fctsch (Tenor), Christoph J\u00e4ggin (Gitarre), MGB CD 6255.<\/p>\n<p> Swiss Made, Altes und Neues f\u00fcr Blockfl\u00f6ten, ensemble diferencias (Samira El Ghatta, Helma Franssen, Urs Haenggli, Conrad Steinmann), MGB CD 6254. <\/p>\n<p> Fabio di C\u00e0sola, Musica per clarinetto solo, Werke von Damiani, Lehmann, Jarrell, Hefti, Gerber, Pagliarani, Derungs und Jolivet, MGB CTS-M 103.<\/p>\n<p> David LeClair, Musik f\u00fcr Tuba aus der Schweiz, Werke von LeClair, Debons, Schnyder, Hindemith und Sch\u00fcrch, MGB CTS-M 104.<\/p>\n<p> Zu beziehen im Fachhandel oder bei <a href=\"http:\/\/www.musiques-suisses.ch\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.musiques-suisses.ch<\/a> <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>09.07.2007 &#8212; Musiques Suisses, das Label des Migros Kulturprozents \u00abzur F\u00f6rderung des Schweizerischen Musiklebens in seiner Vielfalt und Gegens\u00e4tzlichkeit\u00bb hat&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-982","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/982","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=982"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/982\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=982"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=982"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=982"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}