{"id":984,"date":"2014-01-13T09:50:38","date_gmt":"2014-01-13T09:50:38","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/hamburger-premiere-von-mathis-der-maler\/"},"modified":"2014-01-13T09:50:38","modified_gmt":"2014-01-13T09:50:38","slug":"hamburger-premiere-von-mathis-der-maler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/hamburger-premiere-von-mathis-der-maler\/","title":{"rendered":"Hamburger Premiere von \u00abMathis der Maler\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2007\/070823mathis.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>22.08.2007 &#8212; Hindemiths Oper \u00abMathis der Maler\u00bb, ein Sittengem\u00e4lde aus der Zeit der Glaubenskriege der Reformationszeit, thematisiert zwar im Grunde genommen einen zeitlosen inneren Konflikt: Der Held ist hin und hergerissen zwischen R\u00fcckzug ins Private, respektive auf die Kunst und politischem Engagement. Hinzu kommt eine amour\u00f6se Verstrickung, die allerdings kaum heroische oder tragische Z\u00fcge tr\u00e4gt: Mathis ist zu sch\u00fcchtern, um eine erotische Beziehung zu mehr als pubert\u00e4r anmutenden Schw\u00e4rmereien zu nutzen. Dies alles t\u00f6nt, verglichen mit den Trag\u00f6dien der grossen Gef\u00fchle, welche die Opernb\u00fchnen sonst so bev\u00f6lkern, reichlich unspektakul\u00e4r \u2013 und ist es auch. So konzentriert sich das Interesse an der Geschichte denn auch eher auf die Auseinandersetzungen zwischen Lutheranern und Katholiken im Mainz des 16. Jahrhunderts, die wiederum viel Lokalkolorit zeigen und wenig exemplarische Z\u00fcge tragen.<\/p>\n<p> Weltgeschichtliche Brisanz erhielt das Werk w\u00e4hrend seiner Entstehung in den Jahren 1933 bis 1935, dem Aufbl\u00fchen der nationalsozialistischen Repression dennoch, und zwar wegen der Szenen, in denen darum gerungen wird, ob lutheranische B\u00fccher verbrannt werden sollen oder nicht (sie werden). Dar\u00fcber hinaus verstand Hindemith die Oper als Zeichen des eigenen Wandels hin zur k\u00fcnstlerischen Verbindlichkeit.<\/p>\n<p> Angesichts der wenig universalen Motive der Oper erstaunt es kaum, dass nur sehr wenige Gesamteinspielungen existieren und selbst in der nun vorliegenden Aufnahme der Hamburger Auff\u00fchrung ein S\u00e4nger \u2013 Harald Stamm in der Rolle des Riedinger \u2013 zu h\u00f6ren ist, der schon an einer \u00e4lteren mitgewirkt hat. Eine in M\u00fcnchen realisierte Produktion stammt aus dem Jahr 1977. Chor und Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks stehen unter der Leitung von Rafael Kubelik, und neben Dietrich Fischer-Dieskau in der Rolle des Mathis sind unter anderem James King (Albrecht von Brandenburg), Rose Wagemann (Ursula), William Cochran (Hans Schwalb) und Urszula Koszut (Regine) zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p> Eine j\u00fcngere ist vom Norddeutschen Rundfunkchor und dem Rundfunkorchester K\u00f6ln unter Gerd Albrecht 1990 realisiert worden \u2013 mit Roland Hermann als Mathis und Sabine Hass als Ursula. Harald Stamm singt auch hier den Riedinger. <\/p>\n<p> Mit dem Hamburger \u00abMathis\u00bb hatte die neue Intendantin und Generalmusikdirektorin Simone Young 2005 ihren von Publikum und Presse hervorragend aufgenommenen Einstand in der Stadt an der Alster. Die ansprechend gestaltete und mit einem informativen Booklet versehene 3CD-Box wird denn auch einfach als \u00abLive Mitschnitt der Premiere\u00bb deklariert. Als Mathis ist Falk Struckmann und als Albrecht von Brandenburg Scott McAllister zu h\u00f6ren, Susan Anthony singt die Ursula und Inga Kalna die Regina. <\/p>\n<p> Produktionen wie der vorliegende \u00abMathis\u00bb, den die Staatsoper Hamburg in Zusammenarbeit mit NDR Kultur und dem Label Oehms Classics realisiert hat, d\u00fcrfte in den kommenden Jahren mehr und mehr zu erwarten sein. F\u00fcr opulente und prohibitiv teure Studioproduktionen von Opern ohne die Massenwirkung von \u00abZauberfl\u00f6te\u00bb, \u00abCarmen\u00bb und \u00abAida\u00bb d\u00fcrften die an Gewinnoptimierung orientierten traditionellen Grosslabels kaum mehr Geld aufwerfen. Die Produktionen regionaler Opernh\u00e4user und Stadttheater lassen sich heute \u2013 die Frage der Rechte einmal ausgeklammert \u2013 hingegen recht einfach und kosteng\u00fcnstig auf CD oder gar als Download unter die Leute bringen.<\/p>\n<p> Gewinnen kann dabei das Publikum, das sich auf ein breites und k\u00fcnstlerisch interessantes Angebot freuen darf, aber auch das entsprechende Opernhaus, dem eine derartige Zweitverwertung hervorragende Gelegenheit zum Eigenmarketing bietet. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Paul Hindemith: Mathis der Maler, Simone Young (Leitung), Chor der Staatsoper Hamburg, Philharmonie Hamburg, Falk Struckmann (Mathis), Susan Anthony (Ursula) et al., Oehms Classics 2007 OC 908, 3 CD-Box mit 30-seitigem Booklet.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>22.08.2007 &#8212; Hindemiths Oper \u00abMathis der Maler\u00bb, ein Sittengem\u00e4lde aus der Zeit der Glaubenskriege der Reformationszeit, thematisiert zwar im Grunde&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-984","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/984","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=984"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/984\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=984"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=984"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=984"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}