{"id":985,"date":"2014-01-13T09:51:03","date_gmt":"2014-01-13T09:51:03","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/neue-und-alte-klaenge-am-laendlermusikfest\/"},"modified":"2014-01-13T09:51:03","modified_gmt":"2014-01-13T09:51:03","slug":"neue-und-alte-klaenge-am-laendlermusikfest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/neue-und-alte-klaenge-am-laendlermusikfest\/","title":{"rendered":"Neue und alte Kl\u00e4nge am L\u00e4ndlermusikfest"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2007\/070904mgb.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>05.09.2007 &#8212; Dass Volkmusik heute anders bewertet wird als noch vor zehn, zwanzig Jahren, dokumentiert die offizielle Fest-CD des 10. Eidgen\u00f6ssischen L\u00e4ndlermusikfests (ELMF) Stans 2007, die in zweifacher Hinsicht zunehmende Dynamik und einen h\u00f6chst erfreulichen Dialog zwischen bewahrenden und erneuernden Kr\u00e4ften h\u00f6rbar macht. In einem ersten historischen Teil ist nichts von nationalistischer Legendenbildung und Volkst\u00fcmelei zu sp\u00fcren. Vielmehr wird auf lebendige Art der Weg nachgezeichnet, den die Volksmusik von den Bl\u00e4ser- und Salonformationen des 19. Jahrhunderts \u00fcber den Hand\u00f6rgeliboom und das Saxophon samt Foxtrott bis zu der Erstarrung in den B\u00fcnder und Innerschweizer \u00abStandardformationen\u00bb mit zwei Klarinetten, Schwyzer\u00f6rgeli und Kontrabass, respektive Klarinette oder Saxophon, Akkordeon, Kontrabass und Klavier gegangen ist. Damit ist die Silberscheibe auch eine ideale Erg\u00e4nzung zu Dieter Ringlis Buch \u00abSchweizer Volksmusik \u2013 von den Anf\u00e4ngen bis zur Gegenwart\u00bb (siehe Codex-flores-<a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/%E2%80%9Crezensionen_ind2.php?art=%22356%22\">Rezension<\/a>), dessen Autor zum Booklet auch einen sehr informativen Text beigesteuert hat.<\/p>\n<p> Im zweiten Teil pr\u00e4sentiert die CD eine Reihe von Ans\u00e4tzen, die Schweizer Volksmusik weiter zu bringen. Dies unternimmt eine ganze Reihe vorwiegend \u2013 aber nicht nur! \u2013 junger Musiker, die sich von Musikformen anderer L\u00e4nder und Kontinente sowie von Formen des Tonsatzes inspirieren l\u00e4sst, die eher einer urbanen Tradition der Kunstmusik abgeh\u00f6rt sind. So hat etwa der tief in der Innerschweizer Volksmusikszene verwurzelte Willi Valotti ein St\u00fcck geschrieben, das den nicht minder traditionsverhafteten Alderbuebe erlaubt, ein faszinierendes, fliessend von Astor Piazzollas Tango Nuevo in die Welten der ungarischen Czardas wechselndes Klanguniversum zu entfalten. Die spritzigen jungen Ausnahmek\u00f6nner Reto Grab und Markus Fl\u00fcckiger pr\u00e4sentieren mit dem Pianisten Reto Kamer und dem Bassisten Sepp Huber eine Instrumentenkombination, die manchen Anh\u00e4nger der offiziellen L\u00e4ndlermusik-Doktrin der Nachkriegszeit wohl leer schlucken l\u00e4sst. In einer Variante, in welcher der Klarinettist Dani H\u00e4usler Reto Grab ersetzt, steuert die Nachwuchsformation als \u00abHuj\u00e4ssler\u00bb einen in vielerlei Hinsicht ungew\u00f6hnlich schr\u00e4gen Schottisch bei.<\/p>\n<p> Nicht minder originell sind die Klangwelten von Ils Fr\u00e4nzlis da Tschlin und der Hanneli-Musig, beides Formationen, die mit ihren Namen an markante historische Figuren der Szene ankn\u00fcpfen, in ihrem Spiel aber auch eine grosse Vertrautheit mit der klassischen Musik verraten. Weitere erfrischende Beitr\u00e4ge stammen von der Niinermuisig Sarnen \u2013 einer Kernformation der Feldmusik Sarnen \u2013, den Swiss L\u00e4ndler Gamblers, der Gruppe Heirassa Revival um Willi Valotti sowie die Gruppe Chlepfshit.<\/p>\n<p> Die Innovationen der Gruppen bev\u00f6lkern die urchigen Tanzboden-Kl\u00e4nge mit frechen klanglichen Kontrasten, schiefer Melodik und schr\u00e4gen Harmonien, unsymmetrischen Metren und \u00fcberraschenden Wendungen, welche die Formsprache der Stile auf erfrischende Art erweitern, aber (noch) etwas von der kernigen und organisch in sich ruhenden Geschlossenheit der traditionellen Kompositionen entfernt sind. Manch ein altgedienter Volksmusikant mag sie deshalb zum Teil als Kopfgeburten empfinden. Dabei darf aber \u2013 wie das erw\u00e4hnte Buch Ringlis lebhaft aufzeigt \u2013 nicht vergessen werden, dass fr\u00fchere Innovationen der Volksmusik durchaus auch das Resultat gedanklicher T\u00fcftelei dargestellt haben und sich erst \u00fcber die Jahrzehnte zur nat\u00fcrlich und stimmig wirkenden Form abgeschliffen haben. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Schweizer Volksmusik im Wandel der Zeit, offizielle Fest-CD des ELMF Stans 07, Musiques Suisses, MGB-NV 1.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>05.09.2007 &#8212; Dass Volkmusik heute anders bewertet wird als noch vor zehn, zwanzig Jahren, dokumentiert die offizielle Fest-CD des 10.&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-985","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/985","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=985"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/985\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=985"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=985"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=985"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}