{"id":986,"date":"2014-01-13T09:51:36","date_gmt":"2014-01-13T09:51:36","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/eggebrecht-spielt-hindemith-vieru-und-martynov\/"},"modified":"2014-01-13T09:51:36","modified_gmt":"2014-01-13T09:51:36","slug":"eggebrecht-spielt-hindemith-vieru-und-martynov","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/eggebrecht-spielt-hindemith-vieru-und-martynov\/","title":{"rendered":"Eggebrecht spielt Hindemith, Vieru und Martynov"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2007\/070918eggebrecht.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>19.09.2007 &#8212; Die M\u00fcnchner Geigerin Renate Eggebrecht pflegt auf ihrem eigenen Label Troubadisc in unbek\u00fcmmerter, schon fast anarchisch anmutender Art ein Repertoire, das etwas abseits des G\u00e4ngigen angesiedelt ist. Da finden komponierende Frauen, von denen mancher noch kaum je etwas geh\u00f6rt haben d\u00fcrfte, Unterschlupf \u2013 etwa die polnische Geigerin Grazyna Bacewicz, die Engl\u00e4nderinnen Elisabeth Lutyens und Elizabeth Maconchy oder die deutsche Reger-Sch\u00fclerin Johanna Senfter, aber auch bekanntere Tonsch\u00f6pferinnen wie Fanny Mendelssohn, Nadia Boulanger, Ethel Smyth und Germaine Tailleferre. Daneben nimmt sich die originelle Musikerin der Werke osteurop\u00e4ischer Nonkonformisten an. <\/p>\n<p> Zwei derartige, kantige Figuren machen ihre dritte CD mit Werken f\u00fcr Violine solo bemerkenswert. Zum einen ist dies der Chatschaturian-Sch\u00fcler Anatol Vieru, der im stalinistisch geknechteten Rum\u00e4nien im avantgardistischen Untergrund seine eigenen Konzeptionen mathematisch gepr\u00e4gter Strukturen entworfen hat. Im Booklet liest sich dies teilweise recht abenteuerlich. So soll Vieru \u00abKlangschichten durch ein arithmetisches Gitter gesch\u00fcttet\u00bb und \u00abmehrschichtige Freskos in Form eines Palimpsests\u00bb generiert haben. Sein Capriccio aus dem Jahr 1997, das dank Eggebrecht erstmals den Weg auf Tontr\u00e4ger findet, hat mit seiner motorisch inspirierten und dennoch raffiniert verarbeiteten Motivik allerdings weniger mathematisch-filigrane Z\u00fcge. Vielmehr tr\u00e4gt es h\u00f6rbar die Handschrift des armenischen Lehrers. So oder so scheint das Kleinod eine echte Bereicherung f\u00fcr das Solo-Repertoire des Instrumentes.<\/p>\n<p> Wesentlich kruder geht es in der Partita des russischen Tonsch\u00f6pfers Wladimir Martynov zu und her. Der Komponist erkl\u00e4rt den Komponistenberuf schlechterdings f\u00fcr tot und alle, die ihn aus\u00fcben, im Zeitalter von Diskjockeys und Sound-Design zu \u00abWitzfiguren\u00bb. Dass sein 1976 entstandenes Solowerk den Verweigerungsgestus pflegt, mutet da nur konsequent an. Es ist im O-Ton des Booklets eine \u00abrohe russische Minimal Music mit Arte povera-Appeal\u00bb. In gewisser Hinsicht wird dabei allerdings Etikettenschwindel getrieben. Wohl malochen in dem martynovschen Klanguniversum Endloswiederholungen in einer simpel anmutenden Eintaktmotorik vor sich hin. Die Binnenstruktur der Linien ist dennoch von subtilem Variationsreichtum und macht das Zuh\u00f6ren zu einem interessanten Akt der verweigerten Fortschreitung.<\/p>\n<p> Vierus und Martynovs Werken kommt die zupackende, unverbl\u00fcmte, ja kratzb\u00fcrstige Art des Spiels Renate Eggebrechts zweifelsohne zugute. Weniger gl\u00fccklich scheint da der Zugriff der Geigerin auf die gesamten Solowerke Hindemith, von denen sie einige \u2013 teils bloss Fragmente \u2013 ebenfalls als Weltersteinspielungen pr\u00e4sentiert, namentlich eine Studie aus dem Jahr 1916 und ein Satz und ein Fragment aus einer Sonate, die 1925 nicht fertiggestellt worden ist. Erg\u00e4nzt werden die Bruchst\u00fccke von der Wiedergabe der Sonaten op. 31 Nr. 1 und 2 sowie der Sonate op.11, Nr. 6.<\/p>\n<p> Sicherlich leistet Renate Eggebrecht damit einen wichtigen Beitrag zur Dokumentation des hindemithschen Oeuvres. Allerdings mutet vieles im Spiel wie eine Prima-vista-Durchsicht der Partituren an. Einiges scheint sehr pauschal hingeworfen, die Intonation weicht teils inakzeptabel von der Norm ab, so dass das Zuh\u00f6ren streckenweise eher zur Qual wird. Doppelt uneinsichtig bleibt da, weshalb die CD in einer hochaufl\u00f6senden 96\/24-Super-Audio-Version realisiert worden ist. Einer Solovioline f\u00fcgt das Raumklang-Format ja kaum wesentlich neue Dimensionen hinzu. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Renate Eggebrecht (Violine): Paul Hindemith: Gesamteinspielung seiner Werke f\u00fcr Violine allein, Anatol Vieru: Capriccio (1997), Wladimir Martynov: Partita (1976). Troubadisc TRO-SACD 01431, Bezugsquelle: <a href=\"http:\/\/www.troubadisc.de\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> www.troubadisc.de<\/a> <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>19.09.2007 &#8212; Die M\u00fcnchner Geigerin Renate Eggebrecht pflegt auf ihrem eigenen Label Troubadisc in unbek\u00fcmmerter, schon fast anarchisch anmutender Art&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-986","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/986","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=986"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/986\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=986"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=986"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=986"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}