{"id":997,"date":"2014-01-13T09:57:06","date_gmt":"2014-01-13T09:57:06","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/alte-und-neue-volkmusik-des-alpenraums\/"},"modified":"2014-01-13T09:57:06","modified_gmt":"2014-01-13T09:57:06","slug":"alte-und-neue-volkmusik-des-alpenraums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/alte-und-neue-volkmusik-des-alpenraums\/","title":{"rendered":"Alte und Neue Volkmusik des Alpenraums"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2008\/080220volk1.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>21.02.2008 &#8212; Alle zwei Jahre wird seit 1999 in der Urner Kantonshauptstadt Altdorf das Festival Alpent\u00f6ne durchgef\u00fchrt, letztes Jahr zum f\u00fcnften Mal. Es zeigt laut Selbstdeklaration \u00abMusikprojekte aus dem gesamten Alpenraum, die sich mit der alpinen Tradition auseinandersetzen\u00bb, und dies \u2212 wie der Querschnitt durch das Festival offenbart \u2212 auf sehr hohem Niveau und in zahlreichen stilistischen Schattierungen. Die reichen von archaischen, hoch expressiven a-cappella-Ges\u00e4ngen bis zu modernen, urban anmutenden Vermischungen folkloristischer Traditionen mit Elementen des Jazz und der klassischen Musik. Dass ein solcher Anlass in dem bloss scheinbar abgelegenen Altdorf realisiert wird, ist nicht ganz zuf\u00e4llig. Zum einen liegt der Ort direkt an der Gotthardroute und bildet damit eine Art Gravitationszentrum des Raumes, dessen klingende Traditionen er mit dem Anlass reflektiert. Zum andern scheint man sich da einiges einfallen zu lassen, um die regionale Attraktivit\u00e4t zu wahren, und dies nicht nur in musikalischer Hinsicht. So hat Altdorf letztes Jahr f\u00fcr \u00ablandschaftsvertr\u00e4gliche Raumentwicklung und die Vielzahl gelungener Neubauten und Sanierungen\u00bb vom Schweizer Heimatschutz den renommierten Wakker-Preis verliehen bekommen \u2212 zur eigenen \u00dcberraschung. Man gratuliert.<\/p>\n<p> Dass es auch in der idyllischen Alpenregion durchaus menscheln kann, zeigte im vergangen Oktober allerdings der abrupte Bruch des Ortes mit dem Festivalleiter Urban Frye, f\u00fcr den in der Person von Johannes R\u00fchl, dem Leiter des Freiburger Festivals \u00abLe Gipfel du Jazz\u00bb, bereits ein Nachfolger eingesetzt worden ist.<\/p>\n<p> Die CD vereint Aufnahmen der Schweizer Klangt\u00fcftler Tritonus, des piemontesischen Ensembles Li Sounalh\u00e9, des slowenischen Akordeonisten Bratko Bibic \u2212 international bekannt geworden als Mitglied der legend\u00e4ren interkulturellen Formation Accordion Tribe \u2212, seiner Landsfrauen vom Frauenchor Katice, dem \u00abStimmhorn\u00bb-Mitglied Christian Zehnder, dem Schweizer Projekt Bann, der Multi-Instrumentalistin und S\u00e4ngerin Claudia Bombardella mit ihrem Trio, dem Schweizer Hackbrettspieler T\u00f6bi Tobler, dem Genfer Yves Cerf Quintett, der italo-slowenischen Gruppe Zuf de Zur und dem Ensemble jazz horch-x-tra.<\/p>\n<p> So vielf\u00e4ltig wie die Liste der durchwegs illustren K\u00fcnstler ist auch die Musik auf der CD. Sie zeigt, dass ein Ph\u00e4nomen, welches man mit dem Schlagwort \u00abNeue Volksmusik\u00bb nur ungen\u00fcgend charakterisiert, weit mehr als bloss die Revitalisierung volkst\u00fcmlicher Traditionen ist, n\u00e4mlich ein der Musik als solcher gewidmetes Abenteuer, das mit zahlreichen klanglichen und formalen Raffinessen \u00fcberzeugt und dabei auch bestens unterh\u00e4lt. <\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2008\/080220volk2.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>Einen ebenfalls h\u00f6chst innovativen Umgang mit folkloristischen Traditionen pflegt der russische Alphornspieler Arkady Shilkloper, der urspr\u00fcnglich an der Moskauer Milit\u00e4rmusikschule das Mundwerk des Horns erlernt hat und mit so unterschiedlichen K\u00fcnstlern wie dem irisch-schweizerischen Komponisten John Wolf Brennan, dem Vienna Art Orchestra (VAO) und den tuvischen Obertons\u00e4ngern Huun-Huur-Tu zusammenarbeitet, aber auch mit dem vor f\u00fcnf Jahren verstorbenen Vibraphonisten Lionel Hampton aufgetreten ist. <\/p>\n<p> Unter dem Titel \u00abZum Gipfel und zur\u00fcck\u00bb hat er f\u00fcr Musiques Suisses neue Kompositionen f\u00fcr Alphorn eingespielt, darunter eigene Werke, eine Studie f\u00fcr zw\u00f6lf Alph\u00f6rner des VAO-Gr\u00fcnders Mathias R\u00fcegg und Werke von John Wolf Brennan, Daniel Schnyder und Hans Kennel. Erstaunlich, zu was f\u00fcr einer Virtuosit\u00e4t und klanglicher Beweglichkeit ein Ausnahmek\u00fcnstler wie Shilkloper mit dem wuchtigen Horn auflaufen kann. Auf der CD schichtet er bis zu zw\u00f6lf Alph\u00f6rner \u2212 offensichtlich im Playback-Verfahren \u2212 \u00fcbereinander. Er l\u00e4sst damit Klaviersaiten mitschwingen und H\u00f6rner und Fl\u00fcgelh\u00f6rner sich \u00fcber Ostinati, Bordune und Minimal-Music-\u00e4hnliche Klangmuster zu teils elegischen, teils kantigen Melodien aufschwingen.<\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2008\/080220volk3.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>Dem drohenden Vergessenwerden entreisst Musiques Suisses zudem zwei Schallplatten aus den siebziger Jahren mit historischen Aufnahmen von Hackbrett- und Zithern-Musik. Zu der Zusammenfassung der beiden Dokumente auf einer CD hat Brigitte Bachmann-Geiser einen informativen Text verfasst, der die Instrumente und ihre Spielerinnen und Spieler vorstellt. Durchaus mit Befriedigung kann die Pionierin der Volksmusikforschung dabei feststellen, dass die Neuedition heute nicht mehr als \u00dcberraschung wirkt. Seit der Erstausgabe haben \u00abAnh\u00e4nger der Folkbewegung, Spielleute, Recherchiermusiker, experimentelle und nach wie vor traditionelle Volksmusiker die \u00fcberlieferten Saiteninstrumente der schweizerischen Volkskultur zu neuem Leben erweckt\u00bb. Der Vergleich mit den heutigen Produktionen zeigt aber auch, wie sehr sich in den vergangenen dreissig Jahren das Interesse vom wissenschaftlichen Katalogisieren zur sch\u00f6pferischen Auseinandersetzung mit dem eigenen Volksmusikerbe verlagert hat. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>cf<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Alpent\u00f6ne. Ein Querschnitt durch das Festival &#8217;07, Koproduktion mit Schweizer Radio DRS 2 und Festival Alpent\u00f6ne, Musiques Suisses MGB-NV 2. <\/p>\n<p> Zum Gipfel und zur\u00fcck. Neue Alphornmusik, Arkady Shilkloper (Alphorn und H\u00f6rner), Werke von Shilkloper, Sommer, R\u00fcegg, Wolf Brennan, Gassman, Schnyder und Kennel, Musiques Suisses MGB CD 6246.<\/p>\n<p> Hackbrett und Zithern in der Schweiz. Historische Aufnahmen. Neuedition der LPs \u00abDas Hackbrett in der Schweiz\u00bb (EL 12175) und \u00abDie Zithern der Schweiz\u00bb (EL 12208), Ex Libris 1973\/74, Musiques Suisses MGB CD 6258.<\/p>\n<p> Mehr Infos: <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/%E2%80%9Chttp:\/\/www.musiques-suisses.ch%E2%80%9C\" target=\"\u201cblank\u201c\" rel=\"noopener noreferrer\">www.musiques-suisses.ch<\/a> <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>21.02.2008 &#8212; Alle zwei Jahre wird seit 1999 in der Urner Kantonshauptstadt Altdorf das Festival Alpent\u00f6ne durchgef\u00fchrt, letztes Jahr zum&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-997","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/997","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=997"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/997\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=997"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=997"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=997"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}