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Olivier Messiaen – The Anniversary Edition

01.02.2009 — Orgel- und Klavierwerke, Kammermusik, Orchesterkompositionen und Vokales hat das Label EMI Classics anlässlich des 100. Geburtstags von Olivier Messiaen (1908–1992) aus dem Archiv geholt. Die 14 CDs in einer Box enthalten wertbeständige Interpretationen von Werken, die Messiaen zwischen 1928 und 1992 fertigstellte. Die Aufnahmen vermitteln ein facettenreiches Porträt des experimentierfreudigen französischen Meisters und anregenden Harmonie- und Kompositionslehrers.

Dokumente des Organisten Messiaen – er wirkte von 1931 bis zu seinem Todesjahr als Titulaire an der Pfarrkirche Sainte-Trinité in Paris – sind auf den CDs 8 bis 11 zu hören: An der dreimanualigen Cavaillé-Coll-Orgel interpretierte er 1956 «L’Ascension», «La Nativité du Seigneur», «Les Corps glorieux», die «Messe de la Pentecôte» und das «Livre d’orgue», zudem den frühesten Orgelzyklus «Le Banquet céleste» (1928), «Diptyque» und «Apparition de l’Église éternelle».

Messiaens Nachfolger an der Sainte-Trinité, Naji Hakim, steuert – vergleiche, wer vergleichen will – den letzten Satz der «Nativité du Seigneur» bei sowie Teil 16 aus dem «Livre du Saint Sacrement», dem einzigen grossen Orgelwerk, das in dieser Kompilation fehlt. – Ebenfalls nicht enthalten ist der bedeutende Klavierzyklus «Catalogue d’oiseaux».

In die Interpretation der Klavierwerke teilen sich Michel Béroff («Préludes», «Vingt Regards sur l’Enfant Jésus», «Quatre Études de rythme»), John Ogdon («Cantéyodjayâ») und Martha Argerich mit Alexandre Rabinovitch («Visions de l’Amen» für zwei Klaviere).

Klein ist Messiaens Kammermusik-Œuvre, hier präsent durch zentrale Werke: das «Quatuor pour la fin du temps», «Thème et variations» für Violine und Klavier und «Le Merle noir» (Die schwarze Amsel) für Flöte und Klavier.

Die Auswahl an Vokalkompositionen konzentriert sich auf acht Werke bzw. Zyklen aus den Dreissiger- und Vierzigerjahren: für Sopran und Klavier «Trois Mélodies», «Poèmes pour Mi», «Chants de Terre et de Ciel» und «Harawi»; für Sopran, Tenor, Violine und Klavier «La Mort du Nombre»; für Chor mit Klavier «O sacrum convivium!», «Trois Petites Liturgies de la présence divine» und «Cinq Rechants».

Fünf Werke stehen in dieser Anniversary Edition für Messiaens gewichtiges Orchesterschaffen: «Les Offrandes oubliées» (1931), die Turangalîla-Symphonie (1947), «Chronochromie» (1960), «Et exspecto resurrectionem mortuorum» (1964) und das letzte Orchesterwerk «Éclairs sur l’au-delà» (1992).

Die 14 CDs mit klanglich zum Teil digital überarbeiteten Aufnahmen, die zwischen 1956 und 2004 entstanden (die frühesten noch in mono) und damals gesondert (zum Teil noch auf LPs) publiziert wurden, widerspiegeln alle wesentlichen Schaffensstationen des Meisters, der dem Mainstream, den gängigen Trends und Attitüden mit unbeirrtem Selbstvertrauen aus dem Weg ging.

Die Beschäftigung mit den Gesängen der Vögel, einheimischen und exotischen, zieht sich wie ein roter Faden durch Messiaens Werk; intensiv niedergeschlagen in Kompositionen haben sich seine ornithologischen Studien ab den Fünfzigerjahren. Er, der sich als Rhythmiker bezeichnete, fand mancherlei Anregung in aussereuropäischen, vorab fernöstlichen Kulturen. Und seit den Anfängen grundlegend für Messiaen war sein mystischer Katholizismus zwischen Askese und Sinnestaumel, der das gesamte Schaffen prägt – und durch die textliche Verortung und die religiöse Emphase den Zugang und das Verständnis nicht immer erleichtert. (ws)

Olivier Messiaen (1908–1992) – The Anniversary Edition. Orchester-, Orgel-, Klavier-, Kammermusik- und Vokalwerke aus fünf Jahrzehnten. – Martha Argerich, Serge Baudo, Michel Béroff, Michèle Command, Antal Doráti, Naji Hakim, Philip Langridge, Jeanne Loriod, Yvonne Loriod, Olivier Messiaen, Ann Murray, John Ogdon, Emmanuel Pahud, Marie-Madeleine Petit, Christoph Poppen, Alexander Rabinovitch, André Previn, Simon Rattle. London Symphony Orchestra, Orchestre de Paris, BBC Symphony Orchestra, Berliner Philharmoniker. (EMI Classics 50999 2 17466 2 8; 14 CDs, stereo/mono)

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