Von Wolfgang Böhler
23.08.2017 -- Tamedia hat angekündigt, die Redaktionen ihrer Tageszeitungen – unter anderem «Tages Anzeiger», «Bund» und «Berner Zeitung» – zu fusionieren. Dies weckt Befürchtungen, die traditionelle Printberichterstattung zur Kultur könnte gefühlt noch mehr verarmen. Insbesondere Kulturinstitutionen in Städten wie Bern, die (mit den Tamedia-Blättern «Bund» und «Berner Zeitung») fast ausschliesslich von Titeln eines Zeitungsverlags bedient werden, müssen damit rechnen, kaum noch auf dem Radar eines lokalen Feuilletons zu sein. Man kann dies allerdings bloss dann als Leistungsabbau verstehen, wenn man das Modell des 19. und 20. Jahrhunderts vor sich sieht, in dem eine (sehr) überblickbare Menge an Veranstaltern eine (sehr) überblickbare Menge an Veranstaltungen veranstaltete und es ein paar wenigen Berichterstattern in Form von Redaktoren und freien Mitarbeitern möglich war, deren Aktivitäten mehr oder weniger lückenlos mit Vorschauen, Hintergrundberichten und Kritiken zu begleiten. Das waren dann das Stadttheater, das Symphonieorchester, ein paar Chöre und Kammerensembles, vielleicht ein, zwei Jazzclubs und eine Handvoll Kinos.
19.08.2017 -- Kaum eine Instrumentengruppe ist so eng mit dem 20. Jahrhundert verbunden wie die Perkussion. Und weil sie ihr Selbstverständnis so eng aus der eigenen, nicht gesanglich-skalisch geprägten Klanglichkeit zieht, scheint es schwierig, sie an die Ästhetiken früherer Epochen anzudocken. Genau dies scheint aber ein Bedürfnis der Schlagzeuger zu sein, möglicherweise um aus dem eigenen Kreis (oder modern der eigenen Social Bubble) auszubrechen, um das grosse Publikum zu erreichen. Dünnes Eis wird da betreten. Man denkt an Abstürze wie Martin Grubingers Kombination von Gregorianik und Perkussion, über die man mit Vorteil das Mäntelchen der Barmherzigkeit legt. Auch Simone Rubinos Unterfangen, eine Bach-Cellosuite für Marimba zu adaptieren, drängt sich nicht gerade auf, auch wenn die Interpretationskunst des Ausnahmeschlagzeugers unbestritten hohes Niveau erreicht.