von Wolfgang Böhler
30.05.2014 -- Wir outen uns hier somit als ewiggestrige Langweiler (schon nur durch den anbiedernden Anglizismus). Wir schauen gerne in die Röhre, die heute allerdings keine mehr ist, sondern vielmehr eine dünne Wand mit Internetanschluss, und wir freuen uns über das überaus reiche Kulturangebot auf unzähligen Kanälen. Wir staunen auf Sendern wie BR-alpha über jahrzehntealte, unscharfe und (technisch) über- oder unterbelichtete Belehrungen Joachim Kaisers zu Opernklassikern, vergessen die Zeit ob klugen Gesprächen in billig improvisierten Museumsfundusdekors zwischen dem Physiker Harald Lesch und dem Philosophen Wilhelm Vossenkuhl, wir können uns nicht sattsehen an den zahllosen Konzertmitschnitten, die uns Arte zur Zeit zur Verfügung stellt (lassen Sie sich den sensationellen Mitschnitt eines Konzertes des Jazzgeigers Didier Lockwood mit Grössen wie Patricia Petibon, Vadim Repin und Bireli Lagrene im Théâtre du Châtelet nicht entgehen!).
23.05.2014 -- Wie Welten aufeinanderprallen. Man könnte sich ja vorstellen, dass Unglaubliches entstanden wäre, hätte das Jahrtausendgenie Wolfgang Amadeus Mozart Werke des Jahrtausendgenies Johann Sebastian Bach bearbeitet. Müsste das nicht eine Potenz der Vollendung ergeben? Vollendete Vollendung, ins Überzeitlose extrapolierte zeitlosigste Zeitlosigkeit, zur allergültigsten Gültigkeit verschmolzene Tonkunst? So ist es aber nicht. Die musikalischen Universen Mozarts und Bachs durchdringen sich nicht, sie sperren sich gegen jegliche Versuche der Deckungsgleichheit und Synergie, mit Blick auf welche Aspekte auch immer.