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Die Singphoniker: «fragile»

03.02.2011 — Die Comedian Harmonists standen Pate, als sich 1980 in München sechs Vokalsolisten der Musikhochschule zum Ensemble Die Singphoniker zusammenschlossen. Bald weitete sich das Repertoire aus, umfasst heute Vokalwerke von der Gregorianik bis zum Pop, vom Madrigal zum Jazz, vom Volkslied zu neuen Kompositionen, viele davon eigens den sechs Mannen in die Kehlen geschrieben. Mehr als 30 Alben dokumentieren Können und Vielseitigkeit der Singphoniker, die international zu den vokalen Spitzenensembles gehören.

Auf die erste, Werken von Robert Schumann gewidmete Einspielung in der aktuellen Besetzung – acht Ehemalige wurden nach und nach durch neue Kräfte ersetzt – folgt nun «fragile», ein komponiertes Programm zum Themenkreis Abschied, Vergänglichkeit, Tod.

Im Zentrum der klingenden Architektur steht die «Missa pro fidelibus defunctis» des Pierre de la Rue (um 1460–1518), Zeitgenosse von Josquin, hochberühmt und am burgundischen Hof tätig, auch als ihr Lieblingsmusiker in Diensten der Margarete von Österreich. Zwischen die sieben Teile des zwei- bis fünfstimmigen Requiems gefügt: ein Spiritual, Stings «Fragile», ein Chor aus dem Berliner Requiem von Kurt Weill, Eric Claptons «Tears in Heaven» und zeitgenössische Vokalsätze von Rautavaara, Nystedt und Schanderl. Zum Einklang und am Schluss alte Weisen, neu gesetzt von Ludwig Thomas, «Mein junges Leben hat ein End» nach Sweelinck und Claudius’ Abendlied, «Der Mond ist aufgegegangen» nach Schulz.

Überzeitliche Grösse, im Glauben verwurzelte Gewissheit, irdische Ohnmacht, Hoffnung und Angst, Ausweglosigkeit und Zuversicht bilden sich durchdringende, wechselseitig beleuchtende Räume und Stimmungen, die dank der bis ins Einzelne wirkungsstarken gestalterischen Souveränität, der Stilsicherheit, der klanglichen Transparenz und dem emotionalen Reichtum in der Deutung der Singphoniker beeindrucken und bewegen. (ws)

«fragile. A Requiem for Male Voices». Werke von Pierre de la Rue, Ludig Thomas, Sting, Kurt Weill, Einojuhani Rautavaara, Hans Schanderl, Knut Nystedt, Eric Clapton. – Gutes Booklet dt./engl., jedoch ohne Übersetzung der Liedtexte. – Die Singphoniker: Markus Geitner, Countertenor; Daniel Schreiber und Henning Jensen, Tenor; Berno Scharpf, Bariton; Michael Mantaj, Bassbariton; Christian M. Schmidt, Bass. (Oehms Classics / BR Klassik OC 817; 54’)

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