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Nietzsches Werke für Klavier solo

15.10.2011 — Heute jährt sich der Geburtstag Friedrich Nietzsches (1844-1900) zum 167. Mal. Es ist ein unrundes Jubiläum, das eigentlich nicht unbedingt der Erwähnung wert ist. Da passt es auch, eine Gesamteinspielung der Klavierwerke des Philosophen vorzustellen. Die kompositorischen Skizzen und klangdichterischen Versuche, die der Wagner-Apologet hinterlassen hat, haben nämlich eine Bedeutung für sein Gesamtwerk, die dem eher beiläufigen Jubiläum durchaus entspricht.

Vielen dürfte kaum präsent sein, dass Nietzsche auch Musik geschrieben hat. Überliefert sind Lieder und Soloklavierwerke. Der Philosoph selber schätzte seine kompositorischen Bemühungen durchaus richtig ein. Als er Proben davon an den Dirigenten Hans von Bülow schickte – mit Bitte um ein Urteil –, bezeichnete er sie vorsichtigerweise als «zweifelhaft».

Bülow antwortete in entwaffnender Direktheit, es sei «das Extremste von phantastischer Extravaganz», das «Unerquicklichste und Antimusikalischste», was ihm seit langem zu Gesicht gekommen sei. Vermutlich ein pädagogischer Wink mit dem Zaunpfahl: Dichter, bleib bei deinen Versen.

Man hört den Charakterstücklein, Tondichtungen und Fragmenten dennoch an, dass sich da ein im Grunde genommen sehr musikalischer und formal intelligent reflektierender Mensch im Tonsatz übt. Das Resultat scheint aber vor allem Zeugnis von Herumtasten und Suchen, mit dem der zur Zeit der kompositorischen Gehversuche noch sehr junge Philosoph herauszufinden versuchte, welches sein ureigenes Ausdruckmedium sein könnte.

Hätte er sich auf die Musik konzentriert, so der Eindruck, wäre er möglichwerweise zu einem ganz respektablen, aber vermutlich kaum wirklich bedeutenden Komponisten weitergereift. Glücklicherweise hat er sich, wie wir alle wissen, fürs Wort entschieden.

Der Pianist Michael Krücker hat bereits 2008 eine exemplarische Gesamteinspielung der Klavierwerke vorgelegt, die editorisch sehr schön aufgemacht ist und interpretatorisch der Musik fast zu viel Ehre zukommen lässt. Am bemerkenswertesten scheint ein «Fragment an sich», eine Art elegische Tonsatzskizze, deren Klänge sich zu einem runden Ganzen fügen, aber vor allem wegen des anspielungsreichen Titels Aufmerksamkeit weckt.

Nietzsche verbindet da feine sprachliche Ironie mit einer (metaphorisch schiefen) Anspielung an die kantische Philosophie. Eben: ein Sprachkünstler, kein Tonschöpfer. (wb)

Friedrich Nietzsche: Sämtliche Werke für Klavier solo, Michael Krücker (Klavier), NVA New Classical Adventure, Best.-Nr. 60189.

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