29.01.2013 — Im Lauf ihrer langen Karriere hat die Schweizer Violinistin und Violinpädagogin Ursula Bagdasarjanz eine Reihe ihrer Interpretationen eingespielt. Etliche Zeit nach dem Abschied vom Konzertpodium legt sie im Label VDE-Gallo fünf CDs vor mit den digital aufgefrischten, zwischen 1960 und 1970 entstandenen Aufnahmen.
Begabt mit überdurchschnittlichem Talent, gefördert von ihrer Mutter, der Geigerin Margrit Weiss, trat die 1934 in Winterthur geborene Ursula Bagdasarjanz (ihr Vater besass armenisch-schweizerische Wurzeln) als Zehnjährige mit Beethovens F-Dur-Romanze auf. Sie studierte bei Aida Stucki, anschliessend in Paris bei Marcel Reynal, wo sie 1956 ihr Diplom samt einem Premier prix de violon erwarb. Weitere Ausbildung genoss sie durch Sándor Végh, Joseph Calvet und Max Rostal.
Ihre Laufbahn entfaltete Ursula Bagdasarjanz als Solistin und Kammermusikerin in Europa, zudem war sie als Musikpädagogin tätig, gab Meisterkurse in Rumänien und publizierte Lehrgänge des Violinspiels. Ihre eleganten, bildhaften, aus den Möglichkeiten des Instruments schöpfenden «Sept poésies pour violon et pianoforte» sind auf Vol. 4 zu hören.
Unter den fünf einzeln erhältlichen CDs verdient Ursula Bagdasarjanz’ exemplarische Einspielung des Violinwerks von Othmar Schoeck herausragendes Interesse: In den drei Sonaten (1905, 1908, 1931) – gemeinsam mit Schoecks Tochter Gisela am Klavier – und dem Violinkonzert (1912) erweist sie sich als handwerklich makellose und emotional bezwingende Interpretin dieser viel zu selten beachteten Meisterwerke ihres Landsmannes. Gekoppelt ist Schoecks Violinkonzert («Quasi una Fantasia» benannt) mit dem bekannten in a-Moll von Glasunow (1904).
Ihre stilistische Bandbreite und Anpassungsfähigkeit beweist Ursula Bagdasarjanz in Kompositionen aus dem Barock (Bach, Händel, Nardini) und der Klassik (Mozart, Beethoven), von Brahms und Bartók.
Ihr Ton besitzt in allen Lagen Fülle und Kraft, Sinnlichkeit, Sensibilität und geschmackvolles Vibrato. Virtuosität forciert sie nicht, stellt sie ganz in den Dienst des Ausdrucks. Durchdacht und intellektuell beherrscht sind Ursula Bagdasarjanz’ Deutungen; akkurate Formung des Details gefährdet nie den Bogen weitgespannter satz- und werkübergreifender Entfaltung. Auch wenn einige der Aufnahmen technisch etwas angestaubt klingen, bewahren die fünf CDs wertvolle Dokumente einer profilierten Künstlerin. (ws)
Vol. 1. Bach: Solosonate 2 a-Moll BWV 1003. Nardini: Sonate D-Dur. Mozart: Sonate B-Dur KV 378. Bartók: 1. Rhapsodie. – Ursula Bagdasarjanz, Violine; Luciano Sgrizzi, Fernande Kaeser, Klavier. (Gallo CD-1248)
Vol. 2. Schoeck: Drei Sonaten für Violine und Klavier o. op. Nr. 22; op. 16; op. 46. – Ursula Bagdasarjanz, Violine; Gisela Schoeck, Klavier. (Gallo CD-1249)
Vol. 3. Schoeck: Violinkonzert op. 21. Glasunow: Violinkonzert op. 82. – Ursula Bagdasarjanz, Violine; Radioorchester Lugano, Leitung: Francesco d’Avalos, Leopoldo Casella. (Gallo CD-1250)
Vol. 4. Bagdasarjanz: Sept poésies pour violon et piano. Händel: Sonate F-Dur. Paganini: Sonata Nr. 12 op. 3. – Melanie Di Cristino, Violine; Raluca Stirbat, Klavier. Ursula Bagdasarjanz, Violine; Bruno F. Saladin, Klavier. (Gallo CD-1251)
Vol. 5. Mozart: Sonate G-Dur KV 301. Beethoven: Sonate A-Dur op. 47 (Kreutzer-Sonate). Brahms: Sonate d-Moll op. 108. – Ursula Bagdasarjanz, Violine; Bruno F. Saladin, Klavier. (Gallo CD-1352)