Drücke „Enter”, um zum Inhalt zu springen.

Verschollenes Bach-Porträt vermutlich wiederentdeckt

06.03.2014 — Das Bachhaus Eisenach hat ein Pastellbild erworben, bei dem es sich wahrscheinlich um das verschollene Porträt Johann Sebastian Bachs aus dem Besitz seines Sohns Carl Philipp Emanuel handelt.

06.03.2014 — Das Bachhaus Eisenach hat ein Pastellbild erworben, bei dem es sich wahrscheinlich um das verschollene Porträt Johann Sebastian Bachs aus dem Besitz seines Sohns Carl Philipp Emanuel handelt.

 

Das Bild tauchte erstmals 1927/28 in der Sammlung Manfred Gorke auf. 1936 wurde es vom englischen Bachforscher Charles Sanford Terry als das Bach-Pastell identifiziert, das Bachs Sohn Carl Philipp Emanuel besessen hat. Zu dem gleichen Ergebnis gelangte der Kölner Musikwissenschaftler Georg Kinsky. Bei der Auflösung der Sammlung Gorke Ende der 30er Jahre ging das Gemälde an einen Berliner Privatmann und war seither praktisch verschwunden.

 

Bei dem jetzt erworbenen Pastell handelt es sich nach erster Untersuchung des Museums um ein Original aus der ersten Hälfte des 18. Jh. Abweichungen ergeben sich im Alter und der Kleidung des Dargestellten. Letzteres ist von Bedeutung, weil sich einige Details – die Perücke, das Spitzenjabot – auch auf einem Kupferstich wiederfinden, den Samuel Gottlob Kütner 1774 wohl im Auftrag von Carl Philipp Emanuel ausführte, und den der Bach-Sohn als «ziemlich ähnlichen Kupferstich von meines lieben seeligen Vaters Portrait» bezeichnete. Genau diese Darstellung übernahm Forkel dann für das Frontispiz zu seiner Bach-Biographie von 1802.

 

Die Sammlung des aus Hirschberg in Schlesien stammenden, in Eisenach und später Leipzig und Meiningen lebenden Manfred Gorke gehörte am Anfang des 20. Jh. zu den letzten großen privaten Sammlungen von Bachiana. Der damals 31jährige wurde zur Abgabe der Sammlung gedrängt und verkaufte sie schließlich 1935 an die Stadt Leipzig. Die von der Stadt Leipzig erworbene Sammlung gehört heute zum Kernbestand des Leipziger Bach-Archivs. Das Bach-Pastell behielt Gorke 1935 dagegen und verkaufte es 1936 gesondert an den Berliner Industriellen Gustav Winkler.

 

Am 15. Dezember 2013 konnte es nunmehr aus Privatbesitz vom Bachhaus Eisenach erworben werden. Den Erwerb unterstützten die Neue Bachgesellschaft und die Johann-Sebastian-Bach-Stiftung (Leipzig). Das neue Bach-Bild wird voraussichtlich ab dem 1. Mai 2014 in die Eisenacher Ausstellung eingefügt. Bereits zuvor präsentiert das Bachhaus das neuerworbene Bach-Gemälde in der am 13. März 2014 beginnenden sechswöchigen Sonderausstellung Echt Bach! im Berliner Dom. (cf)

 

Eine Foto des Portäts findet sich hier

 

Schreibe einen Kommentar