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«Gewissen und Bewusstsein» in Bern

27.05.2005 — Das Festival «Science et Cité» – getragen von Schweizer Wissenschaftsorganisationen – ist heute eine der ganz grossen Kisten in Sachen Öffentlichkeitsarbeit für die Anliegen von Forschung und Wissenschaft. Mehrere originelle Konzerte in Bern unterstrichen den Anspruch.

In den Grossanlass, der in rund 20 Städten der Schweiz über die Bühne gegangen ist, hat man auch die «Woche des Gehirns» integriert, die das Bewusstsein des allgemeinen Publikums für die Fragestellungen der Neurologie schärfen sollten. Was ist Bewusstsein? Was ist Gewissen? waren die Fragen, die heuer dabei im Zentrum standen. Niederschlag gefunden haben sie in so unterschiedlichen Formen wie Vorträgen, Gesprächsrunden, Diskussionen, Ausstellungen, Filmen, Theater, Performances, Konzerten und Tanzdarbietungen.

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Die Weblinks
Science et Cité:
www.science-et-cite.ch
Festival 2005:
festival05.ch
BeJazz Bern:
www.bejazz.ch
Werkstatt für Improvisierte Musik Bern:
www.music.ch/wimbern
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Für Musikschaffende, die sonst eher Mühe haben, für ihre Projekte das nötige Geld aufzutreiben, ist der Anlass zu einer Art unerwartetem Honigtopf geworden. Vor allem in Bern hat man die Gelegenheit beim Schopf gepackt und mit einer ganzen Reihe höchst anregender Konzerte das vorgegebene Thema «Gewissen & Bewusstsein» musikalisch aufgearbeitet.

So sind in dem Rahmen für eine Konzertreihe dem Verein BeJazz Beträge zur Verfügung gestanden, die sonst jenseits der Möglichkeiten liegen. Und die «Werkstatt für improvisierte Musik» (WIM), die ihren Ursprung in der Avantgardeszene der E-Musik hat, hat dank dem Zuschuss in Zusammenarbeit mit Vertretern der Hirnforschungsabteilung der Psychiatrischen Universitätsklinik Bern den Versuch unternommen, kollektive Improvisation und Feedbacks aus Videoaufnahmen der Musikerinnen und Musiker sowie während des Spielens registrierten physiologischen Daten ein Gesamtkunstwerk zu formen.

Susanne Daeppen registriert als Kameraufrau im Projekt «Comunicación invisible» improvisatorische Aktionen der Bassistin Cristin Wildbolz. Susanne Daeppen registriert als Kameraufrau im Projekt «Comunicación invisible» improvisatorische Aktionen der Bassistin Cristin Wildbolz

«Comunicación invisible» nannte die WIM ihr Projekt, das zehn Musiker, eine Kamerafrau, zwei bildende Künstler und zwei Mediziner auf der Bühne vereinte – «dirigiert» vom in Barcelona lebenden Pianisten und Komponisten Josep-Maria Balanyà. Das aus zehn Musikern bestehende Ensemble mit Klavier, Schlagzeug sowie je einer Streicher- und einer Bläsergruppe erwies sich dabei als hochklassiges, einfallsreiches und überaus klangsubtiles Orchester, in dessen abstrakte akustische Texturen sich die an die Wand projizierten Feedbacks aus der Videokamera atmosphärisch bestens einfügten. Die live ausgelesenen Hirnströme, Puls- und Kehlkopfdaten hingegen stellten kaum mehr als einen episodenhaft zugespielten Nebenkriegsschauplatz dar.

Aus dem Material hätte sich mehr machen lassen. Der Möglichkeiten dazu hätte es sicherlich viele gegeben. Vorstellbar wäre etwa gewesen, die gewonnenen Datenkurven für Filter von ebenfalls live zugespielten Aufnahmen der Improvisationen zu nutzen oder etwa das Licht damit zu modulieren, was den Musikern die Gelegenheit gegeben hätte, auf das Feedback wiederum spontan zu reagieren. So oder so ist zu hoffen, dass die interessante und entwicklungsfähige Zusammenarbeit von Medizinern und Musikern eine Fortsetzung findet.

Hans Burgener an der Geige und der Schlagzeuger Markus Lauterburg zollen dem Zentralnervensystem ihren Tribut Hans Burgener an der Geige und der Schlagzeuger Markus Lauterburg zollen dem Zentralnervensystem ihren Tribut.

Der Verein BeJazz nahm eine Aufführung von Dürrenmatts Stück «Der Mitmacher» zum Ausgangspunkt des eigenen Zyklus, der konsequenterweise unter dem Label «Der Mitmacher – contemporary jazz goes scientific» segelte. Aus zahlreichen Eingaben wurden fünf Projekte ausgewählt, die sich mit dem Text des Stückes und vor allem dem opulenten Nachwort des Berner Dramatikers zum eigentlichen Theatertext auseinandersetzten.

Herausgekommen sind dabei «Declaring the Self» von Angelica Niescier, eine Performance für vier klassische Stimmen, Jazztrio und Videokünstler, «Die Liebe schweigt;» (Das Semikolon ist kein Druckfehler) von Trudi Strebi, eine Komposition für Jazzsextett und Rezitatorin, «Die ErFolgsamen», eine «Rhapsodie für Klavier, Keyboard, diverse Trommeln und Stimme» von Michael Birkenmeier, «Judas» oder «Ich verdanke Deinem Schicksal meine Überzeugung», ein videotonales Spektakel für «Komponistin, Künstler, Theoretiker, neun Streicher und Timpani» von Araxi Karnusian sowie «Knock-out Maus» ein interaktives Stück für «zwei Stimmen, zwei Kontrabassklarinetten, Komputer und Visualizer» von Jan Galega Brönnimann.

Daniel Pezzotti (Cello), Danilo Moccia (Posaune), Fabian Gisler (Bass) und Reto Suhner (Saxophon), vier der sieben Musiker, die das hochklassige Kompositionsprojekt «Die Liebe schweigt;» der Ostschweizer Jazzerin Trudi Strebi umsetzten
Daniel Pezzotti (Cello), Danilo Moccia (Posaune), Fabian Gisler (Bass) und Reto Suhner (Saxophon), vier der sieben Musiker, die das hochklassige Kompositionsprojekt «Die Liebe schweigt;» der Ostschweizer Jazzerin Trudi Strebi umsetzten.

Gerade bei den BeJazz-Konzerten bedauerte man die durch das Festival vorprogrammierte Ballung von fünf höchst interessanten Projekten an aufeinanderfolgenden Tagen. Sie machte es dem Durchschnittskonsumenten beinahe unmöglich, alle Werke zur Kenntnis zu nehmen. Bedauernswert ist das nicht zuletzt für die Musikerinnen und Musiker selber, die – wenn sie schon einmal die Gelegenheit zu einem solchen Vorhaben haben – nicht auf die ihnen individuell zustehende Beachtung hoffen können. (wb)

Konzerte in Bern im Rahmen von «Gewissen & Bewusstsein – ein Fest der Wissenschaft und der Künste», 20. bis 24. Mai 2005

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