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Varèses Nachlass im Basler Museum Tinguely

29.04.2006 — Die Ausstellung «Edgard Varèse – Komponist, Klangforscher, Visionär» der Paul Sacher Stiftung und des Museums Tinguely ermöglicht eine einzigartige Begegnung mit dem Oeuvre des Komponisten und Klangtüftlers. Die beiden Institutionen ehren damit den Dirigenten und Mäzen Paul Sacher, dessen 100. Geburtstag am 28. April 2006 gefeiert worden ist.

Der Nachlass Varèses ist im Jahr 2003 aus dem Besitz des chinesisch-amerikanischen Komponisten Chou Wen-chung, seinem Assistenten und Nachlassverwalter, an die Paul Sacher Stiftung übergegangen. Er wird nun in acht Abteilungen chronologisch gegliedert präsentiert, sekundiert von Filmporträts, Klanginstallationen, Konzerten, einem von Hermann Danuser geleiteten Symposium (24. Mai) und einem opulenten, reich bebilderten Katalog. Ein spezielles Highlight stellt dabei die Wiedergabe des 1958 in Brüssel uraufgeführten «Poème électronique» mit der Rekonstruktion der dazu von Le Corbousier, dem Initiator des Stücks, konzipierten Bilderfolge dar.

In der weitläufig auf zwei Stockwerken angelegten Schau gibt es aber auch verborgenere Perlen zu entdecken, etwa eine fein säuberlich und schülerhaft anmutende Niederschrift einer konventionellen Fuge, die Varèse als Eintrittstück ins Conservatoire de Paris verfasst hat. Speziell auffällig ist das Autograf, wenn man sich vergegenwärtigt, dass der manisch-depressiv veranlagte Komponist sein gesamtes sonstiges Frühwerk vernichtet hat. Das Gesellenstück, das aus welchen Gründen auch immer, dem Selbstzerstörungsdrang Varèses entronnen ist, kam denn auch erst bei der Durchsicht des Nachlasses zum Vorschein.

Auch Objekte aus dem künstlerischen Bekanntenkreis von Varèse finden sich, so zum Beispiel ein Kaminhut der Art, wie ihn Marcel Duchamp für Varèses zweite Eherfrau Louise Norton fabriziert hat, oder Perkussionsinstrumente zur Aufführung der Schlagzeugmusik «Ionisation», die Varèse selber lagerte, weil sie zu seinen Lebzeiten so exotisch waren, dass sie für Aufführungen des Stücks oft nicht hätten aufgetrieben werden können, wenn sie der Komponist nicht selber geliefert hätte. Eine spezielle Art von «Fanpost» stellt zudem ein Brief des Popmusikers Frank Zappa dar, der von den Klangtüfteleien von Varèse zeitlebens fasziniert blieb. (wb)

«Edgard Varèse – Komponist, Klangforscher, Visionär», bis 27. August 2006, Museum Tinguely, Paul-Sacher-Anlage 1, 4002 Basel, Öffnungszeiten: Di bis So, 11 bis 19 Uhr. Mo geschlossen. Webseite: www.tinguely.ch
Ausstellung-Katalog : 508 Seiten, 250 grösstenteils farbige Abbildungen. Preis: CHF 59.– (im Buchhandel: CHF 69.50; Schott Musik International, Mainz)

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