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Orchestra del Maggio Musicale Fiorentino in Bern

09.11.2011 — Mit Oper beginnt’s, mit Oper endet’s, Etwas Ästhetik des Teatro lirico scheint aber auch den Rest des Programmes zu prägen. Ursprünglich war vorgesehen, das Konzert des Orchestra del Maggio Musicale Fiorentino in Bern unter Leitung Zubin Mehtas mit einem Konzert für vier Violinen und Orchester Vivaldis beginnen zu lassen.

Dann liess jedoch Beethovens «Egmont»-Ouvertüre den virtuellen Vorhang im Berner Kultur-Casino hochgehen, und der Klangkörper aus der lichtdurchfluteten Toscana offenbarte gleich einmal viel sinnlichen Charme, mit seidigen Streichern, weichen, aber wohl konturierten Bläsern und einer präzisen, eher durchsichtigen Musikantik. Die dynamischen Extreme, das Kantige und Harte sind hingegen nicht Sache des italienischen Ensembles, Egmont klang da fast schon wie sanfter Rossini, beinahe lieblich, betörend und auch etwas harmlos.

Der Zug ins Sensibel-Opernhafte kommt vermutlich nicht von Ungefähr. Mehta, bis 2006 Musikdirektor der Bayerischen Staatsoper, gilt als Mann des Musiktheaters, und auch das Orchester erfüllt in seiner Heimatstadt im Teatro Communale wichtige Aufgaben. Dass sein Herkunftsland Italien sich über die Oper definiert, soll hier als Klischee nicht bemüht werden.

Die Kombination aus Operngestik und apollinischem Interpretationsverständnis führte zu einer interessanten Lesart von Mozarts Klavierkonzert Nr. 25 C-Dur KV 503. In eher gemächlichem Tempo, mit transparentem Orchesterklang und Zurückhaltung in der dynamischen Breite erlaubte das Orchester dem Tessiner Solisten Franceso Piemontesi einen schon fast kammermusikalischen Blick auf den Solopart.

Man verstand sich auf dem Podium, auch wenn der Solist interpretatorisch möglicherweise gerne noch etwas tiefer gelotet hätte. Wie delikat er zu gestalten vermag, bewies der als «Schweizer Talent» gesetzte und vom Publikum gefeierte Pianist mit «Au lac de Wallenstadt» aus Liszts «Années de Pélerinage» als Zugabe.

Auch Beethovens dritte Sinfonie ging das Orchestra del Maggio Musicale Fiorentino in dem Konzert in der Reihe der Migros Kulturprozent Classics eher mit sensiblem Optimismus als mit tiefgründigem Revolutions-Schmiss an. Selbst in der «Marcia funebre» taten sich da kaum beunruhigende Abgründe auf. Etwas Langeweile schlich sich mit der Zeit da dann doch ein. Das Berner Publikum liess sich aber auch von diesem mediterranen Beethoven recht beeindrucken und verdankte den Besuch schliesslich – wenn auch eher zögerlich – mit einer Standing Ovation.

Zurück auf Feld eins hiess es mit der Zugabe, Mozarts Ouvertüre zu «Figaros Hochzeit». Eben: In Florenz schienen alle Wege zur Oper zu führen. (wb)

Orchestra del Maggio Musicale Fiorentino, Zubin Mehta (Leitung), Francesco Piemontesi (Klavier), Beethoven: Egmont-Ouvertüre, 3. Sinfonie «Eroica», Mozart: Klavierkonzert Nr. 25 C-Dur KV 503. Migros Kulturprozent Classics, Tournee II, Kultur-Casino Bern, 8. November 2011

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