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Ergonomische Aspekte der Musikausübung

05.11.2011 — Im Rahmen des 9. Symposiums der Schweizerischen Gesellschaft für Musikmedizin (SMM) und der Schweizerischen Interpretenstiftung (SIS) widmeten sich in den Räumlichkeiten der Hochschule der Künste Bern (HKB) Fachleute «ergonomischen Aspekten der Musikausübung».

 

05.11.2011 — Im Rahmen des 9. Symposiums der Schweizerischen Gesellschaft für Musikmedizin (SMM) und der Schweizerischen Interpretenstiftung (SIS) widmeten sich in den Räumlichkeiten der Hochschule der Künste Bern (HKB) Fachleute «ergonomischen Aspekten der Musikausübung».

Die Veranstaltung wurde am 22. Oktober in Zusammenarbeit mit der HKB, dem Schweizerischen Musikpädagogischen Verband (SMPV), der Schweizer Akademie für Musik und Musikpädagogik (SAMP) und dem Verband der Musikschulen (VMS) durchgeführt. Sie vereinte spezialisierte Ärzte, Musikerinnen, Instumentenbauer, Therapeutinnen und weitere interessierte Kreise in der Reflektion über Prophylaxe und Therapie häufiger Beschwerden des Bewegungsapparates. Durch die Tagung führte der in Locarno tätige Arzt Adrian Sury als Moderator.

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Der Weblink
www.musik-medizin.ch
Die SMM dient Musikerinnen und Musikern auch als erste
Anlauf- und Informationsstelle in Sachen
gesundheitliche Probleme.

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Grussworte gab es zunächst von der SMM-Präsidentin Martina Berchtold-Neumann und von Ronald Dangel, dem Vertreter der SIS. Graziella Contratto begrüsste das Publikum als Leiterin des Fachbereichs Musik im Namen der HKB. Sie berichtete von ihren Erfahrungen aus ihrer eigenen Dirigierausbildung. Den Reigen der Referate eröffnete der Belper Arzt Peter Schönenberger. Er gab zu bedenken, dass viele Instrumente vor einer Zeit ergonomischen Bewusstseins ihre Form gefunden haben. Es bedürfe deshalb spezieller Techniken, um physiologische Schäden oder Spätfolgen zu vermeiden.

Aspekte der Ergonomie

Der in Genf praktizierende Orthopäde und Handchirurg Gontran Sennwald betonte darüber hinaus, wie wichtig es ist, die physiologischen und anatomischen Realitäten der menschlichen Hand zu kennen, die von der Natur ja auch nicht speziell mit Blick aufs Musizieren geformt worden ist. Dabei gelte es, vor allem auf gute Durchblutung und Integrität der Nervenbahnen achtzugeben.

Der Luzerner Rheumatologe Urs Schlumpf gab zu Bedenken, dass auch Probleme mit der Wirbelsäule in hohem Mass für Beeinträchtigungen beim Musizieren verantwortlich sein können. Besonders betroffen seien hohe und tiefe Streicher. Die an der gastgebenden HKB tätige Physiotherapeutin Irene Spirgi-Gantert wiederum richtete die Aufmerksamkeit auf den Körperbau als Ganzes. Es gelte, so Spirgi-Gantert, Instrument und Technik optimal an Konstitution und Kondition eines Schüler oder einer Schülerin anzupassen.

In zwei Workshop vertieften die Tagungsteilnehmer unter Anleitung der als Psychologin tätigen SMM-Präsidentin und dem Tanzpädagogen und Choreografen Kurt Dreyer Aspekte der Praxis. Martina Berchtold-Neumann zeigte, wie mit Hilfe von Methoden der Imagination körperliche Haltungen und Bewegungen aus ungewohnten Blickwinkeln betrachtet werden können, Dreyer demonstrierte, wie bewusste Wahrnehmung der von der Gravitation beherrschten Vertikalen zu vertieftem Zugang zum Puls als vitalem Element der Musik führen kann.

Herausforderungen für Instrumentenbauer

Praktische Aspekte des Instrumentenbaus standen am Nachmittag im Zentrum. Der Suhrer Geigenbauer Mark Wilhelm wies zunächst auf die Vielfalt an ergonomischen Hilfen für Streicher hin. Aus der Fülle an Haltern und Kinnstützen etwa sollte individuell die passende Lösung gewählt werden.

Wilhelm erklärte darüberhinaus, dass auch die Instrumentenbauer selber einiges zur Verbesserung der Situation beitragen können: Ein klug gebautes Instrument habe eine hohe Bereitschaft, in klare Bewegungsmuster gebracht zu werden und strahle bereits mit wenig Kraftaufwand eine warme Klangfülle ab.

Der in Düdingen und Bern tätige Blasinstrumenten-Spezialist Beat Zurkinden demonstrierte, wie Handstützen, Tragevorrichtungen, Mundrohrumbauten und angepasste Mundstücke die Ergonomie von Bläsern deutlich verbessern können. Er erinnerte zudem daran, dass für Kinder auch eine ganze Reihe von Spezialinstrumenten zur Verfügung stehen, die den wachsenden Körper nicht überfordern.

Die Angebote umfassen nicht nur Klarinetten – etwa die «Tigerklarinette» mit nur drei Klappen oder C-Klarinetten –, sondern auch Klein-Saxophone, Fagottinos oder Querflöten mit speziell grossen Klappen sowie Taschentrompeten, Kinderwaldhörner und Posaunen, ja sogar eine Kindertuba.

Der Klavierbauer und -stimmer Andres Bangerter machte deutlich, wieviel Erfahrung und welches Geschick es braucht, um die Mechanik eines Klaviers so einzustellen, dass Kraft, Masse und Präzision ausgeglichen zusammenspielen. Die Klavierbegleiterin Anna de Capitani schöpfte aus ihrem Schatz an Erfahrungen als Begleiterin und den Begegungen mit den unterschiedlichsten Klavieren an Konzertorten.

Die Nutzung eines Elektroklaviers lehnt de Capitani nicht katgeorisch ab. Weil ein solches in Sachen Stimmung zuverlässiger und in der Pflege einfacher und günstiger ist, als ein akustisches Instrument und weil es zu jeder Tages- und Nachtzeit das Üben erlaubt, kann es einen guten Zweck erfüllen. Als empfindlichsten Mangel des Digitalklaviers betrachtet die Pianistin das Fehlen eines Klangkörpers und damit eine klangliche Blässe, die sein Spiel eher in die Nähe des Schreibmaschinenschreibens rücke. (wb)

 

9. Symposium der Schweizerischen Gesellschaft für Musikmedizin (SMM) und der Schweizerischen Interpretenstiftung (SIS). Hochschule der Künste Bern (HKB), 22. Oktober 2011

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