20.09.2003 — Seit seinen Anfängen hat er sich allen Einordnungen entzogen: Der britische Geiger Nigel Kennedy, oft verketzert als wildernder Rebell, ist ein Tausendsassa ohne Berührungsängste, zudem einer, der sich auf allen Gebieten des Musikmachens von der Klassik über den Jazz bis zum Pop bewährt hat. Jüngstes Beispiel: das Album «East meets East».
Wohl seine polnische Ehefrau hat Kennedys Interesse für die musikalische Landschaft ihrer Heimat geweckt, und das Ergebnis zeugt ebenso von seiner leidenschaftlichen Entdeckerfreude wie von der Gabe, sich in einen neuen Stil einzufühlen und ihn mit Fantasie und Lust und Respekt als ganz persönlichen Ausdrucksbereich zu gewinnen.
Offen für verschiedenartige Einflüsse ist auch die Kroke Band aus Krakau. Das Trio mit Tomasz Kukurba (Viola, Vocals, Flöten, Perkussion), Jerzy Bawol (Akkordeon, Vocals) und Tomasz Lato (Bass) verschmilzt Klezmermusik und Folk mit Jazz und nordafrikanischen Einflüssen, spielt virtuos mit Melodien und Klängen und Rhythmen, mal meditativ und melancholisch, mal feurig erregt. Kennedy fügt auf seiner kostbaren italienischen Violine (zuweilen mit einer elektronisch verstärkten Geige) den frenetischen Tänzen und den elegischen Weisen hier und dort auch Elemente der klassischen Musik bei. Und: Seine Soloimprovisation «Lost in Time» ist ein weit gespannter Monolog von grossartiger atmosphärischer Dichte und Ausstrahlung. (ws)
East Meets East Nigel Kennedy and the Kroke Band. – Gäste: Natacha Atlas (Vocals), Aboud Abdul Aal (Violine II), Miles Bould (Perkussion), Mo Foster (el. Bass) und Streicher des Krakauer Philharmonischen Orchesters. (EMI 7243 5 57511 2 6; 65’)