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Kunst-Stücke für Bläser

01.10.2003 — Seinerzeit – er lebte von 1759 bis 1831 – war er mit etwa dreissig Werksammlungen einer der fruchtbarsten und erfolgreichsten Komponisten von Streichquartetten, der böhmische Geiger Frantisek Vincenc Kramár, besser bekannt unter dem eingedeutschten Namen Franz Krommer. Dafür, dass der Meister zwischen Klassik und Romantik wenigstens mit seiner exzellenten Musik für Bläserensemble präsent bleibt, sorgt das Zürcher Ensemble La Gran Partita. Es legt bereits das dritte Krommer-Album vor.

Kunst-Stücke für die Hörner: Zwei der Kompositionen (ohne Nummer und Opuszahl), die Partiten in Dis, die eine «Concerto für 2 Hörner», die andere «La Chasse» zubenannt, fordern von den Hornisten eine technische Virtuosität und gestalterische Finesse, die umso mehr erstaunen, als die drei- bzw. fünfsätzigen Werke vor 1818, der Konstruktion des Ventilhorns durch Heinrich Stölzel und Friedrich Blühmel, komponiert und aufgeführt wurden. Nur eine ausgeklügelte Praxis des Stopfens mittels der rechten Hand in der Stürze ermöglichte ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts beim Inventionshorn die Erzeugung chromatischer und diatonischer Zwischentöne. Vor allem böhmische Musiker waren es, die dank ihrem Können das Waldhorn zu einem Modeinstrument machten. In der Romantik wurde das Jagdinstrument Horn auch in der Dichtung zur Verkörperung von Fernweh und Weltschmerz, zum Ausdruck des Phantastischen und Unwirklichen.

Heikel und exponiert sind Krommers Horn-Sätze auch, weil er sich, selbst in «La Chasse», nur zurückhaltend der traditionellen Jagdhorn-Motivik bedient. Zwar scheint ebenfalls in den weiteren Werken, der Harmonie C-Dur op. 76 und der Partita B-Dur No. 9, das klassische Divertimento-Modell durch, doch Krommer orientiert sich an der thematischen Erfindung und Verarbeitung von Sinfonie und anspruchsvoller Kammermusik. Dies und die Frische und Noblesse seiner Erfindung, der Reichtum an Kontrasten wie auch die formale Perfektion und die ausgeklügelte Kombination der Klangvaleurs heben Krommers virtuose Bläserensemblemusik weit über unverbindliche Divertissements hinaus.

Ein Grossteil der Werke Franz Krommers, der ab 1810 als Ballettkapellmeister am Wiener Hoftheater, ab 1818 als Kaiserlicher Kammerkomponist wirkte, dämmern unter dem Staub diverser Bibliotheken. So mussten für diese Neueinspielung die Quellen der Manuskripte recherchiert werden. Der Aufwand hat sich gelohnt: Die neun Mitglieder der Gran Partita (Simon Fuchs und Hans-Martin Ulbrich, Oboe; Michael Reid und Heinz Hofer, Klarinette; Jakob Hefti und Karl Fässler, Horn; Urs Dengler und David Schneebeli, Fagott; Martin Hösli, Kontrafagott) bringen mit technischer Souveränität und gestalterischer Phantasie diese Juwelen der Bläsermusik zum Leuchten. (ws)

Franz Krommer: Partita «La Chasse», Partita No. 9, Harmonie op. 76, Partita «Concerto für 2 Hörner». La Gran Partita. (Tudor 7107; 73’)

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