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Partituren als Landkarten

30.12.2003 — Erstmals in der Geschichte des Bach-Preises, den die Stadt Hamburg seit 1950 alle vier Jahre vergibt, geht die Auszeichnung an eine Frau: 2003 ist er Adriana Hölszky zugesprochen worden. Die 1953 in Bukarest geborene, einer deutsch-rumänischen Familie entstammende Komponistin zog 1976 nach Stuttgart. Im Jahr 2000 wurde sie, nach vorangegangener gleicher Position an der Musikhochschule Rostock, als Professorin für Komposition ans Mozarteum Salzburg berufen. Seit 2002 ist sie Mitglied der Akademie der Künste Berlin.

Adriana Hölszkys Œuvre-Verzeichnis umfasst vier Opern («Bremer Freiheit», «Die Wände», «Giuseppe e Sylvia», «Der gute Gott von Manhattan»), rund zwanzig grössere Vokalwerke, etwa zehn Orchesterkompositionen und an die fünfzig Stücke für Ensembles und Soloinstrumente.

Einen für die Handschrift der Komponistin repräsentativen Ausschnitt aus dem letzterwähnten Komplex hat die 1995 gegründete Klangwerkstatt Weimar beispielhaft eingespielt: Armin Bachmann (Euphonium, Posaune, Alphorn), Claudia Buder (Akkordeon), Karen Leonie Leiber (Gesang), Christina Meissner (Cello), Christoph Ritter (Klavier), Matthias Schröder (Schlagzeug), Klaus Wegener (Klarinette, Bassklarinette).

«Woher kommt der Klang und wohin geht er?» ist Adriana Hölszkys zentrale Frage. Ihre Partituren bezeichnet sie als «Landkarten einer sich im Raum bewegenden Landschaft». Das Erforschen von Klang und Raum bestimmt ihr Schaffen. Mit einer Radikalität und einer Vielfalt der kompositorischen Mittel und der Spieltechniken horcht sie Klänge und Klangfarben und Geräusche aus. Unruhe, Hektik, aufgeladene Expressivität, rasch wechselnde Klangereignisse sind Kennzeichen existenzieller Verunsicherung und allgegenwärtiger Gefährdung.

In «Monolog» (1977) für eine Sängerin mit Pauke, «Segmente II» (1992) für zwei Klangzentren (Klavier, Schlagzeug), «WeltenEnden» (1992) für einen Blechbläser (Posaune, Euphonium, Alphorn), «Wolke und Mond» (1996) für Violoncello und Akkordeon und «Avance» (1997) für Euphonium, Bassklarinette, Violoncello und Klavier öffnen die Interpretinnen und Interpreten dank ihrem vehementen Einsatz einen faszinierenden Hör- und Erfahrungsweg in die bedrängenden Klanglandschaften der Adriana Hölszky. (ws)

Adriana Hölszky. Klangwerkstatt Weimar. Materialreiches Booklet. (Animato ACD 6065; 54’)

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