02.01.2004 — «In Darkness Let Me Dwell»: 1999 legten der Tenor John Potter und vier Instrumentalisten bei ECM ein Album vor mit Liedern des englischen Komponisten John Dowland (1563–1626). Dabei liessen sie sich nicht von der «historischen Aufführungspraxis» einengen, sondern setzten sich mit den Partituren in improvisatorisch geprägtem Zugriff auseinander. Die gleichen Ansätze inspirieren nun auch das zweite Album der fünf Interpreten; «The Dowland Project» bringt Lieder und Madrigale italienischer und englischer Meister des 16./17. Jahrhunderts, darunter Cipriano da Rore, Claudio Monteverdi, Benedetto Ferrari, Henry Purcell, Robert Johnson und John Wilbye.
John Potter (ex-Hilliard-Ensemblemitglied), Stephen Stubbs (Chitarrone, Barockgitarre), Maya Homburger (Barockvioline), Barry Guy (Bass) und John Surman (Sopransaxophon, Bassklarinette) zeichnen sich aus durch überlegten, bedachtsamen Umgang mit den Gesängen von Liebe, Sehnsucht und Pein. Die Auszierungen des expressiven Vokalparts sind stil- und geschmackvoll, die Wahl und die Kombination der Begleitinstrumente auf den Wortgehalt abgestimmt.
Die für dieses Projekt charakteristischen Akzente setzt John Surman, der – mal mit dem Sopransaxophon, mal mit der Bassklarinette – die Singstimme übernimmt, imitiert, kontrapunktiert, behutsam umspielt. Im Kontrabassisten Barry Guy hat Surman einen in gleichem Sinn gestaltenden Partner. Stephen Stubbs verarbeitet in drei Soloimprovisationen Madrigal-Melodien.
Ohne jede Forcierung gelingt es den Interpreten, Musik aus fernen Jahrhunderten nahe zu bringen in makelloser, der Zeit enthoben wirkender Schönheit. (ws)
The Dowland Project. Care-Charming Sleep John Potter, Stephen Stubbs, John Surman, Maya Homburger, Barry Guy. (ECM New Series 1803; 66’)