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Piazzolla in Köln (1984)

28.05.2005 — «Live in Colonia, 1984» ist ein Konzertmitschnitt aus dem Sendesaal der Deutschen Welle in Köln, die das Quinteto Tango Nuevo und Astor Piazzolla als Komponisten und Bandoneon-Virtuosen auf der Höhe ihres Schaffens zeigt, wenn die Gruppe auch noch nicht ganz in der legendären Besetzung der letzten Tourneen aufspielt. Die Aufnahme entstand am 14. November 1984, rund zwei Jahre vor dem Album «Tango: Zero Hour» (1986), das einen Höhepunkt im Schaffen des argentinischen Weltmusikers darstellt und die überaus fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Produzenten Kip Hanrahan einläutet, aus der später auch das Album «Camorra» (1989) hervorgehen soll. Dazu wird allerdings der Gitarrist Horacio Malvicino den in Köln noch mitspielenden Oscar Lopez Ruiz ersetzen. Die andern – Pablo Ziegler am Klavier, Fernando Suarez Paz (Violine) und der Bassist Hector Console – werden Piazzolla durch die wohl erfolgreichsten Jahre seines Schaffens begleiten, die neben der Arbeit mit Hanrahan auch Beiträge zu den Filmen von Fernando Solanas («El Exilio de Gardel», «Sur») und den Gewinn eines Oscars mit sich bringen.
In der endgültigen Besetzung ist das Quinteto 1986 auch in einem Konzertmitschnitt aus dem Konzerthaus Wien zu hören, der zu Vergleichen provoziert, da er ein weitgehend ähnliches Programm umfasst. Tatsächlich sind auf der Kölner CD bereits die ganz grossen Titel Piazzollas zu hören: Neben dem unvermeidlichen «Adios Nonino» Klassiker wie «Biyuya» (nicht «Biyoya» wie im Booklet behauptet), «Mumuki», «Miguel Angelo», «Lunfardo» und der Engel-Zyklus («Milonga..», «La muerte..» und La ressureccion del angel». Was der eine oder andere vermissen könnte, ist ein Titel aus dem Jahreszeiten-Zyklus.
Den dokumentarischen Charakter der Doppel-CD unterstreicht der Mitschnitt einer kurzen Ansprache, die Piazzolla (in Englisch) ans Publikum hält. Im Grossen und Ganzen zeugt die Aufnahme von einem stimmungsvollen, atmosphärisch dichten Abend. Irritierend wirken einzig die auf CD 2 zum Teil sehr harten Schnitte des Applauses zwischen den Stücken. Und wer ganz gut hinhört, mag in der «Milonga del Angel» ein seltsames Stolpern des Gitarristen hören – ob er in den Eingangstakten nach Einsetzen des Bandoneons synkopisch darbietet, was später zu einer regelmässigen Dreitonfigur wird oder die Begleitung ganz einfach verstolpert, soll hier nicht entschieden werden. Wer die Version der Milonga auf dem perfektionistischen Hanrahan-Album «Tango: Zero Hour» im Ohr hat, fällt da allerdings ganz gewaltig aus dem Rhythmus…
(pb)

Astor Piazzolla & Quinteto Tango Nuevo, Live in Colonia 1984, Intuition, Schott Music & Media, INT 3343 2

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