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Mikis Theodorakis im Untergrund

09.03.2005 — «Am Donnerstag war ich frei, / tags darauf ein Sklave, / und am Sonntagmorgen / rief mich der Tod zu sich. / Verbrenn die Flügel deiner Gedanken, / blende dein inneres Auge, / damit du das Leid nicht mehr siehst, / damit du den Schmerz nicht mehr spürst.»

Am 21. April 1967 putscht in Griechenland, um Neuwahlen zu verhindern, das Militär unter Führung von Papadopoulos und Pattakos. Mikis Theodorakis, 42-jährig, in seiner Heimat verehrt als ehemaliger Widerstandskämpfer und Komponist volksverwurzelter Lieder, weltbekannt geworden durch seine Musik zum Film «Alexis Sorbas» (1964), tauchte unter, vertonte Texte der Patriotischen Front, besorgte sich zwei Tonbandgeräte und nahm die Protestsongs auf, erst mit dem einen, dann, dieses abspielend, mit dem zweiten Aufnahmegerät: Theodorakis zweistimmig; den Rhythmus schlug er mit einem Lineal auf die Tischplatte. Die Aufnahmen dieser an die lange Tradition der Protestgesänge und der Arbeiterlieder anknüpfenden Werke – der eingangs zitierte Passus stammt aus einem dieser vertonten Gedichte – wurden aus Griechenland geschmuggelt; die Interpretation durch Melina Mercouri ging um die Welt.

Im Juni gleichen Jahres werden durch Armee-Erlass Nr. 13 Musik und Lieder von Theodorakis im ganzen Land verboten. Zuwiderhandelnde werden nach dem Paragraphen «Belagerungszustand» durch ein Sondergericht verurteilt.

Am 21. August 1967 wird Mikis Theodorakis, Abgeordneter der Vereinigten Demokratischen Linken, verhaftet und nach einem Prozess, an dem er nicht teilnehmen durfte, zu einer hohen Haftstrafe verurteilt. Er hatte kämpferisch in Resolutionen zum Widerstand gegen die Militärjunta aufgerufen, um «Griechenland vor der Schande der Tyrannei zu retten».

Im Athener Kerker gelangte er in den Besitz eines Gedichts der Mitgefangenen Rena Chatzidaki, das er nach seiner Entlassung 1968 in die Verbannung in Vrachati vertonte. Das dreiteilige Werk nahm er ebenfalls auf Tonband auf, wobei er sich auf dem Klavier mit einfacher akkordischer Stütze begleitete. Das Band und die Noten liess er nach Frankreich schmuggeln. Dort wurde «Im Belagerungszustand» in der Orchestrierung von Jannis Markopoulos und der Interpretation von Maria Farantouri alsbald auf Platte veröffentlicht.

Ein Jahr nach seiner Verhaftung, am 21. August 1968, wird Mikis Theodorakis in das arkadische Bergdorf Zatuna verbannt. Dort, scharf bewacht, komponiert er das siebenteilige Poem «Marsch des Geistes» von Angelos Sikelianos (1884–1951). Mit einem ausgreifenderen Klavierpart hat es Theodorakis noch in Zatuna aufgenommen. – 1970 wurde er in die Emigration nach Paris geschickt; nach dem Sturz der Militärregierung 1974 kam er in seine Heimat zurück.

Die durch den Komponisten unter den quälenden Bedingungen von Untergrund, Illegalität, Hausarrest und Verbannung gemachten Aufnahmen der drei Liederzyklen aus Athen, Vrachati und Zatuna, die auf der vorliegenden CD zusammengefasst und durch ein inhaltsreiches Booklet kommentiert werden, sind ein berührendes Zeugnis von Mikis Theodorakis’ unbeugsamem Widerstand gegen den Staatsterror, seines Kampfes für die politische Aktivierung des Volkes und, nicht zuletzt, ein wichtiges Dokument seines im beschwörenden Rezitieren gründenden charismatischen Gesangs. (ws)

Mikis Theodorakis: Resistance. Historic recordings from the underground and exile. (Intuition INT 3378 2; 75’)

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