Drücke „Enter”, um zum Inhalt zu springen.

Werke von Qigang Chen

20.07.2006 — Einen probaten Weg zum persönlichen Stil beschreiten aussereuropäische Künstler, die in Europa ausgebildet wurden, durch die Verbindung von Elementen aus verschiedenen Kulturen.

In der chinesischen Tradition aufgewachsen ist der 1951 in Shanghai geborene Qigang Chen, in Frankreich hat er Komposition studiert. Sein Vater, ein berühmter Kalligraph und Maler an der Pekinger Akademie der Künste, wurde 1966 zu Beginn der Kulturrevolution als Antirevolutionär angeschwärzt und in einem Umerziehungslager interniert. Auch Qigang Chen musste für drei Jahre in ein solches Gefängnis. 1977 konnte er sich unter zweitausend Bewerbern für das wieder eröffnete Musikkonservatorium in Peking qualifizieren. 1983 erhielt er ein Stipendium für ein Studium bei Olivier Messiaen in Paris. Rasch wurde Qigang Chen durch sein mittlerweile dreissig Werke umfassendes Schaffen international bekannt und erhielt zahlreiche Preise.

Die vier auf der vorliegenden CD zu hörenden Werke aus einer Zeitspanne von eineinhalb Jahrzehnten – drei davon sind Ersteinspielungen – belegen Qigang Chens künstlerischen Brückenschlag zwischen Fernost und dem Westen. Wobei erstaunlicherweise die jüngste dieser Kompositionen, «L’Eloignement» (Die Entfernung) für 34 Streicher aus dem Jahr 2004, als das aus europäischer Sicht konventionellste anmutet. Trotz dem hier verwendeten Verfahren des computerunterstützten Komponierens erinnert das Opus gelegentlich an Tschaikowski, Strawinsky und Bartók.

Unseren Ohren gefällig sind auch «Yuan» (Ursprünge) für grosses Orchester in drei Gruppen (1987/88) und «Extase» für Oboe und Orchester (1995) durch kantable, zuweilen süsslich (chinesisch) anmutende Melodielinien, fluktuierende Klangräume, repetitive Floskeln und Kleinfiguren sowie häufige Sequenzierungen.

Als eine Art spätromantischer Musik zwischen den Zeiten und Kulturen erweist sich «Extase» mit dem herausragenden Oboisten Jean-Louis Capezzali. Das Spektrum reicht vom kargen Orchestersatz bis zum massigen Tutti, von fragiler Sensibilität bis zu effektvoller Opulenz.

Ganz im Boden seiner Herkunft wurzelt Qigang Chens 1995/96 geschriebene Komposition «San Xiao» (Dreimal lachen) für vier traditionelle chinesische Instrumente: Bambusflöte, Pipa (viersaitige Laute), San Xian (dreisaitige Laute) und Zheng (Zither mit 21 Saiten). In diesem heiteren virtuosen Werk gelang Qigang Chen eine überzeugende bruchlose Verschmelzung zweier Idiome.

Für eine profilierte Umsetzung der «San Xiao»-Partitur sorgt das Ensemble Hua Xia. Das Orchestre Philharmonique de Radio France überzeugt unter der Leitung von Leonard Slatkin und (in «Yuan») unter Yves Prin. (ws)

Qigang Chen: Extase. Orchestre Philharmonique de Radio France. Leitung: Leonard Slatkin, Yves Prin. Ensemble Hua Xia. (Virgin Classics 0946 344693 2 6; 61′) Bei Amazon kaufen

Schreibe einen Kommentar