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Markus Stockhausens «istanti infiniti»

18.01.2007 — Was charakterisiert einen Musiker, der mit den 12 Cellisten der Berliner Philhamoniker auftritt, in avantgardistischen Musiktheaterwerken eine bedeutende Rolle spielt, für eine Kombination aus Jazz-Trio und Kammerorchester – unter anderen dem Musikkollegium Winterthur – Werke schreibt und als aussergewöhnlicher Improvisator auch noch den renommierten deutschen WDR-Jazz-Preis gewinnt? Die Spannbreite charakterisiert das Schaffen von Markus Stockhausen, seines Zeichens gelernter Trompeter und Sohn Karlheinz Stockhausens. Peter Eötvös hat ihm das Trompetenkonzert «Jet Stream» auf den Leib geschneidert, und er selber hat mit einem selbst konstruierten Viertelton-Flügelhorn auch schon die Klangwelten seines Instrumentes erweitert.

Angesichts solcher familiärer Herkunft und vielseitiger Interessen muten die Klangwelten, die Markus Stockhausen mit seinem aktuellen Jazz-Trio auf der CD «Es war einmal…istanti infiniti» in Szene setzt, zunächst einmal überraschend konventionell an. Stockhausen selber an Trompete und Flügelhorn, Angelo Comisso an Klavier und Synthesizer sowie der Schlagzeuger Christian Thomé errichten meditativ-melodienselige, lyrische Traumgebilde, die zum Teil am Cheltenham Jazz Festival 2005 erstmals erklungen sind.

Hinter der Musik des Trios steckt aber mehr als bloss eine liebenswürdige Art, in den Regionen des sonst vom Münchner Edellabel ECM gepflegten erbaulichen Kammerjazz’ zu weiden. Nebst einer melodisch wie klanglich weit subtileren und schlüssigeren Art zu komponieren, als es der Durchschnitt der hiesigen unabhängigen Jazz-Kleinformationen in der Lage ist, weisen der versierte Improvisator Stockhausen und der in der Hälfte der Stücke ebenfalls als Komponist in Erscheinung tretende Pianisten Comisso eine mögliche Richtung, die der typisch europäische Jazz mit seiner charakteristischen poetischen Sinnlichkeit und Intellektualität einschlagen könnte.

Seit Persönlichkeiten wie Klaus Doldinger, Albert Mangelsdorff, Pierre Favre oder Mathias Rüegg der uramerikanischen Tonsprache eine eigenständige deutsche Stimme verliehen haben, scheinen sich die Traditionen hüben und drüben eher wieder anzugleichen. Da wird man die künstlerische Entwicklung Stockhausens fern jeglicher Ideologien und Polemiken weiterhin gerne und mit Interesse verfolgen. (wb)

Markus Stockhausen (Trompete), Angelo Comisso (Klavier), Christian Thomé (Schlagzeug): «Es war einmal…istanti infiniti…», erschienen 2006, Aktivraum AR 10106. bei Amazon kaufen

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