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Rebekka Hartmann spielt Violin-Solosonaten

08.11.2007 — Die 1981 geborene Rebekka Hartmann hat ihre Grundausbildung bei verschiedenen renommierten Münchner Violinlehrern absolviert und ist schliesslich in Kalifornien von Alice Schönfeld zur Konzertreife gebracht worden. In den letzten Jahren hat sie sich als Preisträgerin hochklassiger Wettbewerbe − darunter ein erster Preis beim Bayreuther Concours «Pacem in Terris» − empfohlen. Das erlaubt ihr heute auch, eine Stradivari-Geige zu spielen, die ihr von der Deutschen Stiftung Musikleben zur Verfügung gestellt wird − und dies durchaus zu Recht: Mit ihrer weitherum hochgelobten CD-Debüt stellt sie einerseits eine beachtliche technische Perfektion, andererseits Geschmackssicherheit in der programmatischen Zusammenstellung unter Beweis.

Den überzeugenden Abschluss der CD macht die Sonate von Bernd Alois Zimmermann, die am 8. Juli von Helmut Zernick an den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik Darmstadt uraufgeführt worden ist und eine für heutige Ohren klanglich recht konventionell-expressive Zwölftonkomposition in drei Sätzen darstellt. Sie schliesst mit einer Toccata ab, die mit dem «B-A-C-H»-Motiv den Bogen zum ersten Werk der CD zurückschlägt, zu Bachs Partita II in d-Moll, BWV 1004. Zwischen den beiden Werken steht die Solosonate op.11, Nr. 6 von Hindemith, die auf hervorragende Weise das tönende Universum des Thomaskantors mit dem Klangkosmos der beginnenden Avantgarde verbindet und von Hartmann auf hohem Niveau und solide ausgedeutet wird. Dasselbe gilt auch für die Zimmermann-Sonate.

Im Gegensatz zu den Werken von Hindemith und Zimmermann ist die Bach-Partita bereits unzählige Male eingespielt worden, zahlreiche hervorragende Geiger haben damit ihre Meisterprüfung abgelegt (zu unseren Favoriten gehört zweifelsohne die Version von Hansheinz Schneeberger). Da ist die Messlatte hoch gelegt worden, und eine Rechtfertigung für eine weitere Variante scheint schwierig. Denoch gelingt es Hartmann, dem Interpretations-Mosaik ein weiteres Steinchen hinzuzufügen: Laut CD-Booklet greift sie eine Spekulation der Musikwissenschaftlerin Helga Thoene auf, wonach Bach mit den Partitas den Tod seiner Frau Maria Barbara Bach verarbeitet hat und insbesondere die Chaconne als «Tombeau» für seine verstorbene Frau gesehen werden kann.

Der seidig-schimmernde Klang der Stradivari (oder Hartmanns Spielart) und die eher elegant-galant anmutende Auffassung der Tanzsätze der Partita scheinen einer solchen Hörweise allerdings nicht unbedingt Folge zu leisten. Hartmanns Bach ist zwar flüssig und souverän, mangelt aber doch noch der Feinarbeit und des organischen Atems. So bleibt er aber doch immerhin ein Versprechen, das auf die künftige künstlerische Entwicklung der Geigerin neugierig macht. (wb)

Rebekka Hartmann: Solowerke von Bach (BWV 1004), Hindemith (op. 11, Nr.6) und Zimmermann (Sonate für Violine solo, 1951), Farao Classics B 108029, aufgenommen in den Farao-Studios im Februar 2006.

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