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Haydns «Il ritorno di Tobia» neu entdeckt

04.02.2008 — Haydns drittes (eigentlich erstes) Oratorium «Il ritorno di Tobia» ist im Gegensatz zu den beiden Publikumslieblingen «Schöpfung» und «Jahreszeiten» in den letzten Jahrhunderten fast völlig untergegangen. Dafür dürfte eine Verkettung ungünstiger Umstände verantwortlich sein: Zum einen ist die biblische Geschichte des Tobias, der aus der Fremde zurückkehrt und seines Vaters Blindheit heilt, heute kaum mehr ein Stoff, der Oratorienliebhaber anzieht. Zu sehr scheint die beschauliche und konfliktarme Erzählung wie Erbauungsliteratur für brave Bürger. Überdies dauert «Il ritorno di Tobia» ganze drei Stunden und mutet vor allem der Interpretin der Anna, der Mutter des Titelhelden, einiges zu. Es existieren denn auch gerade mal zwei Aufnahmen von dem Werk. Die eine unter der Leitung von Ferenc Szekeres stammt aus dem Jahr 1975, die andere ist von Antal Dorati 1979 dirigiert worden.

Nun hat Andreas Spering das Werk neu entdeckt und mit dem Vokalensemble Köln, der Capella Augustina und einem hochkarätigen Quintett aus Roberta Invernizzi (Rafaelle, Sopran), Sophie Karthäuser (Sara, Sopran), Ann Hallenberg (Anna, Alt), Anders J. Dahlin (Tobia, Tenor) und Nikolay Borchev (Tobit, Bass) erstmals mit historischen Instrumenten eingespielt. Die Aufnahme ist im September 2006 im Sendesaal des Funkhauses Köln des Deutschlandfunks realisiert worden.

Mehrere Dinge fügen sich dabei glücklich zusammen: So ist die Musik von Haydns Jugendwerk in den grossen Formen genauso überzeugend wie sie in der Gestaltung des Textes einfallsreich, farbig und trotz aller Erbaulichkeit streckenweise sehr dramatisch wirkt − die drei Stunden verfliegen beim Anhören und Staunen ob der Qualität des Werkes buchstäblich im Flug. Die Kurzweil ist auch das Verdienst der fast durchwegs überzeugenden Ausführenden (einzig der Tenor Anders J. Dahlin scheint im Orchester etwas unterzugehen). Zudem hat Spering in Sachen Interpretation ganze Arbeit geleistet. Das wendige Instrumentarium des 18. Jahrhunderts überzeugt in nie erlahmender Spielfreude mal mit lautmalerischen, mal mit angriffigen, aber auch mit behutsamen Klängen.

Den drei CD der Box ist ein informatives Booklet beigelegt. Es umfasst einen detaillierten Einführungsessay und den Originaltext des Librettos in Italienisch. Ein deutsche Übersetzung des Textbuches wird unter der Webadresse www.naxos.com/libretti/570300.htm bereitgestellt. (wb)

Haydn: Il ritorno di Tobia (Invernizzi, Karthäuser, Hallenberg, Dahlin, Borchev), Vokalensemble Köln, Capella Augustina, Andreas Spering (Leitung), Naxos 8.570300-02.

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