08.01.2015 -- Der in Hamburg lebende Musiklehrer und promovierte Musikwissenschaftler Paul Riggenbach hat sich sein eigenes musikdidaktisches Universum inklusive eigenem Verlag geschaffen ‒ einen kompletten Lehrgang mit Bänden zur Notationslehre, zu Melodie, Rhythmus und Harmonie. Dabei verfolgt er originelle Wege, die sich von den Road Maps orthodoxer Pädagogiken in Klassik, Jazz oder Pop teils deutlich unterscheiden und ihre Stärken nicht zuletzt darin haben, dass sie diese Genregrenzen ignorieren. Seine eigene Lebensgeschichte mit Arbeiten in Variété und Zirkus, mit klassischen Orchestern (den Hamburger Symphonikern), Jazzern und Schlagersängerinnen haben haben ihm den weiten Horizont dazu geöffnet. In seiner «Harmonielehre» finden sich denn auch mit grösster Selbstverständlichkeit Erörterungen zu Guide Tone Lines und zum Verbot von Quintparallelen ganz selbstverständlich neben kundigen Analysen von Grönemeyer-, Adele- oder Beatles-Kompositionen.
Veröffentliche Beiträge in “Buchbesprechungen”
11.11.2014 -- Sein erstes publiziertes Werk erschien in Deutschland. Der Verlag Breitkopf & Härtel druckte die Violinsonate op. 13 auf eigene Kosten. Der 31-jährige Komponist musste auf jegliche finanzielle Ansprüche verzichten, denn – wie das Verlagshaus begründete – «der Name Monsieur Faurés ist in Deutschland nicht bekannt, und der Musikmarkt wird überschwemmt von Werken dieser Art, wenngleich sie oft weniger gelungen als das vorliegende sind.»
Weder das Meisterwerk aus dem Jahr 1876 noch das Renommee des Leipziger Verlags brachten Gabriel-Urbain Fauré den Durchbruch in den deutschsprachigen Gebieten, und auch in seiner Heimat dauerte es noch etliche Zeit, bis Fauré die erhoffte künstlerische und soziale Anerkennung erfahren konnte.
Gut 900 Seiten zum Thema Kanon. Gemeint ist hier natürlich nicht der Kanon als kontrapunktische Form, sondern der Kanon musikalischer «Meisterwerke», ein Katalog von Kompositionen mit Vorbildfunktion.
«Der Kanon des Fachs Musikwissenschaft ist nicht die Musik schlechthin, sondern jene begrenzte Ansammlung von Werken, auf die sich das Fach als zentrale Ereignisse der Musikgeschichte und zugleich der gegenwärtigen kulturellen Prägung bezieht». (Michael Walter, S. 86) – Oder: Ein Kanon ist «die typische Organisationsform eines schriftkulturell verfassten kulturellen Gedächtnisses. Als solche ist er ebenso ein Instrument des Vergessens wie der Erinnerung». (Jan Assmann, S. 105)
02.05.2014 -- Verarmt, vereinsamt, vom Glück verlassen, die Schaffenskraft erlahmend, von Salieri oder Süßmayr oder Hofdemel vergiftet, von Freimaurern ermordet … Die romantischen Legenden und Anekdoten um seine letzten Lebensjahre und das frühe Ende holen Mozart vom Podest des Genies auf eine fassbare Nähe hinunter. Doch längst sind diese Ammenmärchen durch Fakten widerlegt – Mozart starb eines natürlichen Todes, vermutlich infolge Nierenversagens.
Dass sich in den letzten vier Lebensjahren nicht der Geist des Abschiednehmens, der Resignation über Mozarts Leben und Schaffen legte, wie vielmehr frische künstlerische Impulse wirksam wurden, Mozart sich neue Richtungen in seiner musikalischen Arbeit erschloss, energisch neue Wege erkundete, hat Christoph Wolff zum Inhalt seiner jüngsten, 2012 publizierten Studie gemacht. Sie liegt nun in sorgfältiger Übersetzung auch in Deutsch vor.
Ein ausschlaggebendes Phänomen der Menschheit ist die Migration, die Wanderung – zu Fuss oder mit Transportmitteln – zwischen Gebieten, Grossräumen, Erdteilen, Zivilisationen, Nationen. Wanderungsbewegungen spielen in der Entwicklung von Kulturen und deren wechselseitigem Austausch von Gütern und Ideen, zudem in der Ausbildung der eigenen Identität eine bestimmende Rolle.
Ins Blickfeld der musikwissenschaftlichen Forschung gerieten Migration und Remigration erst im Zusammenhang mit den politischen und gesellschaftlichen Ereignissen des 20. und 21. Jahrhunderts. Während die Reisefreudigkeit europäischer Musiker früherer Zeiten in vielen Publikationen dokumentiert, aber nicht unter dem Thema Migration abgehandelt ist, werden nun die kulturellen Austauschprozesse, die durch die Wanderbewegungen von Sängern, Komponisten, Instrumentalisten und Tänzern in Gang kamen, ausgeleuchtet und diskutiert. Nicht nur ihr Schaffen profitierte von diesen regionalen und nationalen Grenzüberschreitungen und transkulturellen Verflechtungen, auch die ortsfesten Künstler und die Verleger wurden durch Migranten in vielfältiger Art angeregt.
14.02.2014 -- Mit den drei «Kurfürstensonaten» begann der 12-Jährige in Bonn seine Auseinandersetzung mit der Klaviersonate, und nachdem er sich ein Jahrzehnt später in Wien niedergelassen hatte, legte der in der jungen Wiener Hocharistokratie als Pianist renommierte Beethoven 1796 seine ersten anspruchsvollen Werke dieser Gattung vor: die drei Sonaten op. 2. Klaviermusik wurde zu seinem ersten Markenzeichen; die Auseinandersetzung mit der Klaviersonate begleitete ihn durch alle Schaffensphasen, dokumentiert seine künstlerische Entwicklung vom frühen Wiener Stil bis zum Spätstil von Anfang der 1820-er Jahre mit den Opera 109 bis 111.
Legion sind die Untersuchungen dieses Werkkorpus, eines der meisterforschten der Gattungsgeschichte. Analytisch einlässliche Werkführer der jüngeren Vergangenheit stammen von Jürgen Uhde (1970/2012), Siegfried Mauser (2001) und Charles Rosen (2002).
18.11.2013 — Zum kommenden 1. Advent wird in den 37 Diözesen Deutschlands das neue «Chorbuch Gotteslob» eingeführt. Es basiert auf…
02.10.2013 — Längst vorbei die Zeiten, in denen er die Opernhäuser in die Luft sprengen wollte. Pierre Boulez’ kompositorisches Œuvre…
28.08.2013 — Ästhetische Bildung. Wird heute ihr Niedergang beklagt? Sicher ist, die Schule ‒ speziell die Grundschule ‒ betrachtet das…
24.08.2013 — 500 Seiten zum Thema hohe Männerstimmen, 500 Seiten über Kastraten und Falsettisten in der Musikgeschichte. Eine Sache zum…