von Wolfgang Böhler
16.05.2014 — Der «Cluster-Bericht 2011–2013» des Kantons Zürich zeigt Interessantes: Gut ein Viertel der Arbeitsplätze und ein Drittel des Umsatzes der gesamtschweizerischen Kreativwirtschaft sind dem Kanton Zürich geschuldet. Der Musikmarkt des Kantons zählt knapp 1200 Betriebe und 7500 Beschäftigte mit insgesamt 5000 Vollzeitstellen-Äquivalenten. Die Zürcher Hochschule der Künste zählte 2012 2200 Studierende, etwas mehr davon Frauen als Männer. Die Unternehmen, steht im Bericht, «weisen im Durchschnitt weniger als fünf Beschäftigte aus. Da Kreative in der Regel ein lebendiges und urbanes Umfeld mit kurzen Wegen schätzen, konzentrieren sich rund 50 Prozent der Firmen in der Stadt. Im Vergleich mit anderen Metropolitanregionen liegt die Bruttowertschöpfung der Zürcher Kreativwirtschaft mit einem Anteil von rund 5 Prozent an der Gesamtwirtschaft im oberen Bereich».
16.05.2014 — Der «Cluster-Bericht 2011–2013» des Kantons Zürich zeigt Interessantes: Gut ein Viertel der Arbeitsplätze und ein Drittel des Umsatzes der gesamtschweizerischen Kreativwirtschaft sind dem Kanton Zürich geschuldet. Der Musikmarkt des Kantons zählt knapp 1200 Betriebe und 7500 Beschäftigte mit insgesamt 5000 Vollzeitstellen-Äquivalenten. Die Zürcher Hochschule der Künste zählte 2012 2200 Studierende, etwas mehr davon Frauen als Männer. Die Unternehmen, steht im Bericht, «weisen im Durchschnitt weniger als fünf Beschäftigte aus. Da Kreative in der Regel ein lebendiges und urbanes Umfeld mit kurzen Wegen schätzen, konzentrieren sich rund 50 Prozent der Firmen in der Stadt. Im Vergleich mit anderen Metropolitanregionen liegt die Bruttowertschöpfung der Zürcher Kreativwirtschaft mit einem Anteil von rund 5 Prozent an der Gesamtwirtschaft im oberen Bereich».
Wenn der Umzug der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) aufs Toni Areal endlich einmal Realität geworden ist, hat die Stadt eine der grössten Kunstfachhochschulen der Welt. Sie hat mit der ETH, die Partner so dynamischer und zukunftsträchtiger Unternehmen wie Disney und Google ist, ein weiteres Gravitationszentrum, das die Stadt global als Schmelztiegel der Kreatiwrtschaft sichtbar macht. Die Stadt ist allerdings keine Musik-, Literatur- oder Theaterstadt der Zukunft. Sie hat ihre kreativen Stärken (nicht zuletzt wegen der ETH) in technologiebetonten Teil- oder Nischenmärkten wie Games, Neue Medien oder Design.
Im Schweizer Inland zeigt sich nicht zuletzt die Musikszene (wie auch die Literaturszene) aber vital, wenn sie ihre Energien aus regionaler Vielfalt und der produktiven Spannung aus ländlichen und (klein-)städtischen Traditionen ziehen kann. Anteile am Schmelztiegel sind in der Popularmusik eine einzigartig lebendige Volksmusik auf hohem Niveau, und in der Klassik Begegnungsorte ausserhalb der urbanen Zentren. Gegenüber dem Ausland dürften aber die mehr oder weniger «ortlosen», in eine globale Community eingebetteten urbanen Musikhochschulen sichtbar werden. Um diesen international mehr Profil zu geben, müsste noch mehr auf ein Ausgleich dieser beiden Dynamiken hingearbeitet werden.
Die Einzigartigkeit der Schweizer Kreativwirtschaft zeigt sich trotz der Stadt Zürich als Attraktor gerade eben in der tiefen Verwurzelung im Regionalen und Dezentralen und im Gewerbe (deshalb auch die Stärken in den handwerklich-technologischen orientierten Disziplinen). Statt dies als Mangel zu betrachten und international eher herunterzuspielen, in der Befürchtung, dem urbanen Chic der Szenen in Metropolen wie London, Berlin oder New York nicht zu genügen, sollte dies als Stärke gesehen werden. Dort wo die Zukunft spielt ‒ in Indien, China, Arabien, Afrika und so weiter ‒ müssen nicht primär städtische Unterhaltungsindustrien vitalisiert, sondern Probleme des Ausgleichs und der Partizipation ruraler und regionaler Minderheiten gelöst werden. Das Lebensgefühl der europäischen Grossstadt und ihrer Schickeria war gestern. Ökologie, Energie, Wasser, glokalisierte regionale Identität und Religiosität werden morgen das Lebensgefühl der Erdenbürger bestimmen.