von Wolfgang Böhler
Was haben die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) mit der Preispolitik für Konzerteintritte zu tun, und weshalb muss sich der Bundesrat damit beschäftigen? Die SBB haben Schalter, und an Schaltern verkauft man Billette, und «Billette» kann man weiterfassen als bloss mit Blick auf individuelle Reisewünsche. Man kann Schalter eben auch zur Ausgabe von Eintritten für Konzerte (und andere Events) nutzen und damit einen Zusatzverdienst erzielen. Der Bundesrat muss sich damit beschäftigen, weil er zum Thema befragt worden ist ‒ von der St. Galler Ständerätin Karin Keller-Sutter. Weil die SBB bis Ende 2013 mit verschiedenen Ticketing-Anbietern im Eventbereich gearbeitet hat (nämlich mit Ticketcorner, Ticketportal, und Starticket), und sich heute auf eine Zusammenarbeit mit Ticketcorner beschränkt. Frau Keller-Sutter hat von unserer Landesregierung unter anderem wissen wollen, ob «im Sinne eines kundenfreundlichen Service Public eine solche Einschränkung des Angebots» und ob die Situation im Sinne eines freien und fairen Wettbewerbs» nicht problematisch sind. Immerhin habe die exklusive Zusammenarbeit der SBB mit dem Marktführer grosse Auswirkungen auf den Ticketingmarkt.
von Wolfgang Böhler
Was haben die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) mit der Preispolitik für Konzerteintritte zu tun, und weshalb muss sich der Bundesrat damit beschäftigen? Die SBB haben Schalter, und an Schaltern verkauft man Billette, und «Billette» kann man weiterfassen als bloss mit Blick auf individuelle Reisewünsche. Man kann Schalter eben auch zur Ausgabe von Eintritten für Konzerte (und andere Events) nutzen und damit einen Zusatzverdienst erzielen. Der Bundesrat muss sich damit beschäftigen, weil er zum Thema befragt worden ist ‒ von der St. Galler Ständerätin Karin Keller-Sutter. Weil die SBB bis Ende 2013 mit verschiedenen Ticketing-Anbietern im Eventbereich gearbeitet hat (nämlich mit Ticketcorner, Ticketportal, und Starticket), und sich heute auf eine Zusammenarbeit mit Ticketcorner beschränkt. Frau Keller-Sutter hat von unserer Landesregierung unter anderem wissen wollen, ob «im Sinne eines kundenfreundlichen Service Public eine solche Einschränkung des Angebots» und ob die Situation im Sinne eines freien und fairen Wettbewerbs» nicht problematisch sind. Immerhin habe die exklusive Zusammenarbeit der SBB mit dem Marktführer grosse Auswirkungen auf den Ticketingmarkt.
Letzteres bestreitet der Bundesrat. Etwas quer argumentiert er, dass die SBB zwar grundsätzlich dem Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen (BöB, was für eine Abkürzung!) unterstellt und somit zur Ausschreibung von öffentlichen Beschaffungen verpflichtet sei. Bei der Zusammenarbeit im Event-Ticketing-Geschäft handle es sich, erklärt der Bundesrat unwiderlegbar, aber nicht um eine Beschaffung. Er seid deshalb nicht zur öffentlichen Ausschreibung verpflichtet. Sollte eine Zusammenarbeit der SBB, so der Rat weiter, mit einem einzigen Anbieter als Wettbewerbsbehinderung betrachtet werden, so müsste die Wettbewerbskommission das Verhalten der SBB prüfen und gegebenenfalls Massnahmen anordnen.
Es gebe allerdings keine Anhaltspunkte, dass die SBB im Bereich der Event-Tickets eine marktbeherrschende Stellung habe: Eine summarische Abschätzung zeige, dass das Gesamtvolumen der SBB im Bereich Event-Ticketing ungefähr zehn Prozent betrage. Es bestünden zahlreiche andere Vertriebskanäle wie beispielsweise Kioske.
Man kann die restliche Argumentation des Bundesrates etwa so auf den Punkt bringen: Das Hauptgeschäft der SBB ist der öffentliche Verkehr. «Einschränkungen des Event-Ticketing-Geschäftes, welches mit dem öffentlichen Verkehr nur marginale Zusammenhänge aufweist», betrachtet der Bundesrat «nicht als problematisch». Als nicht problematisch für die SBB natürlich. Weil das Nebengeschäft für die SBB marginal ist, muss man seine Auswirkungen auf den Ticketmarkt auch nicht genauer unter die Lupe nehmen (auch wenn es für die ausgeschlossenen Anbieter sehr wohl eine Behinderung darstellen könnte).
Karin Keller-Sutters Interpellation 14.3744 muss ‒ auch das ist Bundeskulturpolitik ‒ noch in den Räten behandelt werden. Einige dürften auf eine Behandlung des Geschäftes hoffen, die etwas weniger im Alice-im-Wunderland-Stil daherkommt. An Unmögliches zu glauben, ist ja auch nur eine Frage der Übung, wie uns die Weisse Königin gelehrt hat.