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UBS, CS, das Sponsoring und die Medien

Von Wolfgang Böhler

 

11.04.2008 — Die Meldung, verbreitet von der «New York Times», liess vor einigen Tagen aufhorchen: Die UBS zieht sich aus dem Sponsoring des UBS Verbier Festivals und Orchesters zurück (das damit auch die ersten drei Buchstaben seines Namens wird tilgen müssen). Die CS wiederum wird sich aus der Formel 1 verabschieden. Offensichtlich formieren sich die Schweizer Grossbanken nicht nur in Sachen Ramschanleihen neu. Die Art, wie Verbier-Festivalleiter Martin Engström von dem Bruch erfahren hat, bezeichnet er in dem Artikel übrigens als «nicht sehr elegant». Na ja, ein Mangel an Eleganz zeichnet die Welt der globalen Grossbanken zur Zeit ja auch auf andern Gebieten aus.

In der Schweiz steckt die CS ihr Geld in die Festivals von Luzern, Davos und Zermatt, in der Welschschweiz ins Opernfestival von Avenches und das Orchestre de la Suisse Romande, zudem in die St. Galler Festspiele, das Zürcher Tonhalle-Orchester und das Kammerorchester Basel. In Luzern ist sie ein sogenannter «Resident Sponsor» und beteiligt sich als solcher an den Konzerten der Wiener Philharmoniker. Zudem stiftet sie den Credit Suisse Young Artist Award und den Prix Credit Suisse Jeunes Solistes. Letzteres wird unweigerlich zu Problemen führen, wenn die UBS sich in Luzern wie beabsichtigt ebenfalls in der Nachwuchsförderung profilieren will.

Die UBS engagiert sich in der Schweiz wie die CS beim Zürcher Opernhaus (was ja fast unvermeidlich ist), sowie bei den Thuner Seespielen. International rührt sie im Orchester- und Festivalsponsoring mit der grossen Kelle an. Die Bank buttert ihr Geld unter anderem in die Ensembles Boston Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Saint Louis Symphony Orchestra, Seattle Symphony, Cleveland Orchestra, Philadelphia Orchestra, Utah Symphony und London Symphony Orchestra, aber auch in die Festivals von Ravinia, Colorado, Bregenz und das Casals Festival. Am Vierwaldstättersee ist sie bislang bloss an einem Symphoniekonzert vertreten. So kann die jeweilige Klientel der beiden Banken, der von den Finanzberatern Eintrittskarten zugesteckt werden, in Luzern zur Zeit noch säuberlich getrennt werden.

Man kann bei der Neugruppierung der Sponsoren auch eine Achse Basel-Luzern sehen. Neben der UBS ist nämlich auch das Pharmaunternehmen Roche am Lucerne Festival prominent vertreten, allerdings wesentlich diskreter, nämlich mit dem jährlichen Kompositionsauftrag «Roche Commissions».

Das verstärkte Engagement der UBS bedeutet auch mit Blick auf die grossen zentraleuropäischen Festivals eine Bereinigung: Die CS ist − erst seit 2006! − Hauptsponsor der Salzburger Festspiele und kann ihre Kunden damit zu deren Glamourparties karren. Mit den Thuner und Bregenzer Festspielen kann die UBS da nicht wirklich mithalten.

Da die CS in Sachen Klassik in der Westschweiz bereits präsenter ist als die UBS, könnte man darauf spekulieren, dass sie das Sponsoring des Verbier Festivals von der UBS erbt. Entgegenstehen könnte dem, dass die Bank auf der einen Seite als Hauptsponsor von Lorin Maazels New York Philharmonic auftritt, das Verbier Festival auf der andern Seite sehr eng mit der Met und ihrem Dirigenten James Levine verbunden ist.

Die Rochade akzentuiert eine Entwicklung, die sich seit einigen Jahren abzeichnet: Die kulturellen «Top Events» der Schweiz werden mehr und mehr zur Spielwiese der globalen Finanzindustrie. Sie verbünden sich dabei auf geschickte Weise auch mit den Medien. In Luzern sind die namhaften Journalisten nicht mehr bloss kritisch distanzierte Beobachter, sondern mischeln kräftig mit: die Vertreter von DRS2 als Moderatoren von Künstlergesprächen und Academy Forum, der Feuilletonchef der Neuen Zürcher Zeitung als Präsentator eines Workshops am Klavierfestival. Der jüngste Coup der UBS verstärkt ein ungutes Gefühl, wohin diese Allianzen steuern, und ob sie für eine vitale Musikkultur wirklich gut sind. (wb)

Der Musikphilosoph Wolfgang Böhler (M.A.) studierte an der Universität Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.

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