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05.05.2009 — Am Schweizer Medienforschungstag ist am 8. September im Zürcher Technopark ein neues Instrument der Medienplanung vorgestellt worden, eine Datenbank der Wemf AG für Werbemedienforschung namens «MA Sponsoring». Die Datenbanken der Wemf sind so etwas wie die Bibel der Werbewirtschaft. Auf ihrer Basis werden Marketingpläne erstellt und Werbebuchungen geplant. Werbemöglichkeiten, die von der Wemf nicht aufgelistet werden, existieren für die Werbewirtschaft im Grunde genommen nicht. Dank der «MA Sponsoring» kann in Hinblick auf eine bestimmte Sportart, Kulturform oder sogar Sponsoringplattform «die Affinität einer Zielgruppe, einer Marke oder eines Mediums zu einer sponsoringrelevanten Dimension bestimmt werden». Die «MA Sponsoring» macht Sponsoring erstmals wirklich planbar.
In seinem Referat zum neusten Wemf-Angebot machte der Initiant der Datenbank, der Sponsoring-Spezialist Jean-Baptiste Felten, in Zürich die Bemerkung, dass das Bundesamt für Sport die Pilotstudie unterstützt habe, nicht aber das Bundesamt für Kultur (BAK). Die Folge: Im Gegensatz zu spezifischen Sportanlässen finden sich in der Datenbank keine namentlich genannten Kulturevents, womit ein entscheidendes Marketinginstrument für letztere fehlt.
Nun propagiert das BAK mit Werkzeugen wie «Succes Cinema» und einer positiven Einstellung zur privatwirtschaftlich mitfinanzierten Welt von Glanz & Gloria eine Philosophie, die Kulturschaffende zur aktiven Mithilfe bei der Suche nach finanziellen Mitteln ermuntert. Da stellt man sich natürlich die Frage, weshalb ausgerechnet die strategisch so wichtige Datenbank der Wemf nicht mitgetragen wird.
Beantworten, dachten wir uns, kann die Frage nur das BAK selber, respektive dessen verantwortlicher Direktor Jean-Frédéric Jauslin, weshalb wir denn ihn via E-Mail um Klärung des Sachverhaltes gebeten haben.
Wir haben uns auf eine prompte Antwort gefreut, denn das BAK hat ja bereits die Anfrage der Wemf abschlägig beschieden, muss sich also etwas dabei gedacht und die Gründe dafür auch dargelegt haben. Zudem hat die Bundesverwaltung in Sachen Öffentlichkeitsarbeit in letzter Zeit massiv zugelegt (was vor einigen Jahren schon zu kritischen Fragen in Sachen Kosten geführt hat – in seiner Antwort auf die Motion Weyeneth vom 4. Oktober 2001 schrieb der Bundesrat, der Bürger habe heute halt «berechtigte Ansprüche auf breit gefächerte, bedürfnisgerechte Informationen und Dokumentationen»).
Nach mehrfachem Nachhaken erklärt uns eine freundliche Medienverantwortliche am Telefon nach einer Woche, es werde eine Antwort geben, wir müssten uns allerdings noch ein paar Tage gedulden. Wir können daraus nur einen Schluss ziehen: Wenn’s nicht die Geschwindigkeit einer Reaktion auf eine relative einfache Anfrage ist, welche die informationspolitische Aufrüstung der Bundesverwaltung im Auge gehabt hat, dann muss es die Perfektion der Antwort sein. Ehrfürchtig und gerührt stellen wir uns vor, wie Herr Jauslin und sein Stab an den Informationen und Dokumentationen zur Antwort feilt, tagelang in sich geht, nachbessert, abwägt, bedürfnisgerecht streicht und breit gefächert umschreibt, um zur optimalen Formulierung zu gelangen.
Nach zwei Wochen haben wir die mit steigender Spannung erwartete Antwort im virtuellen Postfach. Das von Direktor Jauslin unterzeichnete Mail besteht im Wesentlichen aus einer Zeile: «Aus finanziellen Gründen war das Bundesamt für Kultur leider nicht in der Lage, Herrn Felten eine positive Antwort zu geben». Das muss er sein, der perfekte Satz. Danke! Danke!! liebes Bundesamt für Kultur. (cf)
Der Musikphilosoph Wolfgang Böhler (M.A.) studierte an der Universität Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.
