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Kulturschaffende sind sowieso alles Linke

25.03.2011 — Rechtsbürgerliche Kulturjournalisten (und Kolumnisten die in ihren Diensten stehen), lassen immer mal wieder gerne die Bemerkung fallen, die Kulturschaffenden in der Schweiz seien (wie alle Journalisten ausser die rechtsbürgerlichen natürlich) sowieso Linke. Man kann den besserwisserischen rechtsbürgerlichen Kulturjournalisten (alle rechtsbürgerlichen Kulturjournalisten sind ja sowieso eitle Besserwisser) da eigentlich nur schlampige Recherche vorwerfen und sich mal daranmachen, die flapsig-applausheischende Bemerkung einem Reality Check zu unterziehen.

Da ist zunächst einmal das Selbstbild der Kulturschaffenden. Das scheint sich oberflächlich mit dem Vorwurf zu decken, denn Linke bilden gemäss ihrem Selbstverständnis den progressiven Vortrupp gesellschaftlicher Veränderungen (sie selber würden sagen «Verbesserungen») und das sollte ja auch Sinn und Zweck des Kulturschaffens sein. Oberflächlich ist das Argument, weil sich heute auch Rechtsbürgerliche als Progressiv und nicht einfach mehr als Bewahrer verstehen. Die Welt der Polis ist kompliziert geworden.

Nun zum Reality Check: Welches sind die in den letzten Monaten oder Jahren sichtbar gewordenen Anliegen der Kulturschaffenden an die Politik?

Sie verhindern die Dynamisierung der Energiepolitik mit Festhalten an Postulaten des Heimatschutzes, die dem Alten (und manchmal auch nur dem Gewohnten und Liebgewonnenen) weit mehr schützenswerten Status zugestehen als möglichen Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft.

Sie betreiben mit dem Dringen auf Buchpreisbindung nostalgische Strukturerhaltung in der Kulturwirtschaft.

Sie beklagen sich darüber, dass eine aus dem 19. Jahrhundert stammende Kunstkommission nicht mehr Liebeinzelkind der Bundeskulturförderung ist.

Sie legen sich vor allem für die soziale Sicherheit der Kulturschaffenden ins Zeug – auch nicht gerade Zeugnis existenzieller Risikofreudigkeit.

Und wo sind typisch linkes Engagement und Zukunftsprojekte? Ach ja, da gibt es den Verein Kunst+Politik, dessen Exponenten auf Auftritte in den öffentlich-rechtlichen Medien abonniert scheinen. Der hat sich allerdings in die Postulate der Rechtsbürgerlichen verbissen.

Er gibt deren von irrationaler Aufgeregtheit geprägten Ausländerpolitik eine exzellente Plattform, indem er eine Stimmung beschwört, als stünden wir kurz vor der Demontage jeglicher politischer Kultur und als wären es die Rechtsbürgerlichen, die in der Schweizer Politik die Relevanz der Themen definierten. Damit passt der Verein hervorragend ins Politmarketing-Konzept der rechten Populisten (Der Urlinke Lenin hätte sein Wirken wohl als dasjenige nützlicher Idioten bezeichnet).

Die Kulturschaffenden in der Schweiz sind alle links? Schön wär’s. Blickt man etwas genauer hin, sagt das Bauchgefühl etwas anderes: Die Kulturschaffenden in der Schweiz sind bis auf die Knochen konservativ oder Erfüllungsgehilfen rechten Politmarketings. Eigentlich seltsam, dass die «Weltwoche», die ja immer gerne das Gegenteil von dem behauptet, was sie als gängige Meinung zu identifizieren glaubt, noch keine Titelgeschichte in diesem Sinn und Geist gemacht hat.

Kann es daran liegen, dass die «Weltwoche» – was ihre Funktion in der Politlandschaft angeht – im Grunde die gleiche Funktion erfüllt wie der Verein Kunst+Politik? (wb)

Der Musikphilosoph Wolfgang Böhler (M.A.) studierte an der Universität Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.

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