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Eine Quote fürs Schweizer Musikschaffen?

Von Wolfgang Böhler

 

18.10.2013 — Der Genfer CVP-Nationalrat Luc Barthassat hat eine Motion für eine «Musikquote für Musikschaffende in der Schweiz» eingereicht. Es ist eine Forderung, die eher in der Welschschweiz erhoben werden kann als in der Deutschschweiz, neigen die Romands doch weit stärker zu etatistischen Lösungen kultureller Fragen als die Bürger östlich des Röstigrabens. Die Motion hat denn auch ausschliesslich Mitunterzeichner aus der Romandie. Aufgrund der Quote ‒ so die Forderung ‒ müsste mindestens 25 Prozent der in der Schweiz ausgestrahlten Musik in der Schweiz produziert werden.

Interessant ist die Begründung: «Musikschaffende und Musikerinnen und Musiker in der Schweiz befinden sich in einem sehr schwierigen Wettbewerbsumfeld. Die grossen anglo-amerikanischen Produktionen verfügen über hohe Budgets, mit denen die Bevölkerung wirksam und flächendeckend erreicht werden kann, insbesondere über das Radio und Videoclips im Fernsehen. Die Schweizer Musikerinnen und Musiker hingegen können nicht auf die Unterstützung einer solchen Industrie zählen. Demzufolge sind sie auf den Schweizer Kanälen viel seltener zu hören und zu sehen.» So steht’s da wörtlich.

Es sei «absurd, dass Jugendliche zuhauf zu Berufen ausgebildet werden, die mit Musik zu tun haben», schreibt Barthassat weiter, wenn sie «ihren Beruf später nicht ausüben können oder gezwungen sind dazu ins Ausland zu gehen». Das ist nun zweifach falsch argumentiert. Dass junge Musiker ins Ausland gehen, ist kein Ausdruck der Not, sondern schon fast Pflicht, denn das Musikgeschäft ist ein genuin internationales. Zudem hat der Mangel an Arbeitsplätzen in der Musikindustrie relativ wenig mit den musikalischen Vorlieben des Schweizer Publikums zu tun, sondern mit der Grösse des Landes. Logisch noch fragwürdiger ist das anschliessende Argument, dass eine solche Quote «die kulturelle Vielfalt in der Schweiz stärken» würde. Wie man dadurch, dass man während eines Viertels der Sendezeit elektronischer Medien bloss ein regional eingeschränktes Musikschaffen zulässt, mehr Vielfalt schaffen will, das muss man uns zuerst erklären.

Zwei wichtige Dinge werden in dem Motionstext mit keinem Wort erwähnt: zum einen die Märkte, zum andern die Qualität. Die Märkte in der Schweiz sind einfach zu klein und überdies sprachlich zu zersplittert, um Schweizer Musikern problemlos Existenzen zu sichern. Das ändert man nicht mit Quoten für Radios und Fernsehen. In den als positiven Beispielen angegebenen Ländern Frankreich und Kanada, die solche Quoten kennen, ist das etwas anderes. Zudem muss das wichtigste Kriterium für ein Airplay eine hohe Qualität sein, egal ob in der Schweiz, den USA, Kasachstan, Tuvalu oder Ostsibirien produziert wird.

Vor allem aber scheint der Weg zur besseren Programmierung von Radios und Fernsehen der falsche zu sein (sagt nun der etatistischen Lösungen abgeneigte liberale Deutschschweizer). Mit den modernen Mitteln der Social Media hat das Publikum weitaus stärker die Möglichkeit, die Playlists zu beeinflussen, als früher. Im späten 20. Jahrhundert, als tatsächlich (vor allem vom damaligen Radio DRS3), nur wenig Schweizer Schaffen präsentiert wurde, hatte dies mit antinationalen Vorurteilen und egozentrischen Neigungen der Radiomacher zu tun (sagen wir nun mal aus dem Bauch raus). Wer auf sein Publikum runterblickt, macht aber halt einfach kein gutes Radio oder TV. Das gilt aber auch für den erzieherischen Zeigefinger welscher Staatsgläubigkeit. (wb)

Der Musikphilosoph Wolfgang Böhler (M.A.) studierte an der Universität Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.

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