23.12.2003 — Guillaume de Machaut, geboren um 1300, eröffnet diese Galerie; den Schluss bildet Adriana Hölszky, 1953 geboren. Dazwischen werden 173 weitere populäre oder weniger bekannte Tonschöpfer vorab aus Europa in Bild und Text gewürdigt. Sechseinhalb Jahrhunderte Musikgeschichte auf 400 Seiten.
Das Reclam-Büchlein der Musikwissenschaftlerin Elisabeth Schmierer – sie lehrt an der Technischen Universität Berlin und an der Folkwang Hochschule Essen – ist ebenso handlich wie reichhaltig. Wann hat ein Komponist gelebt? Was hat er komponiert und wann? Wie sah er aus? sind die Leitfragen dieser Porträtserie, die in konzentrierter Form Daten und Fakten zusammenfasst, in der Regel auf einer Druckseite. Ausnahmen mit je drei Seiten bilden die Artikel zu Bach, Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, Wagner und Verdi. In jedem Beitrag gibt ein ganzseitiges Porträt einen Eindruck von der äusseren Erscheinung des Komponisten (Komponistinnen kommen nur drei vor: Sofia Gubaidulina, Adriana Hölszky und Meredith Monk).
Mit einer auf das Wesentliche sich konzentrierenden Würdigung eröffnet die Autorin das Porträt (Angaben zum Œuvre, zu den Gattungen, zur musikgeschichtlichen Stellung, zum Einfluss). An diese Informationen – der Umfang variiert von zwei Zeilen bis zu einer Druckseite – schliesst sich, chronologisch geordnet, die Auflistung der zentralen Kompositionen an. Bedeutende Werke sind zudem kurz charakterisiert (Stellung im Schaffen des Komponisten und innerhalb der Musikgeschichte). Dass die Verknappung es gebot, die Daten nicht auf das Privatleben der Komponisten auszuweiten, versteht sich.
In der Auswahl der Persönlichkeiten legt die Autorin den Hauptakzent auf Mitteleuropa – zahlenmässig im Vordergrund stehen Deutsche, Italiener und Franzosen; mit Abstand folgen Russen, Österreicher und Osteuropäer. Erstaunlich: György Kurtág fehlt, ebenso Bohuslav Martinu. Die Ausbeute an Komponisten aus den USA ist mit 9 Namen mager. Schweizer sind ganz ausgespart, es sei denn, man fordere Arthur Honegger ein; durch die Maschen fielen hier etwa Rolf Liebermann, Frank Martin, Klaus Huber, Heinz Holliger.
Neben Komponisten, die im heutigen Konzertleben präsent sind, erscheinen andere, nur noch Spezialisten geläufige. Ob es im Sinn der Aktualität nicht dienlicher gewesen wäre, wichtigen Komponistinnen und Komponisten der Moderne auf Kosten älterer mehr Platz einzuräumen?
Seine Stärke führt das Bändchen für all jene – nicht zuletzt für musikinteressierte Laien, für Schüler und Studierende – ins Feld, die sich rasch mit den wichtigsten Fakten über Komponisten und deren Schaffen vertraut machen, einen Titel, ein Entstehungs-, Publikations- oder Uraufführungsdatum nachschlagen wollen. Wer gründlicherer Information bedarf, findet im Anhang nach Komponistennamen geordnete Literaturhinweise.
Schade, dass das Verzeichnis der 172 Komponisten und 3 Komponistinnen nicht ausgeweitet worden ist zu einem Register, das alle im Buch erwähnten Personennamen umfasst. Denn viele Komponisten erscheinen auch in den Artikeln über Kollegen; und durch die Erschliessung der vorkommenden Lehrer, Librettisten, Regisseure, Bühnenbildner, Dirigenten, Instrumentalisten, Mäzene, Philosophen, Literaten und Politiker wäre dem Büchlein eine zusätzliche Dimension geöffnet worden. (ws)
Elisabeth Schmierer: Komponisten-Porträts – Bilder und Daten. 175 Abbildungen. Verlag Philipp Reclam, Stuttgart 2003. 400 Seiten. € 9,40. Fr. 16.70.