05.09.2005 — Das Mozart-Jahr 2006 wirft seine Lichter voraus. Verlage und Labels rüsten zu Hommagen an das international populäre Genie, das Geistigem und Pekuniärem Glanz verleiht, zu seinem 250. Geburtstag am kommenden 27. Januar. Der Reclam-Verlag legt fürs erste gleich fünf Publikationen auf, zwei davon als Neuerscheinungen.
«Wir hatten eingangs der fiktiven These das Wort geredet, daß Mozarts Musik der Entschlüsselung durch die Lebensdokumente der Person nicht bedürfte. Hier die ergänzende Behauptung: Selbst wenn der Autor von Mozarts Briefen unbekannt wäre, sie verlören nichts von ihrer Singularität und von ihrer die Interpretation herausfordernden und zugleich sie verbietenden Unmittelbarkeit.» Mit dieser Quintessenz schliesst der Mozart-Kenner Stefan Kunze (1933–1992), zuletzt Ordinarius am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Bern, seinen Essay «Mozart als Briefschreiber», die Einleitung zu einer Briefauswahl, die 1987 im Reclam-Verlag vorgelegt worden ist.
Aus den 350 erhaltenen Briefen Mozarts – wissenschaftlich ediert wurden sie in sieben Bänden durch Wilhelm A. Bauer und Otto Erich Deutsch zwischen 1962 und 1975 – hat Kunze 187 (darunter 4 von Vater Leopold sowie etliche Nachschriften zu Briefen der Mutter) für die vorliegende Sammlung ausgewählt und mit Fussnoten-Erläuterungen versehen. Zur Auswahl bemerkt der Herausgeber, er habe Einseitigkeiten zu vermeiden versucht. «Der Leser soll sich trotz der unvermeidlichen Lücken, die sich aus der Notwendigkeit der Auswahl ergaben, ein einigermaßen vollständiges Bild vom erhaltenen Bestand der Mozartschen Briefe machen können.»
Die Briefe werden in der originalen Schreibung abgedruckt, sind begleitet von 22 Abbildungen (darunter ein Faksimile) und versehen mit einer Zeittafel. Die Literaturhinweise in der Wiederauflage berücksichtigen nur Publikationen bis 1982.
Mozart, vergnügt und lustig
Ein Tag ohne Mozart ist ein verlorener Tag. All jenen, die sich eine musikalische Pause gönnen, gibt Reclam-Lektor Dietrich Klose unter dem Titel «Komponirt ist schon alles – aber geschrieben noch nicht» seine kleine Anthologie von heiter gestimmten, in acht thematische Kapitel geordneten Mozart-Briefen in die Hand. Die dunkle Seite des Genies bleibt für einmal ausgespart.
Vergnügt und lustig (Lieblingswörter Mozarts) sind sie, und Witz und teils deftiges Sprachjonglieren versprühen auch die beigegebenen Kanon-Texte. Ein Dutzend Abbildungen und eine Zeittafel komplettieren das Bändchen.
Eine «literarische» Anthologie
Zu Mozarts 200. Todestag 1991 legte Dietrich Klose unter dem Titel «Über Mozart» die umfangreiche Sammlung von «Stimmen von Musikern, Dichtern und Liebhabern» zum Komponisten und seinem Schaffen vor, eine «literarische» Anthologie mit Texten, die seit 1763 verfasst wurden. Neben Musikern und Dichtern kommen Philosophen, bildende Künstler, ein Theologe, ein Politiker und ein Psychotherapeut zu Wort. Biografisches und Anekdotisches erscheint als Reminiszenz, auf musik- und theaterwissenschaftliche Texte ist verzichtet worden (Ausnahme: Schönberg). Mit der – chronologisch geordneten – Auswahl will Klose «die Tradition der klassischen Texte mit der Aktualität neuer Annäherungen» verbinden.
Im Zeichen des Mozart-Jubiläumsjahrs ist der kommentierte und mit Illustrationen und Notenbeispielen bereicherte, lange vergriffene Band wieder aufgelegt worden, ergänzt nun durch fünf Beiträge aus den letzten Jahren von Norbert Elias, John Cage, Alfred Brendel, Peter Bichsel und Jörg Widmann, letzterer mit einem Originalessay für diese Neuedition.
In den 64 facettenreichen Texten – darunter Anekdoten, Gedenk- und Jubiläumsreden, Analysen, Epigramme, Essays, Aphorismen, Gedichte, Programmheftbeiträge und Auszüge aus Dramen – widerspiegeln sich Persönlichkeit, Werk und Nachwirken Mozarts, neben aktuell Gebliebenem auch viel Zeitgebundenes und manches Aufschlussreiche in Sachen Mozart-Rezeption.
Die Textbücher der Mozart-Opern
1990 ist der von Rudolph Angermüller edierte Band mit sämtlichen Mozart-Opernlibretti in deutscher Sprache erschienen – eine Pioniertat. Nun liegt die Sammlung in 2., erweiterter Auflage vor.
Sie vereint die Textbücher aller 22 musiktheatralischen Werke und Singspiele, die Mozart zwischen 1767 («Die Schuldigkeit des Ersten Gebots») und 1791 («La Clemenza di Tito», «Die Zauberflöte») vertont hat. Den Übersetzungen liegt die Neue Mozart-Ausgabe zugrunde, und zum angemessenen Verständnis sind die italienischen Libretti nicht in freier oder reimender Nachdichtung, sondern in dem Originaltext eng angenäherter Prosa ausgeführt.
Die einzelnen Textbücher (sie enthalten auch die entsprechenden Fassungsvarianten) werden begleitet von einlässlichen Erläuterungen: Entstehung des Werks, Stoff, Inhalt, Rezeption und Besetzung der Uraufführung. Nicht zuletzt gewährt das Kompendium Einblicke in das Schaffen von Mozarts Librettisten, darunter herausragend Lorenzo Da Ponte.
Materialreicher Führer durch Mozarts Opernschaffen
Als origineller, umsichtiger Cicerone durch die Welt der Mozart-Opern und ihrer Gestalten, durch die Reihen der Librettisten, der Arien und Ensembles erweist sich der Musiktheaterspezialist Rolf Fath in seinem materialreichen Mozart-Opernführer. Auf konzentriertem Raum gelingt es ihm, alle wichtigen Elemente eines Werks zu versammeln, zu erläutern, zu kommentieren und auf ausgewählte CD-/DVD-Einspielungen hinzuweisen.
Dabei würdigt Fath nicht nur Entstehung, Inhalt, Handlungsverlauf, Musik und Rezeption einer Oper, er schildert auch einlässlich deren Bühnengeschichte, international wichtige Produktionen und Inszenierungs-Trends der letzten Jahrzehnte, kommt auf exemplarisch wirkende Interpreten zu sprechen (Dirigenten, Regisseure, Bühnenbildner, Sängerinnen, Sänger) und führt weitere Opern zum jeweiligen Stoff auf.
Nicht weniger nützlich und informativ sind die Biografie Mozarts sowie die biografischen Notizen zu dessen Librettisten und – im Anhang – das Verzeichnis der Arien und Ensembles (Titel/Übersetzung samt Nachweis Wer und Wo) von «A forza di martelli» bis «Zum Ziele führt dich diese Bahn» sowie das kommentierte Verzeichnis der Rollen von Aceste bis Zerlina. (ws)
Wolfgang Amadeus Mozart: Briefe. Ausgewählt und herausgegeben von Stefan Kunze. Mit 22 Abbildungen. 2. Auflage. Reclam-Verlag, Stuttgart 2005. 448 Seiten. € 14,90. Fr. 26.80.
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Mozart zum Vergnügen. «Komponirt ist schon alles – aber geschrieben noch nicht». Hrsg.: Dietrich Klose. Mit 12 Abbildungen. Reclam-Verlag, Stuttgart 2005. 144 Seiten. € 4,00. Fr. 7.40.
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«Zuviel Noten, lieber Mozart». Stimmen von Musikern, Dichtern und Liebhabern. Hrsg.: Dietrich Klose. Mit 9 Abbildungen. 2., ergänzte Auflage. Reclam-Verlag, Stuttgart 2005. 352 Seiten. € 12,90. Fr. 23.50.
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Wolfgang Amadeus Mozart: Sämtliche Opernlibretti. Hrsg.: Rudolph Angermüller. 2., durchgesehen und ergänzte Auflage. Reclam-Verlag, Stuttgart 2005. 1051 Seiten. € 22,90. Fr. 40.10.
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Rolf Fath: Reclams Mozart-Opernführer. Mit 12 Abbildungen. Reclam-Verlag, Stuttgart 2005. 240 Seiten. € 5,00. Fr. 9.30.
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