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Musik-Konzepte: Hans Werner Henze

29.06.2006 — Die Nähe seines Œuvres zu Wort und Bild steht im Zentrum des Hans Werner Henze gewidmeten Musik-Konzepte-Bandes «Musik und Sprache». Der deutsche Komponist wird am 1. Juli 80-jährig.

Henzes Musik, so Herausgeber Ulrich Tadday im Vorwort, öffne sich für aussermusikalische Bedeutungen, verweise auf Literatur, Malerei, Theater, auf geschichtlich gebundene Erscheinungsformen von Kultur und Natur. In der Henzes Schaffen eigentümlichen Nähe zum musikalisch Entfernten, in der Nähe der Musik zu Wort und Bild lasse sie die Bedeutung seiner Musik «beinahe wie eine Sprache begreifen, zumindest besser begreifen».

Einige Facetten von Henzes vielseitigem Schaffen, das unter anderem Opern und Ballette, Lieder, Sinfonien, Konzerte, Kammermusik wie auch Kompositionen für Film, Musiktheater, Schauspiel, Hörspiel und Film umfasst, bringen fünf mit Henzes Werk und Denken vertraute Experten zur Darstellung.

Jens Brockmeier untersucht in seinem Beitrag «Eine Sprache in harter Währung» das von Henze in den Nachkriegsjahren verfolgte Projekt der musikalischen Sprachlichkeit, der Wort-Ton-Beziehungen, seine Erfahrungen in Italien und die Zusammenarbeit mit Ingeborg Bachmann.

Der Essay Hartmut Lücks befasst sich mit den «Literarischen Bilderwelten» in Henzes früher vokaler Kammermusik bis Mitte der Sechzigerjahre. Im Mittelpunkt stehen einige Texte der den Komponisten inspirierenden Dichter (Whitman, Trakl, Lope de Vega, Hölderin, Rimbaud, Elsa Morante) und ihre Umsetzung in expressiven, farbenreichen Werken.

In «Das Floß der ,Medusa’ von Henze und Schnabel. Ein Kunstwerk im Schatten seiner Rezeption» gibt Peter Petersen eine detaillierte Analyse des 1968 in Hamburg uraufgeführten Oratoriums (Texte und Sprachen, imaginäres Theater, Vokalität, die dem Opus zugrunde liegende Zwölfton- und Rhythmusreihe, die Tune-Technik, die revidierte Fassung von 1990).

Klaus Oehl widmet sich in «Oper auf der Couch» Henzes früher dodekaphonischer Funkoper «Ein Landarzt» (1951) nach Kafkas Erzählung aus dem Jahr 1917, verfolgt die Entstehung von der Idee der ersten Kafka-Oper bis zu ihrer Ursendung, beleuchtet Handlung und surreale Bildwelten, die Figuren und Henzes Umsetzung des Textes zu einer surrealen Oper.

Überlegungen zur Funktion des Exotischen im Werk Henzes stellt Marion Fürst in ihrem Beitrag «Das Fremde im Blick» an. Sie verfolgt die Spuren, die aussereuropäische Klänge, Melodien, Rhythmen, Tänze und Volksmusiken in Henzes Schaffen hinterlassen haben, das geprägt ist durch die Spannung zwischen Identifikation und Distanz, Tradition und Innovation. (ws)

Hans Werner Henze. Musik und Sprache. Reihe Musik-Konzepte, Band 132. Neue Folge, herausgegeben von Ulrich Tadday. IV/2006, edition text + kritik im Richard Boorberg Verlag, München. 132 Seiten mit zahlreichen Notenbeispielen, Faksimiles und Tabellen. € 16,-. Fr. 28.60. Bei Amazon kaufen

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