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Ralph Benatzky und das «Weiße Rössl»

25.04.2007 — Inge Jens, Herausgeberin der Tagebücher Thomas Manns, hat 2002 auch eine Edition der Aufzeichnungen von Ralph Benatzky vorgelegt, eine Auswahl aus den zwischen 1919 und seinem Todesjahr 1957 geführten 24 Tagebuchbänden.

Benatzky, das Multitalent – er schuf über zweitausend Chansons und Schlager, mehr als fünfzig Bühnenwerke, zahlreiche Filmmusiken, zudem Romane, Gedichte und Feuilletons –, bleibt in der Erinnerung dank dem Singspiel «Im weißen Rössl» (Berlin, 1930), einem der erfolgreichsten Musiktheaterstücke des 20. Jahrhunderts.

In den Tagebüchern hält Benatzky die Stationen seiner Karriere fest, sein Schaffen, sein privates Leben in Deutschland, Österreich und den USA (wohin er 1938 wegen seiner jüdischen Gattin emigrierte), auch die letzten Lebensjahre in der Schweiz. Er erweist sich darüber hinaus als einer der hellsichtigsten und brillantesten Chronisten seiner Zeit, des kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Lebens von den Zwanzigerjahren bis in die Nachkriegszeit.

Der Musikwissenschaftler Kevin Clarke, Direktor des Operetta Research Center Amsterdam, hat aus den stilistisch vielfältigen Benatzky-Diarien eine vierteilige Hörcollage zusammengestellt mit Musikbeispielen und Texten von 1924 aus dem Berlin der Wilden Zwanziger über die «widerlichste aller Zeiten» bis zum Kriegsende und der Rückreise 1946 aus dem amerikanischen Exil in New York und Hollywood.

Ein einzigartiges Hörerlebnis gestaltet der Sprecher Günter Barton. In des Autors Rolle entfaltet er eine breitgespannte Palette an Sprach-, Ausdrucks- und Affektsnüancen, wie sie so schnell kaum ihresgleichen findet. Akustisch virtuoser als durch Barton lassen sich Texte nicht «dramatisieren».

Originalaufnahmen aus dem «Weißen Rössl»

Lust geweckt auf das «Weiße Rössl»? Ebenfalls in der Edition Berliner Musenkinder erschienen ist eine repräsentative Zusammenstellung von Studioaufnahmen, darunter zwei grosse Potpourris, und Spielfilmtonspuren aus den Jahren 1930 bis 1935, lauter Trouvaillen und Raritäten. (Ein Dokument stammt von 1916, ein weiteres von 1928, Vorlagen zu später einbezogenen Melodien.)

Es treten auf ausser einer Kuh, Glocken, Vögeln und einer Zither Interpretinnen und Interpreten der ersten Stunde, darunter Max Hansen, Walter Jankuhn, Siegfried Arno, Christl Mardayn. Ungetrübtes Vergnügen bereiten im weitern Versionen aus den «Rössl»-Fassungen in Französisch, Englisch und Schwedisch.

Beide Produktionen sind von gut dokumentierenden illustrierten Booklets begleitet. (ws)

Die Tagebücher des Dr. Ralph Benatzky. 1924–1946. Hörcollage von Kevin Clarke. Gelesen von Günter Barton. (Edition Berliner Musenkinder, duo-phon-records 07123; 58’)

Im Weißen Rössl am Wolfgangsee. Originalaufnahmen aus dem Singspiel «Im weißen Rössl», 1916–1935. (Edition Berliner Musenkinder, duo-phon-records 05593; 78’)

siehe auch Musik-Konzepte: «Im weißen Rössl»

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