19.06.2007 — Der Instrumentalunterricht ist eine ständige Baustelle – nicht zuletzt, weil die gesellschaftlichen, politischen und pädagogischen Rahmenbedingungen praktisch unablässig ändern. Dass der renommierte Pädagogikforscher Anselm Ernst seinem Buch den Titel «Was ist guter Instrumentalunterricht?» gibt, kommt also nicht von ungefähr: So wie sich die Praxis immer neu gestaltet, müssen auch die grundlegenden Kriterien dazu, was im Musikunterricht wie und in welchem Rahmen vermittelt werden soll, ständig neu überprüft werden.
Aus dem Text des Bandes lassen sich drei Megatrends herauslesen: Zum ersten ist dies die Aufwertung des Gruppenunterrichts, einer Unterrichtsform, die wegen der ständig steigenden Kosten der Musikunterweisung mehr und mehr zum Normalfall wird. Ernst legt dabei auf überzeugende Art dar, dass die Kollektivunterweisung, wenn sie denn richtig durchgeführt wird, sogar bessere Resultate zeitigt, als die traditionelle Einzelabfertigung. Bekräftigt wird dies mit Hilfe zahlreicher praktischer Beispiele, Interviews und konkreter Unterrichtmaterialien wie Vorlagen für Notenspielkarten und so weiter.
Zum zweiten trägt der Autor der Aufwertung mentaler Übemethoden Rechnung. Er widmet sich dabei Aspekten der Motivation und Aufmerksamkeitsschulung ebenso wie konkreten Verfahren des mentalen Trainings und allgemeinen Methoden des Übens.
Ein weitere Tendenz sieht Ernst in der Tatsache, dass sich die Aufmerksamkeit immer mehr von der Leistung der Schülerinnen und Schüler auf die Qualität der Lehrpersonen verlagert. Er präsentiert deshalb auch ein Fülle an Hilfsmitteln zur Beurteilung der Qualität von Unterrichtenden, aber auch fertige Formblätter zur Unterrichtsbeobachtung sowie Anregungen für die kollegiale Begleitung, Protokolle und Checklisten zur Einschätzung der Stärken und Schwächen von Schülern.
Abgerundet wird der Band mit detaillierten Kriterien zur Beurteilung von Instrumentalschulen, die nicht zuletzt auch helfen sollen, zu entscheiden, ob eine solche auch für den Gruppenunterricht geeignet ist oder nicht.
Die grundsätzliche Betrachtungsweise des Musikunterrichts, die Ernst pflegt, ohne den Bezug zur Praxis zu verlieren, macht das Buch nicht nur für Musiklehrpersonen selber zum nützlichen Ratgeber. Es bietet auch politischen und pädagogischen Aufsichtspersonen wie Mitgliedern von Musikschulkommissionen Orientierung in der überaus schwierigen Beurteilung von Leistungen auf dem Gebiet des Musikunterrichts.
Die Kapitel zur Didaktik des Übens sind durch Erweiterung und Umarbeitung aus dem Artikel «Didaktik des Übens» im Handbuch Üben – Grundlagen, Konzepte. Methoden» entstanden, zu dem eine Codex-flores-Rezension hier zu finden ist. (cf)
Anselm Ernst: Was ist guter Instrumentalunterrricht? –Beispiel und Anregungen. Band 20 der Musikpädagogischen Schriftenreihe Wege, Nepomuk Musik Verlag, Aarau 2007, ISBN 978-3-907117-20-0.