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Musik-Konzepte: Gustav Mahlers Lieder

27.07.2007 — Sinfonie und Lied setzen im Œuvre von Gustav Mahler nicht nur die Hauptakzente, die beiden Gattungen greifen auch ineinander, entsprechen sich in der ihnen gemeinsamen Sprachähnlichkeit, ergänzen sich und verschmelzen zu Grossformen. Im jüngsten Musik-Konzepte-Band behandeln fünf Autoren Mahlers Liedschaffen in der chronologischen Reihenfolge seines Entstehens, reflektieren das Lied als Grundlage seiner Musik.

«Das Lied bildet die Klammer um das Lebenswerk Mahlers, und es ist gleichzeitig seine Keimzelle, die musikalische Substanz seines Komponierens. […] Mahlers gesamtes Werk lässt sich hören als ein Transformationsprozess des Liedes», hält Georg Mohr fest in seinem Beitrag über die «Lieder eines fahrenden Gesellen». – Die Texte und die zwei Dutzend Vertonungen aus «Des Knaben Wunderhorn» behandelt Günter Schnitzler mit Blick auf die Einflüsse der Romantik und Mahlers Affinität zu jener Epoche. Detailliert analysiert er «Der Schildwache Nachtlied».

«Dichtung und Musik im Spannungsfeld von Vermittlung und Unmittelbarkeit» hat Ingo Müller seinen Essay über die «Fünf Lieder nach Texten von Friedrich Rückert» betitelt, in dem er die Lyrik des lange Zeit als Epigone bewerteten Dichters und die geistige Nähe Mahlers zur Ästhetik Rückerts ins Zentrum stellt. – Mahlers Glaubenswelt und Spiritualität geht Alexander Odefey nach in seinem Beitrag über die «Kindertotenlieder». Es zeige sich, resümiert er, «dass Mahler auch in den ,Kindertotenliedern’, […] ein nachdrückliches Bekenntnis zum Glauben an ein Fortbestehen der menschlichen Existenz nach dem Tode, an die Transzendierung des Todes durch die Liebe und einen als Liebe verstandenen Gott ablegte.»

In seinem Artikel zum Thema Musik und Lyrik im «Lied von der Erde» geht Peter Revers auf die literarische Ostasien-Rezeption in Hans Bethges Nachdichtungen zu Anfang des 20. Jahrhunderts ein und stellt sie in den literarischen, kultur- und gesellschaftspolitischen Kontext. Zur Sprache kommen auch kompositorische Aspekte von Mahlers Vertonung.

Der mit vielen Notenbeispielen durchsetzte Band schliesst mit den Abstracts, bibliografischen Hinweisen, einer auf Mahlers Liedschaffen fokussierten Zeittafel und den Kurzbiografien der Autoren. (ws)

Gustav Mahler: Lieder. Reihe Musik-Konzepte, Band 136. Neue Folge, herausgegeben von Ulrich Tadday. IV/2007, edition text + kritik im Richard Boorberg Verlag, München. 120 Seiten mit Abbildungen und Notenbeispielen. € 16,–. Fr. 27.80.

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