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Haydns Londoner Symphonien

10.12.2007 — 59-jährig war Joseph Haydn, als er, eingeladen vom Geiger und Konzertmanager Johann Peter Salomon und verlockt durch die Aussicht auf erkleckliche Honorare, seine erste Reise nach London antrat. Dem England-Aufenthalt von 1791/1792 folgte ein zweiter 1794/1795. Unter den Hunderten von Werken, die Haydn dort komponierte (über 3000 Notenseiten soll er geschrieben haben), finden sich die zwölf sogenannten Londoner Sinfonien (Hob.I: 93 bis 104), die allesamt in der Metropole des Britischen Imperiums uraufgeführt wurden.

Im Auftrag des Bayerischen Rundfunks hat dessen Musikredakteurin Renate Ulm den Londoner Sinfonien, deren Entstehung, Deutung und Wirkung einen Band gewidmet. Fünfzehn Autorinnen und Autoren (Regina Back, Vera Baur, Alexandra Maria Dielitz, Christine Fischer, Jörg Handstein, Rüdiger Heinze, Alexander Heinzel, Claudia Maria Knispel, Armin Raab, Nicole Restle, Susanne Schmerda, Doris Sennefelder, Wolfgang Stähr, Renate Ulm, Egon Voss) verfassten die Kapitel, was inhaltlich zu einigen Redundanzen führt, die allerdings nicht ins Gewicht fallen, da die Beiträge in beliebiger Reihenfolge gelesen werden können.

Die klare inhaltliche Gliederung ergibt sich durch das Dutzend Werkbetrachtungen. An deren Anfang werden die betreffenden technischen Daten aufgeführt: Entstehungszeit, Uraufführung, Besetzung und Satzbezeichnungen. Individuell und durchwegs verständlich sind die Beschreibungen und Analysen der Sinfonien. Auf Notenbeispiele wurde verzichtet (hilfreich zumindest wären die Incipits der Sätze); die Hinweise auf Taktnummern beziehen sich auf die Neue Gesamtausgabe, die vom Joseph-Haydn-Institut in Köln herausgegeben wird (und über die wohl die wenigsten verfügen). Einige zeitgenössische Dokumente, die im Zusammenhang mit der besprochenen Sinfonie stehen, beschliessen die Werkbetrachtung.

Jeder Einzelwürdigung folgt ein Essay. Das auf Haydn bezogene Themenspektrum ist ebenso vielfältig wie anregend und unterhaltsam – beispielsweise Haydn und die Frauen, seine Londoner Notizbücher, der Impresario Salomon, das Konzertleben in London, das Reisen um 1800, Haydn und Mozart und Beethoven, ein Charakterbild Haydns, der Witz an seiner Musik, Haydn-Rezeption im Wandel der Zeit. Den Abschluss jedes Beitrags markiert eine von einer einfühlsamen Besprechung begleitete Porträtabbildung Haydns, darunter dessen Totenmaske.

Zwei einleitende Beiträge stellen grössere Zusammenhänge her: biografische Notizen zu Haydn und die Londoner Sinfonien im Überblick. Alles in allem führt der Band über den grossartigen Werkkorpus hinaus zu einer klarsichtigen Annäherung an Haydns Persönlichkeit und Leistung. (ws)

Renate Ulm (Hrsg.): Haydns Londoner Symphonien. Entstehung – Deutung – Wirkung. Mit 13 Abbildungen. Gemeinschaftsausgabe Bärenreiter-Verlag, Kassel / Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2007. 244 Seiten. € 14,50. Fr. 25.20.

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